Abschnitt 4. Die Periode des Geteilten Königreiches von Nord und Süd und die Periode des Geteilten Königreiches von Ost und West
Weil König Salomo von seinen Frauen und Konkubinen verleitet wurde, Götzenbilder zu verehren, wurde das Vereinigte Königreich Israel, das nur drei Generationen gedauert hatte, bei seinem Tod geteilt. (1 Kön 11,5-13) Das Königreich Israel im Norden, das von zehn der zwölf Stämme gebildet wurde, war in der Position Kains, während das Königreich Juda im Süden, das von den beiden verbleibenden Stämmen gegründet wurde, in der Position Abels stand. So begann die Periode des Geteilten Königreiches von Nord und Süd. Auch das Christliche Reich begann in der dritten Generation zu zerfallen. Die Enkelsöhne Karls des Großen teilten das Reich in drei Königreiche auf: Ostfranken, Westfranken und Italien. Die Nachkommen Karl des Großen lagen ständig miteinander in Streit. Die Überreste des Christlichen Reiches verschmolzen bald zu zwei Königreichen, wobei Italien unter die Herrschaft der Ostfranken gelangte. Das ostfränkische Reich gelangte unter Otto I. zu großer Blüte und wurde Heiliges Römisches Reich genannt. Es beanspruchte für sich, der Erbe des Römischen Reiches zu sein, regierte über Teile von Westeuropa und suchte Politik und Religion zu beherrschen. In Beziehung zu Frankreich, wie das Königreich der Westfranken schließlich genannt wurde, stand das Heilige Römische Reich in der Position Abels.
Das nördliche Königreich Israel wurde von Jerobeam gegründet, der zur Zeit König Salomos im Exil gelebt hatte. 19 Könige regierten es in einem Zeitraum von 210 Jahren. Aufgrund wiederholter Morde wechselten seine kurzlebigen königlichen Familien neunmal; kein einziger König war in den Augen Gottes gerecht. Dennoch sandte Gott den Propheten Elija, der im Wettstreit mit 850 Propheten des Baal und der Aschera auf dem Berg Karmel den Sieg davontrug, als Gott Feuer auf den Altar schickte. (1 Kön 18,19-40) Andere Propheten wie Elischa, Jona, Hosea und Amos verkündeten unter Lebensgefahr Gottes Wort. Doch da das nördliche Königreich weiterhin fremde Götter verehrte und nicht bereute, ließ Gott Israel von den Assyrern zerstören und entzog ihm die Qualifikation als auserwähltes Volk für immer. (2 Kön 17,7-23)
Das südliche Königreich Juda wurde von Salomos Sohn Rehabeam gegründet. Sein königliches Haus bestand aus einer einzigen Dynastie von David bis Zidkija. Viele rechtschaffene Könige waren unter den 20, die das Königreich in seinem nahezu 400-jährigen Bestehen regierten. Trotzdem führte eine Reihe von schlechten Königen und der Einfluss des nördlichen Königreiches zu schamlosem Götzendienst und Korruption. Deshalb wurde das Volk des südlichen Königreiches ins Exil nach Babylon gebracht.
Wann immer die Israeliten in der Periode des Geteilten Königreiches von Nord und Süd ihren Bund mit Gott verletzten, indem sie vom Ideal des Tempels abließen, sandte Gott Propheten — wie Elija, Jesaja und Jeremia —, um sie zu ermahnen und zu Reue und innerer Umkehr zu bewegen. Doch weil die Könige und das Volk die Warnungen der Propheten nicht beachteten und nicht bereuten, züchtigte sie Gott äußerlich, indem Er heidnischen Nationen wie Syrien, Assyrien und Babylon erlaubte, sie anzugreifen.
Während der parallelen Periode des Geteilten Königreiches von Ost und West war das Papsttum korrupt. Gott sandte berühmte Mönche wie Thomas von Aquin und Franz von Assisi, um den Papst zu ermahnen und eine innere Reform der Kirche in die Wege zu leiten. Doch da das Papsttum und die Kirche nicht bereuten, sondern tiefer in Korruption und Unmoral versanken, züchtigte Gott sie äußerlich, indem Er zuließ, dass die Christen gegen die Muslime kämpften. Von der Vorsehung her war dies der Grund für die Kreuzzüge.
Als Jerusalem und das Heilige Land unter dem Protektorat des Kalifats der Abbasiden stand, wurden die christlichen Pilger gastfreundlich aufgenommen. Nach dem Zusammenbruch dieses Kalifats und der Eroberung des Heiligen Landes durch die Seldschuken wurden warnende Rufe laut, dass die christlichen Pilger schlecht behandelt würden. Zutiefst empört stellten die Päpste Kreuzzüge auf, um das Heilige Land zurückzuerobern. Ab 1095 gab es in den nachfolgenden zwei Jahrhunderten acht Kreuzzüge. Trotz anfänglicher Erfolge wurden die Kreuzritter immer wieder besiegt.
Die Periode des Geteilten Königreiches von Nord und Süd endete, als heidnische Nationen die Völker von Israel und Juda ins Exil verschleppten. Damit war die Monarchie in Israel an ihrem Ende angelangt. Ganz ähnlich hatte gegen Ende der Periode des Geteilten Königreiches von Ost und West das Papsttum nach den wiederholten Niederlagen der Kreuzzüge sein Ansehen und seine Glaubwürdigkeit völlig verloren. Dadurch verlor das Christentum sein Zentrum geistiger Oberherrschaft. Außerdem verlor die Feudalgesellschaft ihre politische Macht und Vitalität, da die Adeligen und Ritter, die diese Gesellschaftsform aufrechterhalten hatten, durch die Kreuzzüge stark dezimiert waren. Da das Papsttum und die Feudalherren große Summen ausgegeben hatten, um diese erfolglosen Kriege zu finanzieren, versanken sie nun in Armut. Die Aushöhlung des monarchischen Christentums begann.
- Abschnitt 1. Die Periode der Sklaverei in Ägypten und die Periode der Verfolgung im Römischen Reich
- Abschnitt 2. Die Periode der Richter und die Periode der regionalen Kirchenleitung
- Abschnitt 3. Die Periode des Vereinigten Königreiches und die Periode des christlichen Reiches
- Abschnitt 4. Die Periode des Geteilten Königreiches von Nord und Süd und die Periode des Geteilten Königreiches von Ost und West
- Abschnitt 5. Die Periode des israelitischen Exils und Rückkehr und die Periode des päpstlichen Exils und Rückkehr
- Abschnitt 6. Die Periode der Vorbereitung auf die Ankunft des Messias und die Periode der Vorbereitung auf die Wiederkunft des Messias
- Abschnitt 7. Die Vorsehung der Wiederherstellung und die geschichtliche Entwicklung