Studium und Praxis des Prinzips
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Abschnitt 7. Die Vorsehung der Wiederherstellung und die geschichtliche Entwicklung

Das Reich Gottes auf Erden ist eine Gesellschaft, deren Struktur nach dem Bild eines vollkommenen Menschen geformt ist. (vgl. Schöpung 3.2) Analog dazu kann eine gefallene Gesellschaft als nach dem Bild eines gefallenen Menschen geformt angesehen werden. Wir können die Geschichte der Zivilisationen, die von sündigen Menschen entwickelt worden sind, besser verstehen, wenn wir das innere Leben einer gefallenen Person untersuchen.

Eine gefallene Person besitzt sowohl ein Ursprüngliches Gemüt, das sie bewegt, das Gute anzustreben, als auch ein Böses Gemüt, das sie mit bösen Sehnsüchten erfüllt und sich gegen die Eingebungen des Ursprünglichen Gemüts auflehnt. Unleugbar stehen diese beiden Gemüter ständig miteinander in Konflikt und veranlassen uns zu veränderlichem und gegensätzlichem Verhalten. Da die menschliche Gesellschaft aus Einzelpersonen besteht, die ständig mit sich selbst im Streit liegen, sind auch deren Interaktionen voller Disharmonie und Streit. Die menschliche Geschichte besteht aus konfliktbeladenen sozialen Beziehungen, die sich im Laufe der Zeit ständig ändern. Daher hat sie sich notwendigerweise in Auseinandersetzung und Krieg entwickelt.

Trotzdem streben die Menschen inmitten des ständigen Kampfes zwischen dem Ursprünglichen und dem Bösen Gemüt immer danach, das Böse abzuwehren und dem Weg des Guten zu folgen. Sobald sie in ihrem Bestreben Boden unter den Füßen finden, tragen ihre Bemühungen in Form von guten Taten Früchte. Weil das Ursprüngliche Gemüt im Menschen aktiv ist, kann sogar eine gefallene Person auf Gottes Vorsehung der Wiederherstellung erwidern und das Ziel des Guten unterstützen.

Daher entsteht Fortschritt in der Geschichte durch Einzelpersonen, die sich inmitten des Strudels von Gut und Böse entschlossen anstrengen, das Böse zurückzuweisen und das Gute voranzubringen. Die Welt, auf die sich die Geschichte hin entwickelt, ist das Reich Gottes, in dem das Ziel des Guten verwirklicht sein wird. Wir müssen verstehen, dass die Auseinandersetzungen und Kriege vorübergehende Erscheinungen zur Trennung des Guten vom Bösen sind. Obwohl das Böse zeitweilig die Oberhand gewinnen mag, wird Gott es verwenden, um die Geschichte auf die Erfüllung eines höheren Guten hinzusteuern. Es ist also klar erkennbar, dass sich die geschichtliche Entwicklung zum Guten hin entwickelt und von einem Prozess der ständigen Trennung des Guten vom Bösen nach Gottes Vorsehung der Wiederherstellung begleitet wird.

Unterdessen hat Satan aufgrund seiner Blutsbande mit den ersten Menschen durch gefallene Menschen gewirkt, um noch vor Gott die e pervertierte Form einer idealen Gesellschaft, die Gott verwirklichen will, , zu realisieren. Als Ergebnis können wir das Entstehen von prinzipwidrigen Gesellschaftsformen in der menschlichen Geschichte feststellen, , die auf der Basis einer verfälschten Version des Prinzips errichtet sind. . Bevor am Ende der menschlichen Geschichte Gott Sein Reich auf Erden wiederherstellen kann, wird Satan in einem Zerrbild des Reiches Gottes eine prinzipwidrige Welt errichtet haben; das ist nichts anderes als die kommunistische Welt. Sie ist ein Beispiel dafür, wie Satan, der im Verlauf der Geschichte einen Vorsprung hatte, Gottes Plan vor dessen Verwirklichung als Imitation vorwegnimmt. Im Verlauf der Vorsehung der Wiederherstellung geht dem Erscheinen der Wahrheit ein falsches Bild von ihr voraus. (vgl. Vorbereitung 3.2; 4.1) Die Prophezeiung Jesu, dass falsche Messiasse vor der Wiederkunft Christi auftreten werden (Mt 24,23-24; vgl 1 Joh 2,18), kann durch diesen Aspekt des Prinzips erhellt werden.

7.1 Die geschichtliche Entwicklung im Zeitalter der Vorsehung der Wiederherstellung

Einige Historiker behaupten, dass die erste Gesellschaft, die von gefallenen Menschen gebildet worden ist, eine primitive kollektive Gesellschaft war. Vom Gesichtspunkt der Vorsehung Gottes waren die primitiven Gesellschaften, die gefallene Menschen errichtet haben, auf Satan ausgerichtet. Obwohl Satan versucht haben mag, eine kollektive Gesellschaft zu errichten, in der Menschen ihr Hab und Gut miteinander teilten, wäre es doch nur eine fehlerhafte Nachahmung jener Gesellschaft gewesen, die Gott durch Menschen mit einem vollkommenen Charakter errichten will: eine von Interdependenz, gemeinsamem Wohlstand und universell geteilten Werten gekennzeichnete Gesellschaft. Ungeachtet der Form konnte diese satanische primitive Gesellschaft nicht frei von Kämpfen und Spaltungen sein. Wäre dem so gewesen, hätte sie ohne Veränderung für immer fortbestanden, und Gottes Vorsehung der Wiederherstellung könnte niemals erfüllt werden.

In Wahrheit stehen die beiden Gemüter in einer gefallenen Person ständig miteinander in Konflikt und lassen innere Auseinandersetzungen entstehen, die sich in den Handlungen dieser Person ausdrücken und die Ursache dafür sind, dass sie mit anderen in Konflikt gerät. Daher wäre es für eine satanische primitive Gesellschaft in Verfolgung des Ziels eines kollektiven Lebens unmöglich gewesen, jemals Frieden aufrechtzuerhalten. Als sich die primitiven Gesellschaften zu größer angelegten Gemeinschaften mit unterschiedlichen wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen entfalteten, entwickelten sich diese Konflikte unausweichlich in entsprechender Weise. Doch weil das Ursprüngliche Gemüt immer tätig bleibt und die Menschen aufruft, Gottes Vorsehung der Wiederherstellung zu folgen, sind in den primitiven Gesellschaften unter satanischer Herrschaft sicherlich Spaltungen zwischen dem relativ Guten und dem relativ Bösen entstanden.

Wenn wir den Verlauf der sozialen Entwicklung unter der Führung Satans untersuchen, entdecken wir, dass in primitiven Gesellschaften aufgrund der Uneinigkeiten von Einzelpersonen Sippengesellschaften entstanden sind. Diese Gesellschaften neigten dazu, sich auszudehnen, wobei sich die Sippengesellschaften zu Feudalgesellschaften und weiter zu monarchischen Gesellschaften entwickelten und dabei ihr Territorium und ihre Macht erweiterten. Satan beanspruchte dieses Muster im Voraus, denn er verstand Gottes Plan, gute Menschen aus der sündigen Welt zu erwählen, damit sie eine gute Sippengesellschaft errichten, sie dann zu einer guten Feudalgesellschaft erweitern und schließlich das Stadium eines guten Königtums mit Gebiet und Souveränität erreichen, das geeignet ist, den Messias zu empfangen und sein Werk zu erfüllen.

Gott berief Abraham aus der sündigen Welt zum Bannerträger für das Gute und segnete ihn mit Nachkommen, die Gottes Willen aufrechterhalten würden. Gott gründete mit den Nachkommen Abrahams die erste israelitische Sippengesellschaft. Als Sippengesellschaft kamen sie nach Ägypten; doch als sie Ägypten verließen und nach Kanaan zogen, waren sie zu einer Stammesgesellschaft angewachsen. Die israelitische Gesellschaft war zur Zeit der Richter eine Feudalgesellschaft.

In dieser Erörterung bezieht sich eine Feudalgesellschaft auf eine Gesellschaft mit einem politischen System, das von Herr-Diener-Beziehungen gekennzeichnet ist, von Dienst und Gehorsam, und einem wirtschaftlichen System, das aus autarken Einheiten in kleinen, voneinander abgeschiedenen Territorien besteht. In der Periode der Richter hatte die israelitische Gesellschaft solche Merkmale. Als die Israeliten nach Kanaan kamen, erhielt jeder Stamm einen Teil des Landes. Die Richter, die diese Gebiete regierten, spielten eine ähnliche Rolle wie die Bischöfe und Feudalherren im frühen europäischen Mittelalter.

Es entspricht der Feudalgesellschaft, dass die Menschen den Glauben ihrer Herren übernehmen und ihren Befehlen gehorchen. Solange der Gebieter dem Willen Gottes treu ist, werden ihm seine Leute folgen und auf der Seite Gottes stehen. Dann sind sie fähig, dem Eindringen Satans von der Außenwelt zu widerstehen, weil sie in einem politischen System leben, das auf einer Herr-Diener-Beziehung aufgebaut ist, und weil sie eine autarke Wirtschaftsform haben, die weitgehend unabhängig von der Welt funktioniert. Der Hauptgrund für die Entwicklung einer Sippengesellschaft zu einer Feudalgesellschaft besteht darin, Menschen und Güter, die zu Satan gehört haben, auf die Seite Gottes zu bringen. Wenn sie das Gebiet unter Gottes Herrschaft vergrößern, sind sie besser gerüstet, Satans Eindringen abzuwehren. Im Verständnis dieser göttlichen Vorsehung versuchte Satan seine Herrschaft aufrechtzuerhalten, indem er viele Jahrhunderte früher seine eigenen Feudalgesellschaften bildete.

Der Zweck der Vorsehung der Feudalgesellschaft des frühen Israel lag in der Schaffung eines Fundaments für die Errichtung einer monarchischen Gesellschaft mit größerem Territorium und stärkerer Souveränität. Die monarchische Gesellschaft vereinigte kleinere Einheiten mit politischer und wirtschaftlicher Selbständigkeit, wie sie von der früheren Feudalgesellschaft gesichert waren, in ein einziges Territorium mit großer Bevölkerung, einer starken Wirtschaft und einer wehrhaften Souveränität. Das wurde mit der Errichtung des Vereinigten Königreiches, das von König Saul gegründet worden war, erreicht.

Jesus sollte als König der Könige kommen. (Offb 11,15) Gott errichtete in Israel die monarchische Gesellschaft, um ein hinreichend starkes Fundament vorzubereiten, damit Jesus als Messias kommen und als König der Könige regieren konnte.

Bereits lange zuvor verstand Satan die Vorsehung, dass nach der Errichtung der Monarchie der Messias empfangen werden sollte, und bildete seine eigenen monarchischen Gesellschaften, um Gottes Vorsehung zu verhindern. Viele Jahrhunderte vor der Gründung des Vereinigten Königreiches von Israel wurde die erste Dynastie Ägyptens gegründet; und das pharaonische Ägypten währte 30 Dynastien lang. Das alte Königreich von Babylon hatte im 18. Jahrhundert v. Chr. unter König Hammurabi ganz Mesopotamien beherrscht und die Hethiter hatten im 14. Jahrhundert v. Chr. im Nahen Osten im Gebiet von Syrien die Oberherrschaft. Sogar innerhalb der satanischen Welt gab es zwischen den relativ guten und den relativ bösen Königreichen ständig Kriege, die in der Trennung des Guten vom Bösen resultierten. Dieses Streben nach dem Guten hat seine Wurzel im Ursprünglichen Gemüt, das auf den Ruf von Gottes Vorsehung der Wiederherstellung erwidert.

Hätte König Salomo dem Willen Gottes bis zum Schluss gedient, hätte er seine von Gott gegebenen politischen Fähigkeiten einsetzen können, um die Nationen des Nahen Ostens zu einen. Er hätte die ägyptische, minoische und mesopotamische Zivilisation, die zu jener Zeit schwach waren, integrieren können. In der Folge hätte er ein Großreich errichtet, in das der Messias hätte kommen und in dem er Gottes Herrschaft auf Erden hätte errichten können. Unglücklicherweise verfiel Salomo dem Götzendienst. Folglich musste Gott eine Vorsehung beginnen, um diese monarchische Gesellschaft, die Er mit so viel Mühe errichtet hatte, zu zerschlagen.

Da die Herrscher des Vereinigten Königreiches von Israel das Fundament für den Messias nicht errichteten und auch keine Grundlagen legten, auf denen Gott Seine Herrschaft wiederherstellen konnte, teilte Er schließlich das Königreich in zwei Reiche: Israel im Norden und Juda im Süden. Da sie weiterhin gegen Gottes Willen verstießen, ließ Gott das nördliche Königreich Israel durch die heidnische Nation der Assyrer zerstören. Im 8. Jahrhundert v. Chr. hatten die Assyrer den gesamten Vorderen Orient einschließlich Ägypten erobert und das erste Weltreich errichtet. Das Königreich Juda hielt eine Zeit lang an Gottes Willen fest, rebellierte jedoch dann gegen Ihn. Daher erlaubte Gott, dass es in die Hände des neubabylonischen Reiches geriet, das als das zweite Weltreich die Assyrer verdrängt hatte.

Nach dem Fall von Juda ließ Gott den Thron von Israel vakant und stellte das jüdische Volk fast die gesamte Periode bis zur Ankunft des Messias unter die Kontrolle der nachfolgenden heidnischen Reiche. Es ist überaus bemerkenswert, dass Gott die Israeliten in die hellenistische Kultur einband, die den ideologischen Rahmen für die Demokratie schuf. Gott schuf Israels Gesellschaft in Form einer Demokratie, damit der Messias bei seinem Kommen nach dem Willen des Volkes als ihr König aus vollem Herzen begrüßt werden könnte. Doch das jüdische Volk begegnete Jesus nicht in dieser Weise. Ohne öffentliche Unterstützung zu finden, wurde er gekreuzigt. Folglich wurde der Zweck der Erfüllung der Vorsehung, die 2000 Jahre früher mit der Berufung Abrahams und seiner Nachkommen aus der sündigen Welt heraus begonnen hatte, nur geistig erreicht.

7.2 Die geschichtliche Entwicklung im Zeitalter der Verlängerung der Vorsehung der Wiederherstellung

7.2.1 Die Vorsehung der Wiederherstellung und die Geschichte des Westens

Das Römische Reich, das die Christen verfolgt hatte, fiel schließlich im 4. Jahrhundert vor dem gekreuzigten Jesus auf die Knie und nahm das Christentum als Staatsreligion an. Dennoch bestand die ursprünglich vorgesehene Rolle des Römischen Reiches, das die antike Welt rund um das Mittelmeer geeint hatte, darin, das Fundament für das Reich Christi auf Erden zu errichten. Hätte das jüdische Volk an Jesus als den Messias geglaubt und sich mit ihm vereinigt, so wäre das Römische Reich durch Jesus noch zu seinen Lebzeiten gewonnen worden. Jesus wäre im gesamten Reich als König der Könige geehrt worden. Er hätte ein Weltreich mit Jerusalem als Hauptstadt errichtet. Doch weil die Juden nicht glaubten, wurde Judäa zerstört und das Römische Reich zerfiel. Nach einem Jahrhundert barbarischer Invasionen endete 476 n. Chr. das westliche Römische Reich.

Auf diese Weise ging das Zentrum der Wiederherstellung von Judäa, dem Land, das Gott so tiefen Kummer bereitet hatte, auf Westeuropa über, das früher das Gebiet des westlichen Römischen Reiches gewesen war und nun von den germanischen Stämmen bewohnt wurde. Folglich wurde die geistige Vorsehung der Wiederherstellung, basierend auf dem Christentum, hauptsächlich in Westeuropa durchgeführt. Nur in Westeuropa hat sich die Geschichte dieses Zeitalters streng nach dem von der Vorsehung der Wiederherstellung festgelegten Muster entwickelt. (Ebenso ist der Verlauf der historischen Entwicklung, wie er in der marxistischen Theorie des historischen Materialismus behandelt wird, nur auf die Geschichte von Westeuropa anwendbar.) Die Geschichte des Christentums in Westeuropa liefert uns Informationen über die Ereignisse, welche das Zeitalter der Verlängerung der Vorsehung der Wiederherstellung geformt haben.

7.2.2 Die wechselseitigen Beziehungen zwischen der Geschichte der Religionen, der Wirtschaft und der Politik

Um die Menschen zu befähigen, sowohl die Geistige als auch die Physische Welt zu beherrschen, schuf sie Gott als polare Wesen mit einem Geistigen und einem Physischen Selbst. (vgl. Schöpfung 6.2) Wären die Menschen nicht gefallen, hätten ihr Geistiges Selbst und ihr Physisches Selbst gemeinsam Vollkommenheit erreicht. Ihr geistiger und ihr physischer Intellekt hätten sich während ihres Lebens auf Erden in völliger Harmonie zusammen verbunden. Nachdem die Menschen gefallen und in Bezug auf die Geistige und die Physische Welt unwissend geworden waren, wirkte Gott durch die Religion, um die geistige Unwissenheit, und durch die Wissenschaft, um die physische Unwissenheit zu überwinden. (vgl. Eschatologie 5.1)

Die Religionen haben den gefallenen Menschen geholfen, nach und nach ihre geistige Unwissenheit zu überwinden, indem sie ihr verborgenes Ursprüngliches Gemüt reaktivierten. Sie haben die Menschen gelehrt, ihr Leben auf die unsichtbare, ursächliche Welt Gottes auszurichten. Doch da nicht jeder eine unmittelbare Notwendigkeit für Religion empfindet, erlangen nur einige außergewöhnliche Leute rasch geistige Kenntnisse. Für die große Mehrheit bleibt spirituelles Wachstum ein langsamer Prozess. Sogar heutzutage, da Religionen über die ganze Welt verbreitet sind, stellen wir fest, dass der geistige Horizont der Menschen oft nicht besser ist als jener von Menschen in früheren Zeiten.

Andererseits ist jeder mit den Entdeckungen der Naturwissenschaften vertraut, die unsere Kenntnis von der Physischen Welt sehr vergrößert haben. Da sich die Naturwissenschaften mit praktischen Dingen befassen, fühlt jeder dafür einen großen Bedarf. Folglich hat sich das menschliche Wissen um die Physische Welt im Allgemeinen weit und rasch verbreitet.

Während das Ziel religiösen Strebens in der immateriellen, transzendenten Welt der Ursache liegt, untersucht die naturwissenschaftliche Forschung die materiellen Objekte in der Welt der Wirkung. Daher sind bis heute Religion und Naturwissenschaft theoretisch unvereinbar. Und weil ferner Satan, der das Universum beherrscht, die Menschen während ihres ganzen Erdenlebens angreift und korrumpiert, lehren uns die Religionen, die Welt zu verleugnen. Daher ist es für die Religionen nicht leicht, mit den Wissenschaften, die das Leben in der Welt zu verbessern suchen, zu harmonisieren.

Wir wissen, dass Gott am Anfang den äußeren Physischen Körper des Menschen schuf, bevor Er ihm seinen inneren Geist verlieh. (Gen 2,7) Die Vorsehung der Wiederherstellung, ein Werk der Neuschöpfung, folgt demselben Muster von außen nach innen. Aus dieser Perspektive der Vorsehung ist es klar, dass Religion und Naturwissenschaft im Verlauf ihrer Entwicklung oft uneinig sind, ja sogar miteinander in Konflikt geraten. (vgl. Vorbereitung 1)

Derselbe Missklang findet sich in der Beziehung zwischen dem religiösen und wirtschaftlichen Leben der Menschen. Wie die Wissenschaft beschäftigt sich auch die Wirtschaft mit der praktischen Welt. Tatsächlich hat der Fortschritt in der Wirtschaft eine enge Beziehung zur naturwissenschaftlichen Entwicklung. Folglich haben die Religionsgeschichte, die auf der inneren Entwicklung von Gottes Vorsehung fußt, und die Geschichte der Wirtschaft, die auf der äußeren Entwicklung Seiner Vorsehung basiert, verschiedene Richtungen eingeschlagen und sind in unterschiedlichem Ausmaß gewachsen. Um die Entwicklung der Geschichte des Westens zu erfassen, die dem Muster von Gottes Vorsehung der Wiederherstellung gefolgt ist, müssen wir also die Geschichte des Christentums und die westliche Wirtschaftsgeschichte getrennt behandeln.

Wie Religion und Wissenschaft sind auch Religion und Wirtschaft dahingehend miteinander verbunden, dass sie für die Wiederherstellung der inneren und äußeren Aspekte des Lebens der gefallenen Menschen verantwortlich sind. Obgleich sich Religion und Wirtschaft, wie Religion und Naturwissenschaft, voneinander abweichend zu entwickeln scheinen, sind sie im gesellschaftlichen Leben doch miteinander verbunden.

Daher haben die Geschichte des Christentums und die Geschichte der Ökonomie einander wechselweise beeinflusst. Religion und Wirtschaft sind mit unserem Leben in der Gesellschaft durch die Politik verbunden. Vor allem in Westeuropa suchte die Politik die wirtschaftliche Entwicklung, die dem naturwissenschaftlichen Fortschritt dicht gefolgt ist, mit dem Weg des Christentums, dem nur zu oft ein klares Verständnis seiner providenziellen Richtung fehlte, zu verbinden. Die westliche politische Geschichte hat für die Versöhnung von Religion und Wirtschaft bahnbrechende Arbeit geleistet. Um daher genau den Fortschritt der Geschichte, wie sie sich auf das Ziel der Vorsehung der Wiederherstellung hinbewegt, zu verstehen, müssen wir auch die Geschichte der Politik gesondert erforschen.

Um zu illustrieren, wie sich Religion, Politik und Wirtschaft getrennt entwickelt haben, wollen wir in groben Zügen die geschichtliche Situation von Westeuropa gegen Ende des 17. Jahrhunderts darstellen.

Hinsichtlich der Geschichte der Religion hatten demokratische Werte im Christentum jener Periode bereits Wurzeln geschlagen. Das Christentum als ein monarchisches Gemeinwesen unter päpstlicher Herrschaft ist 1517 mit der protestantischen Reformation auseinander gebrochen. Die Menschen in Europa, deren frommes Leben im Mittelalter der päpstlichen Hierarchie untergeordnet gewesen war, wurden schrittweise befreit, um ein christliches Leben auf der Basis ihres eigenen Bibelverständnisses zu führen. Was die Politik dieser Periode betrifft, so war die Monarchie an ihrem Höhepunkt angelangt. Wirtschaftlich blieb die Feudalgesellschaft, die auf dem System von Gutsherren aufbaute, in vielen Teilen Europas bestehen. Dieselbe europäische Gesellschaft wurde hinsichtlich ihres religiösen Lebens demokratisch, während sie hinsichtlich des politischen Lebens monarchisch und hinsichtlich des wirtschaftlichen Lebens feudal blieb.

Wir müssen auch noch klären, warum die geschichtliche Entwicklung beinahe im gesamten Alten-Testament-Zeitalter nicht von diesem Muster einer getrennten Entwicklung gekennzeichnet war. Im alten Israel ging die Entwicklung der Wissenschaft extrem langsam vor sich. Daher entwickelte sich auch die Wirtschaft nicht und die Gesellschaft war nur in geringem Maß spezialisiert. Die Leute führten in einem sozialen System, in dem Religion ein integraler Bestandteil ihres täglichen Lebens war, ein einfaches Dasein. Eingebunden in Herr-Diener-Beziehungen und in den strengen Kodex des Mosaischen Gesetzes, mussten sie in politischen und religiösen Belangen ihren Herrschern gehorchen. In diesem Zeitalter entwickelten sich Religion, Politik und Wirtschaft nicht getrennt voneinander.

7.2.3 Die Sippengesellschaft

Wir wollen nun die Entwicklung der Geschichte hinsichtlich Religion, Politik und Wirtschaft im Neuen-Testament-Zeitalter untersuchen.

Der Hang des Ursprünglichen Gemüts, Gottes Vorsehung der Wiederherstellung zu entsprechen, führt in einer satanischen Gesellschaft im Allgemeinen zu Spaltungen. Jene, die dem Willen Gottes folgen, werden in diesem Prozess ausgegrenzt und können sich zusammenschließen, um auf der Seite Gottes eine Sippengesellschaft zu bilden. Die Geburt einer christlichen Sippengesellschaft folgte diesem Muster. Mit der Kreuzigung Jesu gelangte die jüdische Nation auf die Seite Satans und Gott konnte unter diesen Umständen mit Seiner Vorsehung der Wiederherstellung in dieser Gesellschaft nicht weiterwirken. Folglich zerbrach Gott diese Gesellschaft, indem Er aus ihr Gläubige berief, die eine christliche Sippengesellschaft bilden sollten.

Im Alten-Testament-Zeitalter leiteten die zwölf Söhne Jakobs die 70 weiteren Verwandten an, um die israelitische Sippengesellschaft zu bilden, und beschritten so den Weg der Vorsehung. Im Neuen-Testament-Zeitalter leiteten die zwölf Apostel Jesu seine 70 Nachfolger an, eine christliche Sippengesellschaft zu bilden, und begannen so eine neue Vorsehung Gottes. Die christliche Sippengesellschaft war aus rudimentären Gemeinschaften mit einem einfachen oder gar keinem politisch oder wirtschaftlich strukturierten System zusammengesetzt. In dieser Periode haben sich Religion, Politik und Wirtschaft nicht unabhängig voneinander entwickelt.

Trotz schwerer Verfolgung blühte die christliche Sippengesellschaft im Römischen Reich rund um das Mittelmeer nach und nach auf und entwickelte sich zur christlichen Stammesgesellschaft. Von den großen Völkerwanderungen in Mitleidenschaft gezogen, die in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts begannen, fiel 476 n. Chr. das westliche Römische Reich. Als das Christentum die Germanischen Völker erreichte, die in dieses Gebiet eingedrungen waren, expandierte die christliche Gesellschaft sehr schnell.

7.2.4 Die Feudalgesellschaft

Mit dem Fortschritt der Geschichte entwickelte sich die Sippengesellschaft zur Feudalgesellschaft. Als in der Zeit des Niedergangs des Römischen Reiches die kaiserliche Autorität schwand und das Reich im Chaos versank, entstand in Europa die Feudalgesellschaft. Religion, Politik und Wirtschaft trennten sich in dieser Gesellschaftsform und gingen unterschiedliche Wege. In den ersten Tagen dieser Feudalgesellschaft wurden freie Bauern und Krieger, die vor allem den neu christianisierten germanischen Stämmen angehörten, von lokalen Fürsten regiert.

Politische Macht war unter viele Herren aufgeteilt und in Ermangelung irgendeiner nationalen Autorität herrschte jeder autonom über sein Gebiet. Sodann entwickelte sich die Feudalgesellschaft in Europa stufenweise zu einem politischen System, das auf jeder Ebene auf einer Herr-Diener-Beziehung beruhte wie zwischen den Herren verschiedener Rangstufen und ihren Rittern und innerhalb einer autarken Wirtschaft im Gutsherrensystem. Nach dem Fall des karolingischen Reiches verbreitete sich ein fortgeschrittener Feudalismus überall in Europa. Das Land wurde in viele Güter aufgeteilt und jedes wurde von einem Feudalherrn regiert.

Diese Feudalherren waren für alle Aspekte des Lebens auf ihren Gütern zuständig und hatten höchste richterliche Gewalt. Bauern verkauften den Feudalherren oder Klöstern ihr eigenes Land, um im Gegenzug militärischen Schutz zu erhalten; ihr Land wurde ihnen als Lehen zurückgegeben. Untergebene Ritter erhielten von ihren Feudalherren Landgüter als Gegengabe für ihren Dienst als deren private Soldaten. Während ein einfacher Ritter oft nur ein einziges Landgut besaß, hatte jeder König oder größere Herr Hunderte oder Tausende solcher Landgüter, die er als Lehen an seine Untertanen verteilte. Die Könige hatten nur begrenzte Macht und waren auch nur große Feudalherren.

Das religiöse Leben Europas entwickelte sich während dieser Periode der regionalen Kirchenleitung in der gleichen Art und Weise wie der frühe Feudalismus im politischen und wirtschaftlichen Leben. Daher könnte man es als eine Art feudales Christentum bezeichnen. Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe übernahmen Positionen, die denen der größeren, mittleren und kleineren Feudalherren entsprachen. Und so wie der König nur einer der großen Feudalherren war, war auch der Papst nur einer der fünf Patriarchen. Die politische Struktur innerhalb der römisch-katholischen Kirche gründete auf der streng hierarchisch gegliederten Beziehung zwischen Herr und Diener. Ein Bischof oder Abt hatte eine soziale Stellung und eine Macht, die mit jener eines weltlichen Feudalherren vergleichbar war. Wenn er als Herr seiner kirchlichen Liegenschaften handelte, konnte er, falls nötig, eine Armee aus den Reihen seiner Untertanen aufstellen.

Hinsichtlich des wirtschaftlichen Lebens begann diese Periode mit einer Zeit des Übergangs von der Sklavengesellschaft im Alten Rom zum Gutsherrensystem. In dieser Periode begann man, freien Bauern einiges Land zu übereignen. Hinsichtlich des Grundbesitzes kann die Bevölkerung zu dieser Zeit in vier Gruppen eingeteilt werden: die Adeligen, die freie Bauernschaft, Leibeigene und Sklaven.

Auf diese Weise ließ Gott aus der Asche des westlichen Römischen Reiches unter den neu christianisierten germanischen Stämmen, die Gott erwählt hatte, Seine Vorsehung anzuführen, eine Feudalgesellschaft entstehen. Indem Gott kleine Einheiten unter göttlicher Führung in den Bereichen des religiösen, politischen und wirtschaftlichen Lebens stärkte, legte Er die Grundlage für die Errichtung eines göttlichen Königreiches s.

7.2.5 Die monarchische Gesellschaft und der Imperialismus

Mit dem Fortschritt der Geschichte entwickelte sich die Feudalgesellschaft in eine monarchische Gesellschaft. Wie entstand, aus der politischen Perspektive gesehen, die monarchische Gesellschaft?

Die von den germanischen Völkern in Westeuropa gegründeten Königreiche waren alle kurzlebig, ausgenommen das Königreich der Franken. Die fränkischen Könige aus dem Geschlecht der Merowinger nahmen das Christentum an und traten das Erbe der römischen Zivilisation an, um in Westeuropa ein germanisch-römisches Reich zu bilden. Als die merowingischen Könige an Macht verloren, wurde Karl Martell der eigentliche Herrscher der Franken. Durch seinen Sieg über die Mauren, die aus dem Südwesten eingedrungen waren, dehnte er sein Königreich aus. Sein Sohn Pippin der Kurze wurde der erste karolingische König; er war der Vater Karls des Großen. Karl der Große hielt viel von Augustinus‘ Vision von einem christlichen Königreich und machte sie zur leitenden Vision für sein Reich. Das Reich Karls des Großen vereinigte West- und Mitteleuropa und brachte jenen Ländern Stabilität, die früher wegen der massiven Völkerwanderung in Unruhe geraten waren.

Auf dem Gebiet der Religion war das monarchische Christentum, das dem feudalen Christentum folgte, ein geistiges Königreich, das die nationalen Grenzen überschritt. Es wurde unter der Herrschaft des Papstes errichtet und stand auf dem geistigen Fundament des Messias. Im Jahre 800 n. Chr. krönte Papst Leo III. Karl den Großen zum Kaiser und gab ihm den Segen der Kirche. Durch diese Handlung überantwortete ihm der Papst die zentrale Verantwortung für die Vorsehung. Das geistige Königreich unter dem Papsttum und das Königreich der Franken unter Karl dem Großen vereinigten sich und bildeten das Christliche Reich.

Die Periode des Christlichen Reiches stellt eine Parallele zum Vereinigten Königreich von Israel im Alten-Testament-Zeitalter dar. In beiden Fällen folgte der Feudalgesellschaft eine monarchische Gesellschaft, um eine größere Oberhoheit und Bevölkerung sowie ein größeres Land auf der Seite Gottes zu festigen. Es wurde schon vorher erklärt, dass der Papst die Kirche von der Position des Erzengels geleitet hatte, um den Weg für ein weltliches Königreich zu ebnen. Nachdem er den Kaiser gekrönt und ihm den Segen der Kirche gegeben hatte, sollte er ihm in der Position Kains dienen. (vgl. Parallelen 4) Der Kaiser wiederum sollte die Lehren des Papsttums hochhalten und die politische Arbeit weiterführen, um ein Königreich aufzubauen, das den Messias empfangen konnte. Hätten sie so das Christliche Reich in voller Übereinstimmung mit dem Willen Gottes errichtet, wäre diese Periode die Zeit der Letzten Tage in der menschlichen Geschichte gewesen und der Messias hätte kommen können. Dann wäre die neue Wahrheit erschienen, um die Probleme von Religion und Wissenschaft zu lösen, und zwar als ein integriertes menschliches Bemühen, das Religion, Politik und Wirtschaft auf dem Weg des Fortschritts in eine vereinigte Richtung auf der Basis von Gottes Ideal geführt hätte. Auf dieser Grundlage wäre das Fundament für die Wiederkunft des Messias errichtet worden.

Darüber hinaus wäre mit dem Beginn der Periode des Christlichen Reiches der Feudalismus völlig beendet worden. Doch die Päpste und Kaiser kamen vom Willen Gottes ab. Dadurch konnten sie unmöglich das Gründungsideal Karls des Großen zu verwirklichen. Als Ergebnis wurde die Feudalgesellschaft nicht abgeschafft; im Gegenteil: In den folgenden Jahrhunderten verstärkte sie sich noch. Religion, Politik und Wirtschaft blieben getrennt und das geistige Königreich, das vom Papsttum geleitet wurde, geriet mit den weltlichen Königreichen, die von Königen regiert wurden, in Konflikt.

Das Christliche Reich versagte bei der Errichtung eines vereinigten Königreiches, in das der Messias hätte kommen können. Karl der Große errichtete sein Reich, als das Fundament der frühen Feudalgesellschaft ausreichte, um sich zu einer starken Monarchie zu konsolidieren. Er unterwarf jedoch niemals gänzlich die fest etablierten Machtpositionen der Feudalherren. Stattdessen wurde das Feudalsystem stärker, während der Heilige Römische Kaiser auf die Position eines großen Feudalherrn herabsank. Das Feudalsystem sollte in Europa bis zum Aufstieg des Absolutismus im 17. Jahrhundert vorherrschen.

Mit dem Niedergang des Feudalismus in dieser Zeit begann sich die früher dezentralisierte Macht der Feudalherren in der Hand der Könige großer Nationalstaaten zu konzentrieren. Die Könige verschafften sich absolute Befehlsgewalt und rechtfertigten sie durch die Lehre vom göttlichen Recht der Könige. Der Absolutismus blühte bis zur Französischen Revolution 1789.

Wie sahen in der Geschichte der religiösen Entwicklung die Strömungen jener Periode aus, in der das Christentum unter der Führung des Papstes eine monarchische Struktur hatte? Die Päpste fielen vom Willen Gottes ab und verweltlichten zunehmend; sie beschritten einen Weg des geistigen Niedergangs. Wegen wiederholter Niederlagen in den Kreuzzügen verlor das Papsttum an Autorität und während seines Exils in Avignon wurden ihm Macht und Würde genommen. Mit der protestantischen Reformation von 1517 hörte das westliche Christentum auf, eine einheitliche geistige Monarchie zu sein.

Wenn wir uns den Fortschritt der Wirtschaft näher ansehen, entdecken wir, dass die feudalen wirtschaftlichen Einrichtungen noch weiter bestanden, obwohl der politische Feudalismus von der absoluten Monarchie bereits abgelöst worden war. Der Kapitalismus wuchs in den Städten und Märkten, wo sich die Handwerker und Kaufleute mit den Königen verbanden und gegen das aufgezwungene Feudalsystem kämpften. Neue landwirtschaftliche Strukturen entstanden auf dem Land, wo unabhängige Bauern die Unterstützung des Königs suchten, um der Herrschaft der Feudalherren Widerstand zu leisten. Noch konnte aber keine dieser wirtschaftlichen Entwicklungen den Feudalismus vollständig ablösen; er bestand weiterhin bis zur Französischen Revolution.

In der Weiterentwicklung der Geschichte der Wirtschaft folgte dem Feudalismus der Kapitalismus, der von einer Periode der kolonialen Expansion begleitet wurde. So wie die Festigung der politischen Herrschaft das Ziel der absoluten Monarchie war, so strebten die mächtigen Kapitalisten die Monopolisierung der Finanzen und des Kapitals an. Der Kapitalismus entstand gleichzeitig mit dem Aufstieg der absoluten Monarchie im 17. Jahrhundert und blühte während und nach der industriellen Revolution. Der Zweck des Kapitalismus in der Vorsehung lag in der Förderung des Zusammenschlusses von Kapital und in der Zentralisierung der wirtschaftlichen Aktivitäten in einem Ausmaß, das unter dem Feudalismus unmöglich war. Dies war später im Imperialismus noch mehr der Fall. Der imperialistische Drang nach kolonialer Expansion, die in dieser Periode begann, bezweckte, von der Vorsehung her betrachtet, die Errichtung eines weltweiten wirtschaftlichen, politischen und religiösen Fundaments.

Diese Erörterung konzentriert sich ausschließlich auf den europäischen Imperialismus, denn der Weg von Gottes Vorsehung der Wiederherstellung war auf Westeuropa ausgerichtet.

Ein Wettlauf unter den Nationen Westeuropas führte vor dem Ersten Weltkrieg auf dem ganzen Globus zu einer Jagd nach Kolonien. Dadurch wurde die christliche Zivilisation des Westens in alle Welt getragen.

7.2.6 Demokratie und Sozialismus

Die Periode der Monarchie wich der Periode der Demokratie. Wir erinnern daran, dass die monarchische Gesellschaft ein Königreich errichten sollte, das den Messias und seine Herrschaft unterstützen konnte. Da diese Vorsehung in der Periode des Christlichen Reiches nicht erfüllt wurde, begann Gott einen Prozess, in dem die monarchischen Gesellschaften zugrunde gingen und an ihrer Stelle Demokratien entstanden, um eine neue Vorsehung für den Wiederaufbau einer unabhängigen Nation, die für den Empfang des Messias geeignet wäre, zu beginnen.

Die Demokratie baut auf der Souveränität des Volkes auf; sie ist eine Regierung vom, durch und für das Volk. Ihr Zweck besteht darin, das politische Monopol der Monarchie, die vom Willen Gottes abgewichen war, zu zerstören und ein neues politisches System zu errichten, das in der Lage ist, das Ziel der Vorsehung der Wiederherstellung zu erfüllen, nämlich den Messias als König der Könige zu empfangen und zu unterstützen.

Wie kann die Demokratie ihren Zweck erfüllen? Im Verlauf der Geschichte wurde der Geist des Menschen aufgrund der Gnade des Zeitalters in der Vorsehung der Wiederherstellung erleuchtet. Das Ursprüngliche Gemüt des Menschen reagiert auf die Vorsehung und sucht die Religion, oft ohne zu wissen warum. Schließlich werden die Menschen an den Punkt gelangen, wo sie das Christentum als die von Gott am weitesten entwickelte Religion annehmen. Auf diese Weise steuert die Welt heute auf die Bildung einer einzigen Zivilisation zu, die auf christlichen Idealen beruht.

So wie sich die Geschichte ihrer Vollendung nähert, fühlt sich der Wille der Menschen zu den christlichen Werten hingezogen. Demokratische Regierungen, die sich an den Willen des Volkes halten, werden mehr und mehr christlich. Wenn daher der Messias in eine Gesellschaft unter der Herrschaft einer demokratischen Regierung, die durch den christlichen Geist gereift ist, kommt, wird er mit der vollen Unterstützung des Volkes die Herrschaft Gottes auf Erden errichten können. Dies wird das Reich Gottes auf Erden sein. Wir müssen verstehen, dass die Demokratie entstanden ist, um die satanischen Machtmonopole zu brechen, damit der Zweck von Gottes endgültiger Vorsehung, gemäß dem Willen der Menschen eine himmlische Herrschaft unter der Leitung des wiedergekehrten Christus wiederherzustellen, erreicht werden kann. Die demokratischen Bewegungen, die im 17. und 18. Jahrhundert gegen die absoluten Monarchien entstanden sind, riefen die Revolutionen in England, Amerika und Frankreich hervor. Diese Revolutionen zerstörten die monarchischen Gesellschaften und ließen die heutigen Demokratien entstehen.

Im nächsten Kapitel werden wir die verschiedenen Formen, welche die Demokratien entsprechend den vorsehungsbedingten Richtungen des Hebraismus und Hellenismus angenommen haben, besprechen. (vgl. Vorbereitung 3.1-3.2)

Nachdem das monarchische Christentum durch die protestantische Reformation von 1517 zerschlagen worden war, entwickelte sich die Geschichte auf dem Gebiet der Religion weiter zum Stadium eines demokratischen Christentums. Durch die Reformation wurde innerhalb der Christenheit das geistige Königreich zerstört, über das der Papst mit alleiniger Autorität geherrscht hatte.

Ursprünglich wollte Gott, dass sich das Christliche Reich mit der monarchischen Christenheit unter dem Papst vereinigte, um das Königreich aufzubauen, in das der Messias kommen konnte. Doch als die Päpste in ihrer Verantwortung scheiterten, musste das monarchische Christentum, über das sie volle Autorität hatten, abgebaut werden. Das war die Aufgabe des demokratischen Christentums, so wie es die Aufgabe der politischen Demokratie war, die absolutistische Herrschaft der weltlichen Monarchie zu zerstören. Folglich stand für die Menschen nach der protestantischen Reformation der Weg offen, durch das selbständige Lesen der Bibel ohne die Vermittlung eines Priesters Gott in Freiheit zu suchen. Die Menschen waren in ihrem religiösen Leben nicht mehr der Autorität anderer unterworfen, sondern waren frei, ihren eigenen Glaubensweg zu suchen.

Das demokratische Christentum hat also ein soziales Umfeld entwickelt, das es allen Menschen gestattet, frei nach Christus bei seiner Wiederkunft zu suchen, egal auf welche Art und Weise er möglicherweise kommen wird.

In vergleichbarer Weise entstanden mit dem Fortschritt der Geschichte der Wirtschaft sozialistische Ideale, die den Imperialismus untergruben und eine demokratische Wirtschaftsform förderten. Obwohl manche Historiker den Ersten Weltkrieg als einen Krieg betrachten, in dem es den imperialistischen Nationen um ihre Kolonien ging, gewann vielmehr bald nach Kriegsende der demokratische Geist an Bedeutung und begann, die Kolonialpolitik zu untergraben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begannen die Großmächte, sich von ihren Kolonien zu trennen, und entließen die unter ihrer Kontrolle stehenden Nationen in die Freiheit. Nach dem Zusammenbruch des Imperialismus entwickelte sich der Kapitalismus zu einer Wirtschaftsform, die gleichen und allgemeinen Wohlstand förderte.

Für den satanischen Bereich, der seinen Höhepunkt im Kommunismus erreichte, ist es nur natürlich, den Sozialismus zu unterstützen. Denn Satan versucht immer, vor Gott eine Imitation des göttlichen Planes zu verwirklichen. Gottes Plan ist es, eine sozialistische Wirtschaft zu entwickeln, wenngleich in Form und Inhalt völlig verschieden vom Staatssozialismus, den der Kommunismus bereits errichtet hat.

Nach Seinem Schöpfungsideal verleiht Gott jedem Individuum denselben ursprünglichen Wert. So wie Eltern alle ihre Kinder in gleicher Weise lieben, möchte Gott allen Seinen Kindern gleichermaßen ein angenehmes Umfeld und angenehme Lebensbedingungen bereitstellen. Darüber hinaus sollten in einer idealen Gesellschaft Produktion, Verteilung und Verbrauch dieselben organischen Beziehungen zueinander haben, wie sie zwischen Verdauung, Kreislauf und Stoffwechsel im menschlichen Körper bestehen. Also sollte es weder einen zerstörerischen Wettstreit wegen Überproduktion noch ungerechte Verteilung geben, die zu übertriebener Anhäufung und unmäßigem Verbrauch führen und dem Zweck des Allgemeinwohls entgegengesetzt sind. Es sollte eine ausreichende Produktion von notwendigen und nützlichen Gütern geben, eine gerechte und effiziente Verteilung dieser Güter und einen angemessenen Verbrauch im Einklang mit dem Zweck des Ganzen. So wie die Leber eine Reserve an Nährstoffen für den menschlichen Körper zur Verfügung stellt, sollten auch entsprechende Kapitalreserven angelegt werden, um einen reibungslosen Ablauf der gesamten Wirtschaft sicherzustellen.

Weil die Menschen geschaffen sind, um in einer idealen Gesellschaft zu leben, ist es unvermeidlich, dass sie ein sozialistisches Ideal verfolgen, während sie nach Freiheit und Demokratie streben und weiterhin ihrem Ursprünglichen Gemüt folgen. Das gilt besonders in der Zeit der Vollendung der Geschichte der Vorsehung, wenn dieses Ideal tatsächlich verwirklicht werden kann. Da diese natürliche Sehnsucht aus dem Inneren entspringt, wird sich auch die Politik in der Demokratie, die vom Willen des Volkes gestaltet wird, in diese Richtung bewegen. Schließlich wird eine sozialistische Gesellschaft, die Gottes Ideal verkörpert, errichtet werden.

Die ersten Christen lebten in mancher Hinsicht nach diesem Ideal, da sie ihre Güter gemeinsamen teilten. (Apg 4,32-35) Die Schrift Utopia, von Thomas Morus im 16. Jahrhundert in England verfasst, und Robert Owens humanistischer Sozialismus während der industriellen Revolution in England brachten beide eine Vision des sozialistischen Ideals zum Ausdruck. Katholische und protestantische sozialistische Bewegungen haben diese Vision auch geteilt. Ein Beispiel ist das Eintreten von Charles Kingsley für den Christlichen Sozialismus in England in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Neigung zum Sozialismus entstammte dem natürlichen Impuls des Ursprünglichen Gemüts, welches das Ideal der Schöpfung verwirklicht sehen möchte.

7.2.7 Die Ideale von Interdependenz, gemeinsamem Wohlstand und universell geteilten Werten im Gegensatz zum Kommunismus

Die Gnade des jeweiligen Zeitalters in Gottes Vorsehung der Wiederherstellung hat die Entfaltung der Ursprünglichen Natur des Menschen unterstützt, die sich wegen Satans Einfluss auf das Leben der Menschen nicht frei entwickeln konnte. Überall haben Menschen auf die Impulse ihres innersten Herzens reagiert und sehnsüchtig eine Welt nach Gottes Ideal erstrebt, in der der Zweck der Schöpfung verwirklicht ist. Auf der Suche nach einer sozialistischen Gesellschaft auf der Seite des Himmels hat das Ursprüngliches Gemüt die Menschen zu den Idealen von Interdependenz, gemeinsamem Wohlstand und universell geteilten Werten geführt. Die Welt, in der diese Ideale letzten Endes verwirklicht werden, ist keine andere als das Reich Gottes auf Erden unter der Führung des wiedergekehrten Christus.

Da Satan immer versucht, Gottes Vorsehung zuerst zu imitieren, entwickelte die satanische Seite den „wissenschaftlichen Sozialismus“, der auf den Theorien des dialektischen und historischen Materialismus aufbaut, und errichtete die kommunistische Welt. Die Theorie des historischen Materialismus geht davon aus, dass die menschliche Geschichte als eine primitive Kollektivgesellschaft begann und mit der Entstehung einer idealen kommunistischen Gesellschaft vollendet sein wird.

Die offensichtlichen Irrtümer dieser Theorie sind darin begründet, dass sie die grundlegende Ursache der historischen Entwicklung nicht berücksichtigt. Nach der Erschaffung des Menschen versprach Gott, Sein Reich zu verwirklichen. Doch weil Satan die Menschen in seine Abhängigkeit bringen konnte, bevor Gott eine Verbindung zu ihnen aufbauen konnte, musste Gott ihm gestatten, eine prinzipwidrige Welt durch gefallene Menschen zu errichten, die eine entstellte Nachahmung der idealen Gesellschaft darstellt, die Gott auf Erden verwirklichen will. Diese prinzipwidrige Welt, die Satan errichtet hat, manifestiert sich in Form der kommunistischen Welt.

Zwei Arten der Demokratie sind mit dem Zweck entstanden, die absolute Monarchie zu zerstören und die Herrschaft dem Volk zu übertragen. Auf der Seite Gottes entstanden Bewegungen, um die Ideale von Interdependenz, gemeinsamem Wohlstand und universell geteilten Werten zu unterstützen. Auf der Seite Satans wurde der Kommunismus geboren, dessen Ziel es ist, ökonomische Systeme zu zerschlagen, in denen sich das Vermögen der Gesellschaft in den Händen einiger weniger Privilegierter befindet. Jede dieser Bewegungen suchte ein System zu errichten, welches das Vermögen gleichmäßiger unter den Menschen verteilte. Das beidseitige Trachten nach dem Sozialismus entstammte dem providenziellen Streben, eine Gesellschaft zu verwirklichen, die auf einem wahrhaft demokratischen Wirtschaftssystem beruht.

Wir haben bereits erklärt, dass in der Geschichte von Westeuropa, wie sie von der Vorsehung der Wiederherstellung gelenkt wurde, sich die drei Bereiche Religion, Politik und Wirtschaft eigene Wege beschritten und sich voneinander getrennt weiterentwickelt haben. Wie können sie bei der Vollendung der Geschichte der Vorsehung an einem Punkt zusammenlaufen, um das Fundament für die Wiederkunft Christi zu errichten?

Eine fundamentale Ursache dieser getrennten Entwicklung war das Auseinanderdriften von Religion und Wissenschaft. Beide bemühen sich, die geistige und physische Unwissenheit des Menschen zu überwinden. Damit die Wege von Religion, Politik und Wirtschaft zusammenlaufen und Gottes Ideal verwirklicht werden kann, muss eine neue Ausdrucksform der Wahrheit erscheinen, die Religion und Wissenschaft vollständig miteinander verbinden kann. Die Religion, die sich auf diese Wahrheit gründet, wird die gesamte Menschheit zur Einheit mit Gottes Herz führen. Solche Menschen werden eine Wirtschaft errichten, die mit dem göttlichen Ideal in Einklang steht. Sie werden die Fundamente für eine neue politische Ordnung gründen, die das Ideal der Schöpfung verwirklichen kann. Dies wird das messianische Reich sein, das auf den Prinzipien der Interdependenz, des gemeinsamen Wohlstands und der universell geteilten Werte aufgebaut ist.