Studium und Praxis des Prinzips
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Abschnitt 3. Die Periode des Reifungsprozesses von Politik, Wirtschaft und Ideologie (1789-1918)

Die religiösen und philosophischen Konflikte in der vorangegangenen Periode mündeten in die Kain-Typ- und Abel-Typ-Weltanschauung. Zu Beginn dieser neuen Periode — der Periode des Reifungsprozesses von Politik, Wirtschaft und Ideologie — entwickelten sich diese beiden Weltanschauungen auf getrennten Wegen. Im Laufe dieses Prozesses bildeten sie zwei verschiedene Gesellschaftsformen mit unterschiedlichen sozialen Strukturen: eine Kain-Typ- und eine Abel-Typ-Gesellschaft. Gleichzeitig entwickelten sich Politik, Wirtschaft und Ideologie (in den beiden Formen von Religion und Philosophie) bis zu einer Stufe unmittelbar vor dem Übergang zur idealen Welt. Diese Periode dauerte von der Französischen Revolution über die industrielle Revolution bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.

3.1 Die Demokratie

Unsere vorangegangene Erörterung der Demokratie im Kontext des geschichtlichen Fortschritts beschränkte sich auf die sozialen Veränderungen, die zu ihrem Entstehen führten. (vgl. Parallelen 7.2) Hier werden wir die innere Entwicklung untersuchen, die dem Aufstieg der modernen Demokratie zugrunde liegt, vor allem die ideologischen Strömungen, auf denen sie sich aus den Wogen und Strudeln der Geschichte erhoben hat.

Zur Zeit des Christlichen Reiches im 9. Jahrhundert wollte Gott, dass sich das vom Papsttum regierte geistige Königreich und das vom Kaiser regierte weltliche Königreich vereinigten und eine christliche Monarchie als Fundament für das messianische Reich bildeten. Das hätte das Fundament für den Messias ergeben. Ein mächtiges messianisches Reich hätte zu einem frühen Ende des Feudalismus in Europa geführt. Doch weil diese Vorsehung nicht verwirklicht wurde, blieb der Feudalismus bestehen, während in Europa Politik, Religion und Wirtschaft unterschiedliche Wege einschlugen und sich getrennt entwickelten. Die politische Macht der Feudalherren begann nach den Kreuzzügen zu schwinden, nahm in der Zeit der Renaissance und der Reformation noch weiter ab und wurde in der Periode der Aufklärung völlig geschwächt. Im 17. Jahrhundert hatten die Feudalherren den größten Teil ihrer politischen Macht an die Könige abgetreten, die zentralistische Nationalstaaten errichteten und sie als absolute Monarchen regierten. Die Könige rechtfertigten ihre Oberhoheit durch die Lehre vom Königtum von Gottes Gnaden.

Ein Grund für den Aufstieg der absoluten Monarchie lag im Entstehen neuer Bürgerstände, die sich mit den Königen gegen die Feudalherren zusammenschlossen. Zum anderen entstand auf wirtschaftlichem Gebiet das Bedürfnis nach machtvollen Staaten mit einer merkantilistischen Wirtschaftspolitik, die den Handel schützen und kontrollieren konnten, um die nationalen wirtschaftlichen Interessen zu fördern. Das starke Fundament eines Nationalstaates war nötig, um den Feudalismus zu überwinden und eine auf Handel basierende Wirtschaft beherrschen zu können.

Das Entstehen absoluter Monarchien war auch mit dem Fortschritt der Geschichte der Vorsehung verbunden, die erforderte, dass sich die Feudalgesellschaft zu einer Monarchie zusammenschloss. Doch nachdem Gottes Vorsehung, Sein Reich in der karolingischen Periode zu errichten, gescheitert war, weil sich die Päpste und Kaiser jener Zeit nicht vereinigten, wurde die nachfolgende Feudalgesellschaft unter päpstlicher Herrschaft korrupt. Da sie sich nach einem Weg entwickelten, den Satan im Voraus zu verwirklichen suchte, entstanden monarchische Gesellschaften auf der Seite Satans.

Wir wollen nun die ideologischen Bestrebungen, die dem Niedergang der absoluten Monarchie zugrunde liegen, untersuchen unter Bezugnahme auf die Vorsehung der Wiederherstellung, die sich in Richtung auf den Aufstieg der kommunistischen Welt (basierend auf der Kain-Typ-Weltanschauung) und der demokratischen Welt (basierend auf der Abel-Typ-Weltanschauung) bewegte.

Da die mittelalterliche Feudalgesellschaft dem Hebraismus und dem Hellenismus zuwiderlief, arbeiteten diese beiden Ideologien zusammen, um diese Gesellschaftsform zu zerstören, wobei sie auf der Basis von Kain-Typ- und Abel-Typ-Weltanschauungen verschiedene Gesellschaften aufbauten. In einer vergleichbaren Entwicklung nahm der Absolutismus, der auf die protestantische Reformation folgte, den Menschen die Glaubensfreiheit, wie sie vom demokratischen Christentum gefordert wurde. Der Absolutismus stellte sich daher dem Ziel der Abel-Typ-Weltanschauung entgegen. Darüber hinaus behinderten die Überreste des Feudalismus in dieser Gesellschaft die Weiterentwicklung des Bürgertums, wie es von den führenden Atheisten und Materialisten befürwortet wurde, und standen somit dem Ziel der Kain-Typ-Weltanschauung im Weg. Daher arbeiteten diese beiden Weltanschauungen zusammen mit dem Ziel, den Absolutismus zu zerstören. Diese Entwicklung führte zur Entstehung von Kain-Typ- und Abel-Typ-Demokratien, die schließlich zur kommunistischen und zur demokratischen Welt heranreiften.

3.1.1 Die Kain-Typ-Demokratie

Die Kain-Typ-Demokratie entstand aus der Französischen Revolution. Frankreich war zur Zeit der Französischen Revolution vom Geist der Aufklärung ergriffen. Das Denken der Aufklärung wurzelte in der Kain-Typ-Weltanschauung, die schließlich in Atheismus und Materialismus überging. Aufgrund der Aufklärung waren sich die Franzosen der Mängel des Absolutismus bewusst. Es herrschte auch der weit verbreitete Wunsch, die letzten Reste des Feudalismus, die noch immer die Gesellschaft belasteten, zu beseitigen.

Die Französische Revolution wurde 1789 von einer Bürgerschaft hervorgebracht, die, beeinflusst durch die Aufklärung, nach demokratischen Strukturen rief. Die revolutionären Kräfte wollten die Macht der herrschenden Klasse stürzen, die Reste des Feudalismus beseitigen und Freiheit und Gleichheit für das Bürgertum, den Dritten Stand, einführen. Die Französische Revolution errichtete die Demokratie mit der Proklamation der Erklärung der Menschenrechte. Dennoch war die Demokratie, die aus der Französischen Revolution hervorging, eine Kain-Typ-Demokratie. Obwohl sie den Absolutismus zerstörte, war sie fest entschlossen, die Kain-Typ-Weltanschauung zu verwirklichen. Die führenden Köpfe der Französischen Revolution waren Anhänger der Aufklärung wie Denis Diderot (1713-1784) und Jean Le Rond D’Alembert (1717-1783), die einen Atheismus oder Materialismus propagierten. (Beide propagierten mit ihrer „Enzyklopädie“, dem großen Werk der französischen Aufklärung, die neue mechanistische Weltschau nicht als Atheisten, sondern als Deisten, die an einen freilich sehr fernen Schöpfer dieser Weltmaschine glaubten. (A.d.R. — zitiert aus Hans Küng: Existiert Gott? S. 116)) Darüber hinaus entwickelte sich die französische Demokratie trotz ihres Ideals der individuellen Freiheit und Gleichheit in den Jahren während und nach der Revolution in Richtung eines totalitären Systems.

Auf diese Weise traten jene, die sich der Kain-Typ-Weltanschauung verschrieben hatten, für die Aufklärung ein und verursachten die Französische Revolution, wodurch die Kain-Typ-Demokratie errichtet wurde. Diese blockierte jedoch den menschlichen Geist auf seiner Suche nach Gott. Sie beschränkte sich in ihrer weiteren Entwicklung ausschließlich auf die äußeren Aspekte des Lebens, wurde später in Deutschland zum Marxismus und in Russland zum Leninismus entwickelt und bildete schließlich die kommunistische Welt.

3.1.2 Die Abel-Typ-Demokratie

Die Demokratien, die in England und den USA entstanden, waren von Anfang an anders als die Demokratie, die aus der Französischen Revolution hervorging. Letztere war eine Kain-Typ-Demokratie, die von Atheisten und Materialisten getragen wurde, welche in ihrem Kampf gegen Absolutismus und Feudalismus die Kain-Typ-Weltanschauung entwickelten. Die englische und die amerikanische Demokratie wurden andererseits von aufrechten Christen gegründet und waren Früchte der Abel-Typ-Weltanschauung. Sie entstanden aufgrund ihres siegreichen Kampfes gegen den Absolutismus, der zum Ziel hatte, religiöse Freiheit zu erlangen. Daher werden sie Abel-Typ-Demokratien genannt.

Wir wollen nun untersuchen, wie die Abel-Typ-Demokratien in England und den USA entstanden sind.

In England stärkte James I. (er regierte von 1603 bis 1625) die absolute Monarchie und die Staatskirche und verfolgte die Puritaner und andere nonkonformistische Christen, von denen viele auf der Suche nach religiöser Freiheit in andere europäische Länder oder nach Amerika flohen. Sein Sohn Charles I. (er regierte von 1625 bis 1649) wurde mit einem Aufstand der schottischen Presbyterianer konfrontiert, die 1640 den sogenannten Nationalvertrag (national covenant) unterstützten. (1638 wurde der National Covenant (Urkunde zum Zusammenschluss schottischer Presbyterianer) unterzeichnet. Mit dieser Übereinkunft widersetzte man sich den Versuchen Charles I., das Episkopat wieder einzuführen, ein neues englisches Gebetsbuch zu übernehmen, und bekräftigte die Unabhängigkeit der schottischen Kirche. Viele, die die Urkunde unterzeichnet hatten, wurden anschließend auf dem Grassmarket hingerichtet. 1679 wurden 1200 Befürworter des Covenants in einem eingezäunten Bereich auf dem Hof unter schrecklichen Bedingungen gefangengehalten. (A.d.R.)) Die Puritaner, die den Kern des englischen Parlaments bildeten, entfachten 1642 die puritanische Revolution unter der Führung von Oliver Cromwell. Später, nachdem Charles II. (er regierte von 1660 bis 1685) die absolute Monarchie wiederhergestellt, die anglikanische Kirche vor allen anderen christlichen Gemeinden gestärkt und sein Sohn James II. (er regierte von 1685 bis 1688) sich zum Katholizismus bekannt hatte, baten die protestantischen Führer seinen Schwiegersohn Wilhelm von Oranien (er regierte von 1688 bis 1702), der in dieser Zeit Statthalter der Niederlande war, um Hilfe. 1688 landete Wilhelm mit seinen Truppen in England, um Religionsfreiheit und Bürgerrechte zu verteidigen. Bei seiner Inthronisation bestätigte Wilhelm die Freiheitsurkunde (bill of rights), die ihm vom Parlament vorgelegt wurde, und erkannte die unabhängigen Rechte des Parlaments an. Dies wurde die Grundlage für die konstitutionelle Monarchie in England. Da die Revolution von 1688 ohne Blutvergießen verlief, ging sie als „Glorreiche Revolution“ in die Geschichte ein.

Obwohl es für diese Revolutionen auf englischem Boden äußere Gründe gab wie die Sehnsucht der Bürger nach politischer Freiheit von der herrschenden Klasse einschließlich des Adels und der anglikanischen Priesterschaft, so war der eigentliche innere Grund der Drang nach Religionsfreiheit.

Viele Puritaner und nonkonformistische Christen, die in England verfolgt wurden, emigrierten nach Amerika, um dort Freiheit für ihre religiösen Überzeugungen zu finden. 1776 gründeten sie eine unabhängige Nation und errichteten die amerikanische Demokratie.

Auf der Grundlage der Abel-Typ-Weltanschauung hat sich diese Abel-Typ-Demokratie zur demokratischen Welt von heute entwickelt.

3.2 Die Bedeutung der Gewaltenteilung

Das Konzept der Gewaltenteilung in drei Machtbereiche wurde von Montesquieu (1689-1755), einem führenden Denker der Aufklärung, entwickelt. Dadurch sollte die Konzentration politischer Macht in den Händen einer einzigen Person oder einer Institution, wie es im politischen Absolutismus der Fall war, verhindert werden. Dieser Gedanke wurde in der Erklärung der Menschenrechte während der Französischen Revolution verkündet. Von Anfang an sollte die Gewaltenteilung charakteristisch für die politische Struktur einer idealen Gesellschaft sein, wie sie Gott verwirklichen wollte. Doch auch hier hat Satan, wie wir es im Verlauf der Vorsehung immer wieder beobachten können, einen Aspekt des Prinzips vorweggenommen, noch bevor ihn Gott verwirklichen konnte. Wir wollen kurz auf die politische Struktur einer idealen Welt eingehen.

Wie wir gesehen haben, ist das Universum nach dem Vorbild eines vollkommenen Menschen geformt. Aus dem gleichen Grund muss die ideale Welt, die aus vollkommen gereiften Menschen besteht, der Struktur und den Funktionen eines vollkommenen Menschen entsprechen. (vgl. Schöpfung 1.1; 1.2; 3.2) Verglichen mit dem menschlichen Körper, dessen Organe im Einklang mit den feinsinnigen Befehlen des Gehirns arbeiten, sollten sich alle Institutionen einer idealen globalen Gesellschaft an Gottes Willen orientieren. So wie die Informationen des Gehirns über das periphere Nervensystem, das sich vom Rückenmark her verzweigt, in jeden Teil des Körpers gelangen, wird in der idealen Welt Gottes Anweisung durch Christus, der dem Rückenmark entspricht, und durch Leiter, die Gott lieben und die dem peripheren Nervensystem entsprechen, an die gesamte Gesellschaft weitergegeben. Das periphere Nervensystem, das vom Rückenmark ausgeht, entspricht den politischen Parteien einer Nation. Daher werden in der idealen Welt gottergebene Menschen, die von Christus geführt werden, Organisationen bilden, die den heutigen politischen Parteien entsprechen.

Im menschlichen Körper unterhalten Lunge, Herz und Magen eine harmonische Wechselbeziehung im Einklang mit den Anweisungen des Gehirns, die über das Rückenmark und das periphere Nervensystem weitergeleitet werden. Analog unterhalten die drei Gewalten eines Landes in der idealen Welt — die Legislative, die Judikative und die Exekutive — harmonische und prinzipgerechte Beziehungen, wenn sie der Führung Gottes, wie sie durch Christus und gottergebene Menschen übermittelt wird, folgen. So wie sich die vier Gliedmaßen des Körpers entsprechend den Anweisungen des Gehirns zum Wohl des gesamten Körpers bewegen, werden die wirtschaftlichen Einrichtungen der idealen Welt, die den Gliedmaßen entsprechen, den Willen Gottes unterstützen und sich für das Wohlergehen der gesamten Welt einsetzen. Und so wie die Leber Nährstoffe für den ganzen menschlichen Körper speichert, wird in der idealen Welt immer eine entsprechende Reserve vorhanden sein, die bei Bedarf für die öffentliche Wohlfahrt eingesetzt werden kann.

Da jeder Teil des menschlichen Körpers eine vertikale Verbindung mit dem Gehirn hat, bestehen natürlich auch horizontale Verbindungen zwischen den verschiedenen Organen, um einen einheitlichen Organismus zu bilden. Genauso werden in der idealen Welt die Menschen aufgrund ihrer gegenseitigen horizontalen Beziehungen, die in ihren vertikalen Beziehungen mit Gott wurzeln, eine ganzheitliche und interdependente Gesellschaft bilden, in der sie Freud und Leid miteinander teilen. Wenn in dieser Gesellschaft jemand einen anderen verletzt, dann wird er dies so erleben, als hätte er sich selbst verletzt. Folglich werden die Bürger von sich aus keine Verbrechen mehr begehen wollen.

Wir wollen nun untersuchen, wie Gott in der Vorsehung der Wiederherstellung gewirkt hat, um diese ideale Struktur wiederherzustellen.

Im Verlauf der Geschichte der westlichen Welt gab es eine Zeit, in der die Funktionen der drei Gewalten und der politischen Parteien in einer einzigen Person, dem König, zusammengefasst waren. Dies wurde von Zeit zu Zeit modifiziert, je nachdem, welcher König die Regierung innehatte. Die Kirche unter der Führung des Papsttums spielte eine Rolle, die einer politischen Partei gleichkam. Zur Zeit der Französischen und Amerikanischen Revolution durchlief das politische System einen fundamentalen Wandel: Die Staatsgewalt wurde in drei Machtbereiche aufgeteilt — Legislative, Judikative und Exekutive — und die politischen Parteien spielten eine wachsende Rolle. Mit der Errichtung einer konstitutionellen Demokratie wurden die Rahmenbedingungen für ein ideales politisches System geschaffen.

Politische Systeme haben sich im Verlauf der Geschichte in Struktur und Funktion verändert, weil sich die gefallene menschliche Gesellschaft zur idealen Gesellschaft nach dem Muster einer vollkommenen Person entwickelte. Die heutigen Demokratien, die durch Gewaltenteilung und eine führende Rolle der politischen Parteien gekennzeichnet sind, ähneln zu einem gewissen Grad der Struktur eines gesunden menschlichen Körpers. Dennoch gleichen die Demokratien von heute aufgrund des Falls eher dem Körper einer kranken oder verwundeten Person. Sie können ihre ursprünglichen Qualitäten und Funktionen nicht voll entfalten. Da die politischen Parteien den Willen Gottes nicht kennen, kann man sie mit einem Nervensystem vergleichen, das unfähig ist, die Anweisungen des Gehirns zu übermittlen. Da die verschiedenen Verfassungen nicht in Übereinstimmung mit dem Wort Gottes geschrieben wurden, arbeiten die drei Gewaltenbereiche gegenwärtig wie innere Organe, welche die Informationen des Gehirns nicht fühlen oder auf sie nicht reagieren können, weil die Leitungen des peripheren Nervensystems unterbrochen sind. Es fehlt ihnen an Ordnung und Harmonie und sie leiden ständig unter Konflikten aller Art.

Daher wird Christus bei seiner Wiederkunft die vertikale Beziehung der Menschen zu Gott wiederherstellen und so das gegenwärtige politische System von seiner Krankheit befreien, damit es Gottes Plan verwirklichen kann. Auf diese Weise wird das wahre Potenzial der Gesellschaft freigesetzt werden.

3.3 Die Bedeutung der industriellen Revolution

Gottes Ideal der Schöpfung kann nicht bloß durch die Bildung einer sündenlosen Welt verwirklicht werden. Von Gott gesegnete Menschen müssen auch das Universum regieren. (Gen 1,28) Wir sind dazu bestimmt, die verborgenen Naturgesetze aufzuspüren und Wissenschaft und Technologie weiterzuentwickeln, um angenehme Lebensbedingungen zu schaffen. Religion und Wissenschaft haben jeweils ihre entsprechende Verantwortung wahrgenommen, um es den gefallenen Menschen zu ermöglichen, ihre innere und äußere Unwissenheit zu überwinden. Daher sollten wir in den Letzten Tagen der Geschichte nicht nur eine neue Wahrheit erwarten, die die Menschen anleiten kann, ihre Unwissenheit in geistigen Dingen völlig zu beseitigen. Wir können auch große Fortschritte in den Wissenschaften erwarten, welche die Geheimnisse des physischen Universums entschlüsseln. (vgl. Eschatologie 4.3) Gemeinsam werden sie die menschliche Gesellschaft auf eine Stufe unmittelbar vor der Verwirklichung einer idealen Welt heben. Von daher können wir verstehen, dass die industrielle Revolution, die in England ihren Anfang nahm, aufgrund von Gottes Vorsehung entstand, um eine Umgebung zu schaffen, die der idealen Welt entspricht.

Die wirtschaftliche Struktur einer idealen Gesellschaft gleicht der Struktur eines gesunden menschlichen Körpers. Produktion, Verteilung und Verbrauch sollen zueinander dieselbe organische Beziehung haben, wie sie zwischen Verdauung, Kreislauf und Stoffwechsel im menschlichen Körper existiert. Es sollte keinen zerstörerischen Wettstreit aufgrund von Überproduktion geben; noch sollte es zu einer übertriebenen Anhäufung und einem übermäßigen Konsum kommen, weil Güter ungerecht verteilt werden. Das wäre dem Allgemeinwohl nur abträglich. Es sollte eine angemessene Produktion von notwendigen und nützlichen Gütern gewährleistet sein, die dann gerecht verteilt werden sollten, um die Bedürfnisse der Menschen zufrieden zu stellen. Ein vernünftiger Verbrauch sollte im Einklang mit dem Zweck für das Ganze stehen.

Die Massenproduktion, ein Kind der industriellen Revolution, brachte England dazu, ausgedehnte Kolonien als Lieferanten von Rohstoffen und als Märkte für die produzierten Güter zu gründen. Dabei öffnete die industrielle Revolution der Verkündigung des Evangeliums ein weites Feld. Folglich leistete sie sowohl für den inneren als auch für den äußeren Aspekt der Vorsehung der Wiederherstellung einen Beitrag.

3.4 Die Entstehung der Großmächte

Wir haben gesehen, wie nach der Renaissance die einheitliche Weltanschauung im mittelalterlichen Europa in eine Kain-Typ- und eine Abel-Typ-Weltanschauung geteilt wurde. Dies führte zu zwei verschiedenen politischen Revolutionen. In ihrem Gefolge entstanden zwei Arten von Demokratien, die beide aus der industriellen Revolution gestärkt hervorgingen. Die beiden Arten der Demokratie sollten in der Folge die demokratische und die kommunistische Welt hervorbringen.

Angespornt durch den rapiden Fortschritt der Naturwissenschaften, brachte die Industrialisierung, die auf die industrielle Revolution folgte, eine Wirtschaft hervor, die durch Überproduktion gekennzeichnet war. Die europäischen Großmächte, die dringend neue Länder als Absatzmärkte für ihre Produkte und als Rohstofflieferanten für ihre Fabriken erschließen mussten, wurden im Wettstreit um die Kolonien immer mächtiger. Folglich trugen zwei Faktoren — die beiden ideologischen Strömungen und die Wirtschaftsentwicklung als Ergebnis des wissenschaftlichen Fortschritts — dazu bei, dass die Welt politisch in zwei Blöcke geteilt wurde: die demokratische und die kommunistische Welt.

3.5 Religiöse Reformationen und politische und industrielle Revolutionen seit der Renaissance

Die Kain-Typ-Bewegung, die mit der Neubelebung des Hellenismus begann, besiegte die mittelalterliche Welt und brachte den Humanismus der Renaissance hervor. In ihrer Weiterentwicklung in eine satanische Richtung rief sie die Aufklärung hervor, die vom Gesichtspunkt der ideologischen Entwicklung als zweite Renaissance bezeichnet werden kann. Das Denken der Aufklärung entwickelte sich in eine satanische Richtung und wurde zum Nährboden für den historischen Materialismus, der das Herzstück der kommunistischen Ideologie darstellt. Diese Entwicklung kann man als die dritte Renaissance bezeichnen.

Da die satanische Seite die Vorsehung Gottes vorwegnimmt, ist zu erwarten, dass sich Gottes Vorsehung auch durch drei Stufen der Revolution bewegt, die jeweils in den drei Bereichen Religion, Politik und Wirtschaft stattfinden. Im Bereich der Religion fand die erste Reformation unter der Führung von Martin Luther nach der ersten Renaissance statt. Eine zweite Reformation wurde nach der zweiten Renaissance durch die geistigen Bewegungen ausgelöst, die von Leuten wie den Wesley-Brüdern, Fox und Swedenborg angeführt wurden. Aus unserer Betrachtung der historischen Entwicklung wird deutlich, dass der dritten Renaissance eine dritte Reformation folgen wird. Tatsächlich verlangt der Zustand der heutigen Christenheit dringend nach einer solchen Reformation.

Die Vermutung liegt nahe, dass es auch auf politischer Ebene zu einer Erneuerung in drei Stufen kommt. Zunächst brach die mittelalterliche Gesellschaft unter dem Einfluss der ersten Renaissance und der ersten Reformation zusammen. Danach wurde die absolute Monarchie durch die entfesselten Kräfte der zweiten Renaissance und der zweiten Reformation zerstört. Schließlich entstand die kommunistische Welt durch politische Revolutionen, die von der dritten Renaissance verursacht wurden. Im Verlauf der kommenden dritten religiösen Reformation wird die demokratische Welt auf der Seite Gottes aus der ideologischen Auseinandersetzung siegreich hervorgehen und die kommunistische Welt auf der Seite Satans überwinden. Danach werden sich beide Welten im Himmelreich auf Erden unter Gott vereinigen.

Die wirtschaftlichen Veränderungen, die den religiösen und politischen Reformen folgten, haben sich in drei industriellen Revolutionen entwickelt. Die erste industrielle Revolution entstand in England durch die Erfindung der Dampfmaschine. Ein Jahrhundert später fand die zweite industrielle Revolution in vielen fortschrittlichen Nationen auf der Basis von Elektrizität und Verbrennungsmotoren statt. Die dritte industrielle Revolution wird durch die sichere Handhabung der Atomenrgie (Aus der heutigen Sicht sind die durch Wasserstoffbrennzellen erzeugte Energie sowie regenerative Formen der Energie wohl am zukunftsträchtigsten. (A.d.R.)) eingeleitet werden. Sie wird angenehme Lebensbedingungen für eine ideale Welt schaffen. In den Jahrhunderten der Vorbereitung auf die Wiederkunft des Messias sind die jeweils drei Revolutionen auf den drei Gebieten von Religion, Politik und Industrie, die den drei Renaissance-Perioden folgten, ein notwendiger Reifungsprozess für die Errichtung einer idealen Welt, wie sie durch das Prinzip der drei Wachstumsstufen vorgegeben ist.