Studium und Praxis des Prinzips
Meine Lesezeichen
    Sie haben noch keine Lesezeichen.

Abschnitt 5. Die Periode des israelitischen Exils und Rückkehr und die Periode des päpstlichen Exils und Rückkehr

Die Israeliten, die ohne zu bereuen in Unglauben gefallen waren, scheiterten bei der Verwirklichung einer Nation Gottes, die auf dem Tempel aufbaute. Um Seinen Willen zu erfüllen, unternahm Gott einen weiteren Versuch: Er ließ das Volk als Verschleppte in Babylon eine harte Zeit durchstehen. Das war ähnlich wie jene Zeit, als Gott die Israeliten als Sklaven in Ägypten leiden ließ, um durch Wiedergutmachung Abrahams Fehler bei der symbolischen Opferung wiederherzustellen.

In der Periode des Christlichen Reiches wirkte Gott durch den Papst und den Kaiser. Durch sie wollte Er ein Königreich aufbauen, das auf die Wiederkunft Christi vorbereitet war. Gott beabsichtigte, dass sie letzten Endes Reich und Thron dem Messias übergeben würden, wenn er als König der Könige kommen und das Reich Gottes (Jes 9,6; Lk 1,33) auf diesem Fundament errichten würde. Doch die Kaiser und Päpste wurden korrupt und bereuten nicht. Die Päpste errichteten kein geistiges Fundament, auf dem die Kaiser als Hauptpersonen für das substanzielle Fundament hätten stehen können. Daher wurde das Fundament für die Wiederkunft Christi nicht errichtet. Am Beginn einer neuen Vorsehung der Wiederherstellung dieses Fundaments erlaubte Gott, dass die Päpste als Gefangene ins Exil geschickt wurden.

In der parallelen Periode im Alten-Testament-Zeitalter vergingen nahezu 70 Jahre von dem Zeitpunkt an, als König Nebukadnezzar von Babylon König Jojachin und seine königliche Familie sowie Propheten wie Daniel und Ezechiel, Priester, Hofleute, Handwerker und viele andere Israeliten gefangen nahm, bis zum Fall Babylons und der Befreiung der Juden durch ein königliches Dekret des Königs Kyrus. (2 Kön 24; 25; 2 Chr 36; Jer 29,10; 39,1-10) Die Israeliten im Exil kehrten in drei Wellen in ihr Heimatland zurück und benötigten dazu weitere 140 Jahre. Erst dann formierten sie sich neu zu einer Nation, wobei sie sich am Willen Gottes, wie er in den messianischen Prophezeiungen Maleachis verkündet wurde, ausrichteten und vereinigten. Fortan begannen sie sich auf das Kommen des Messias vorzubereiten. In der Periode des päpstlichen Exils und seiner Rückkehr, die diese Periode durch Wiedergutmachung in Form von substanziellen Parallelen wiederherstellen sollte, musste die westliche Christenheit einen ähnlichen Weg gehen.

Die Päpste und Priester, verstrickt in Unmoral, verloren nach und nach das Vertrauen des Volkes. Wegen der wiederholten Niederlagen bei den Kreuzzügen sank die Autorität des Papsttums sogar noch tiefer. Dem Ende der Kreuzzüge folgte in Europa der stufenweise Niedergang des Feudalsystems und das Erscheinen moderner Nationalstaaten. Als die Macht weltlicher Monarchien zunahm, eskalierte der Konflikt zwischen Päpsten und Königen. Im Zuge einer solchen Auseinandersetzung nahm König Philipp IV. von Frankreich, genannt Der Schöne, Papst Bonifaz VIII. eine Zeit lang gefangen. 1309 zwang Philipp Papst Clemens V., das Pontifikat nach Avignon in Südfrankreich zu verlegen. 70 Jahre lebten hier die nachfolgenden Päpste als Untertanen der Könige Frankreichs, bis 1377 Papst Gregor XI. die päpstliche Residenz zurück nach Rom verlegte.

Nach Gregors Tod wählten die Kardinäle einen Italiener, den Erzbischof von Bari, zum Papst. Es war Urban VI. Doch eine Gruppe von Kardinälen, hauptsächlich Franzosen, lehnten ihn ab, wählten Clemens VII. und machten ihn in Avignon zum Gegenpapst. Das Große Schisma dauerte bis ins folgende Jahrhundert. Um aus dieser Sackgasse herauszukommen, hielten die Kardinäle beider Lager 1409 ein Konzil in Pisa (Italien) ab. Sie enthoben die Päpste in Rom und in Avignon ihrer Ämter und wählten Alexander V. zum rechtmäßigen Papst. Doch die beiden ersten Päpste dachten nicht daran abzudanken, und so gab es für kurze Zeit sogar drei Päpste auf einmal, die miteinander stritten. Kurz danach versammelten sich Kardinäle, Bischöfe, Theologen, Fürsten und deren Abgesandte zum allgemeinen Konzil von Konstanz (1414-1417). Es entließ alle drei Päpste und wählte Martin V. zum neuen Papst. Damit wurde das Große Schisma beendet.

Das Konzil von Konstanz bestand drauf, dass allgemeine Konzile der Kirche höchste Autorität hätten, höher als die des Papstes, und die Macht besäßen, ihn zu wählen oder abzusetzen. Des Weiteren legten sie fest, dass Folgekonzile in regelmäßigen Intervallen abzuhalten seien. Dies kam einem Versuch gleich, die römisch-katholische Kirche als konstitutionelle Monarchie neu zu organisieren. Doch als 1431 die Delegierten zum nächsten Konzil in Basel, in der Schweiz, zusammenkamen, wollte der Papst die Versammlung vertagen. Die Delegierten lehnten dies jedoch ab und machten in Abwesenheit des Papstes weiter, allerdings ohne Erfolg. 1449 lösten sie schließlich die Versammlung auf. Der Plan, innerhalb der römisch-katholischen Kirche eine konstitutionelle Monarchie einzuführen, wurde zunichte gemacht und das Papsttum erlangte jene Autorität zurück, die es 1309 verloren hatte.

Die Führer der Konzilsbewegung im 15. Jahrhundert hatten versucht, das korrupte Papsttum zu reformieren, indem sie ein repräsentatives Konzil von Bischöfen und Laien einsetzten und ihm höchste Autorität verliehen. Trotzdem konnte letztendlich das Papsttum seine volle Autorität wieder zur Geltung bringen. Seit dem Exil hatte es diese Autorität verloren. Darüber hinaus verurteilten diese Konzile tiefergreifende Reformen, wie sie von John Wyclif (1330-1384) und Jan Hus (1373-1415) unterstützt wurden. Der Letztere war persönlich eingeladen worden, am Konzil von Konstanz teilzunehmen, doch nur, um auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden. In diesem Moment waren die Würfel für den Ausbruch der protestantischen Reformation gefallen.

Diese Periode dauerte annähernd 210 Jahre von 1309, beginnend mit dem 70-jährigen päpstlichen Exil in Avignon über das Große Schisma, die Konzilsbewegung und die Wiederherstellung der päpstlichen Autorität in der römisch-katholische Kirche bis zum Vorabend der protestantischen Reformation im Jahre 1517 mit Martin Luther an der Spitze. Ihr Zweck bestand darin, die 210-jährige Periode des israelitischen Exils und Rückkehr — von den 70 Jahren Exil in Babylon über die Phasen der Rückkehr nach Israel und den Wiederaufbau des Tempels bis zur Reform von Politik und Religion unter der Führung von Esra, Nehemia und dem Propheten Maleachi — durch Wiedergutmachung in Form von substanziellen Parallelen wiederherzustellen.