Abschnitt 2. Wie wird Christus wiederkommen?
2.1 Sichtweisen in der Bibel
Gott offenbart im Voraus alle wichtigen Inhalte Seines Willens in Gleichnissen und Symbolen, damit die Menschen jedes Zeitalters die Anforderungen der Vorsehung für ihre Zeit und für die Zukunft gemäß dem Grad ihrer Intelligenz und Spiritualität verstehen können. (Joh 16,25) Die Tatsache, dass Gott in der Bibel Gleichnisse und Symbole verwendet hat, führte unausweichlich zu vielen unterschiedlichen Interpretationen. Das ist ein Hauptgrund für die Spaltung der Kirchen in so viele Konfessionen. Für die Auslegung der Bibel ist es überaus wichtig, den richtigen Blickwinkel zu finden.
Nehmen wir zum Beispiel Johannes den Täufer. Seit 2000 Jahren lesen wir die Bibel mit der vorgefassten Meinung, Johannes hätte die ihm übertragene Mission erfüllt. Folglich scheinen die entsprechenden Passagen diese Ansicht zu unterstützen. Doch wenn wir die Bibel sorgfältig von einem anderen Standpunkt aus lesen, können wir klar erkennen, dass Johannes der Täufer seine Mission nicht erfüllt hat. (vgl. Messias 2.3)
Bis heute haben viele von uns die Bibel mit der vorgefassten Meinung gelesen, dass Jesus mit Zeichen und Wundern auf den Wolken kommen wird. Das hat seinen Grund in Jesu Worten wie: Sie werden den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen. Er wird seine Engel unter lautem Posaunenschall aussenden, und sie werden die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, von einem Ende des Himmels bis zum anderen. (Mt 24,30-31) Wenn wir an einer buchstäblichen Auslegung festhalten, scheinen die biblischen Aussagen in diese Richtung zu weisen. Doch die Vorstellung, dass Christus auf den Wolken wiederkommen wird, ist für das wissenschaftliche Denken der modernen Zeit völlig inakzeptabel. Wir halten es für notwendig, die Bibel von einem anderen Standpunkt aus zu lesen, um die wahre Bedeutung solcher Aussagen zu erfassen.
Diese neue Sichtweise fußt auf unserer früheren Lesart der Bibelstellen über Johannes den Täufer. Der Prophet Maleachi sagte vorher, dass Elija wiederkommen würde, bevor der Messias kommt. (Mal 3,23) Da viele Juden sehnsüchtig auf diesen Tag warteten, glaubten sie, dass Elija, der in den Himmel aufgefahren war, genauso vom Himmel herunterkommen werde, wie er dorthin gelangt war. Doch im Gegensatz dazu behauptete Jesus kühn, dass Johannes der Täufer, der Sohn des Zacharias, Elija sei. (Mt 11,14)
Wenn wir den Worten Jesu glauben, dann sollte Elija niemals auf wundersame Weise wiederkehren. Tatsächlich erfüllte sich die Wiederkunft Elijas durch die Geburt eines Kindes. In ähnlicher Weise glauben heute viele Christen, dass Jesus auf den Wolken wiederkommen werde. Doch was wir über die tatsächliche Wiederkunft Elijas herausgefunden haben, legt eine andere Möglichkeit nahe: dass nämlich die Wiederkunft Christi — wie bei seinem ersten Kommen — durch die Geburt eines Kindes stattfindet. Von diesem neuen Gesichtspunkt aus wollen wir nun die Bibelstellen über die Wiederkunft eingehend studieren.
Beim ersten Kommen Jesu dachten viele Schriftgelehrte in Israel, der Messias würde als ein Nachkomme des Königs David in Bethlehem geboren werden. (Mt 2,5-6; Mi 5,2) Zweifellos hat es aber auch viele andere Juden gegeben, die den Messias in den Wolken erwarteten. Dieser Glaube fußte auf ihrem Verständnis der Prophezeiung von Daniel: „Immer noch hatte ich die nächtlichen Visionen: Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn“ (Dan 7,13), und auf anderen Vorhersagen von übernatürlichen Ereignissen in den Letzten Tagen (z. B. Joel 3,3-4) Daher kamen die Pharisäer und Schriftgelehrten zu Jesus und verlangten von ihm ein Zeichen des Himmels als Beweis dafür, dass er der Messias sei. (Mt 16,1-4; Mk 8,11-12) Ohne übernatürliche Zeichen vom Himmel, wie sie in der Bibel vorhergesagt sind, konnten sie ihn nicht bereitwillig als den lang ersehnten Messias annehmen. Auch nach Jesu Tod blieb der Glaube, dass der Messias auf übernatürliche Weise kommen werde, sogar unter einigen nonkonformistischen Christen bestehen, die meinten, Jesus sei nicht in einem Körper aus Fleisch und Blut gekommen. Der Apostel Johannes bezeichnete solche Gläubige als Antichristen: Viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen; sie bekennen nicht, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist. Das ist der Verführer und der Antichrist. (2 Joh 7)
Viele Christen behaupten, dass sich die Prophezeiung bei Daniel auf die Wiederkunft Christi bezieht. Doch in der Zeit des Alten Testaments wirkte Gott, um mit dem Kommen Jesu das letzte Ziel der Vorsehung der Wiederherstellung zu erreichen, wie die Bibel bezeugt: „Denn bis hin zu Johannes haben alle Propheten und das Gesetz über diese Dinge geweissagt“ (Mt 11,13), und: „Denn Christus ist das Ende des Gesetzes, und jeder, der an ihn glaubt, wird gerecht.“ (Röm 10,4) Bevor Jesus selbst über seine Wiederkunft zu sprechen begann, hatte niemand im Entferntesten an eine Wiederkunft gedacht. Offensichtlich dachte damals kein Jude, dass diese Stellen bei Daniel sich auf etwas anderes beziehen könnten als auf das, was sie für das erste und einzige Kommen des Messias hielten.
Im Gegensatz zu den Erwartungen vieler gläubiger Juden, die aufgrund biblischer Aussagen glaubten, dass der Messias mit Zeichen und Wundern auf den Wolken des Himmels kommen werde, wurde Jesus als Kind einfacher Eltern auf Erden geboren. Wir sollten daher die Bibel unter dem Gesichtspunkt lesen, dass Christus nicht auf wundersame Weise wiederkommen wird. Er könnte nämlich genauso wiederkommen wie beim ersten Mal.
2.2 Christus wird als Kind auf die Erde zurückkehren
Jesus sagte in einer Reihe von Prophezeiungen voraus, was dem Herrn bei seiner Wiederkunft widerfahren würde. Vorher aber muss er vieles erleiden und von dieser Generation verworfen werden. (Lk 17,25) Wenn Jesus buchstäblich auf den Wolken des Himmels käme mit Macht und Herrlichkeit, unter Posaunenschall und von Engeln umgeben (Mt 24,30-31), würde er da nicht sogar von dieser sündigen Welt bereitwillig aufgenommen und geehrt werden? Wenn Christus auf diese Weise wiederkehrt, wird er auf keinen Fall verfolgt und zurückgewiesen werden.
Warum hat dann Jesus vorhergesagt, dass er bei seiner Wiederkunft eine derart feindselige Situation antreffen werde?
Damals sehnten sich die Juden nach dem Tag, an dem Elija vom Himmel herabkommen würde. Maleachi hatte vorhergesagt, dass er noch vor dem Messias als dessen Bote kommen würde. (Mal 3,23) Doch noch bevor das Volk eine Botschaft über die Wiederkunft Elijas gehört hatte, kam stattdessen Jesus, ein Mann von niederer Herkunft, wie ein Dieb und behauptete, der Messias zu sein. Daher verachteten und verfolgten sie Jesus. (vgl. Messias 2.2) Als Jesus über seine Situation nachdachte, sah er voraus, dass die Christen, die auf seine Wiederkunft warteten, wiederum zum Himmel starren würden. Daher würden auch sie Christus bei seiner Wiederkunft, wenn er im Fleisch geboren wird und unerwartet wie ein Dieb kommt, verfolgen. Sie würden ihn, wie Jesus, als Häretiker verurteilen. Aus diesem Grund sagte er vorher, dass der Herr leiden und von dieser Generation verworfen werden würde. Diese Prophezeiung kann sich nur erfüllen, wenn Christus im Fleisch wiederkehrt, und ist völlig unmöglich, wenn er in den Wolken kommt.
Jesus sagte: Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden? (Lk 18,8) Da sich die Welt in den Letzten Tage befindet, nimmt die Zahl jener Christen zu, die sich bemühen, ihren Glauben zu vertiefen. Wie könnten sie bei der Wiederkunft des Herrn vom Glauben abfallen, wenn er buchstäblich auf den Wolken des Himmels käme, begleitet vom Posaunenschall der Engel und in der Herrlichkeit Gottes? Auch diese Prophezeiung kann sich nicht erfüllen, wenn Christus auf übernatürliche Weise wiederkommt.
Zur Zeit Jesu dachten viele Juden, der Messias werde in Bethlehem geboren und als ihr König auftreten (Mt 2,6), jedoch erst, nachdem Elija aus dem Himmel zurückgekehrt sei. Doch bevor Elija erschien, trat — im Gegensatz zu dieser Erwartung — der Sohn eines Zimmermanns aus Nazareth auf und bezeichnete sich selbst als Messias. Es ist daher begreiflich, dass Jesus unter den frommen Juden niemanden finden konnte, der soviel Glauben und Begeisterung zeigte, dass er ihm bis in den Tod gefolgt wäre. Jesus litt unter dieser Situation und klagte, dass etwas Ähnliches bei seiner Wiederkunft eintreten könnte. Er sah voraus, dass die Gläubigen bei der Wiederkunft nur zum Himmel schauen und erwarten würden, dass Christus auf den Wolken und in Herrlichkeit wiederkäme. Wenn daher Christus in Wahrheit als ein Mann bescheidener Herkunft auf die Erde zurückkehrt, könnte er — wie in den Tagen Jesu — keinen Glauben finden. Diese Prophezeiung bei Lukas kann sich nur erfüllen, wenn Christus bei seiner Wiederkunft auf Erden geboren wird.
Einige Bibelexperten legen diese Stellen dahingehend aus, dass die Drangsale in den Letzten Tagen so heftig sein werden, dass alle Gläubigen treulos werden. Doch im Verlauf der Vorsehung konnte keine noch so bittere Drangsal die Gläubigen von ihrem Weg abhalten. Noch weniger wird das in den Letzten Tagen der Fall sein, wenn gläubige Christen sehnsüchtig darauf warten, durch das letzte Tor in den Himmel eingehen zu können! Es liegt in der universellen Natur des Glaubens, dass wir um so eifriger nach einer Rettung durch Gott suchen, je größer unsere Prüfungen und Drangsale sind.
Jesus sagte einmal: Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten und haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht? Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes! (Mt 7,22-23) Wenn ein Christ aufgrund seines tiefen Glaubens im Namen des Herrn Wunder vollbringt, um wieviel mehr wird er an den Herrn, der in den Wolken und mit großer Herrlichkeit kommt, glauben und ihm dienen? Wird ihn Jesus dann nicht warmherzig empfangen? Warum spricht Jesus so, als ob er bei seiner Wiederkunft solch gläubige Christen zurückweisen wird? Wenn Christus bei seiner Wiederkunft so ergebene Gläubige zurückweist, wer kann dann noch gerettet werden? Diese Prophezeiung kann sich nicht erfüllen, wenn Christus in den Wolken kommt.
Zur Zeit Jesu muss es viele Juden gegeben haben, deren Glaube so stark war, dass sie im Namen Gottes Wunder vollbringen konnten. Doch da sie glaubten, dass Elija noch vor der Ankunft des Messias persönlich vom Himmel kommen werde, konnten sie nicht glauben, dass Elija in der Gestalt Johannes‘ des Täufers zu ihnen gekommen war — und dies umso weniger, als ja Johannes der Täufer selbst verleugnete, Elija zu sein. (Jo 1,21) Daher konnten sie Jesus nicht als Messias akzeptieren und verbannten ihn aus ihrer Gemeinschaft. Jesus musste sie schweren Herzens aufgeben. Genauso werden bei der Wiederkunft jene Christen, die ein wundersames und glorreiches Erscheinen erwarten, ihn mit großer Wahrscheinlichkeit zurückweisen, wenn er im Fleisch und aus niederer Herkunft kommt. Ganz gleich, wie gläubig sie auch sein mögen, dem Herrn wird keine andere Wahl bleiben, als sie zurückzuweisen, weil sie sich gegen Gott gestellt haben werden.
Die Prophezeiung in Lukas, Kapitel 17, über die Letzten Tage können unmöglich erfüllt werden, wenn Christus auf übernatürliche Weise kommt. Diese Stellen machen nur unter der Voraussetzung Sinn, dass Christus auf Erden geboren wird. Wir wollen jetzt einige Bibelstellen genauer untersuchen.
Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte. (Lk 17,20) Wenn der Herr auf den Wolken oder auf sonst wundersame Weise käme, würde das Reich Gottes so beginnen, dass es jeder erkennen kann. Auch bei der ersten Ankunft Jesu hatte das Reich Gottes bereits mit der Geburt eines Kindes auf Erden begonnen. Doch die Juden konnten es nicht sehen. Da sie noch immer auf die Wiederkunft Elijas vom Himmel warteten, konnten sie nicht an Jesus glauben. Ebenso werden zur Zeit der Wiederkunft die Christen, die glauben, dass er auf den Wolken mit übernatürlichen Zeichen kommen wird, am Herrn zweifeln und das Reich Gottes nicht sehen, wenngleich dieses Reich bereits mit der Geburt Christi auf Erden begonnen hat.
Man kann auch nicht sagen: Siehe, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch. (Lk 17,21) Zur Zeit Jesu konnten jene, die an ihn glaubten und ihm nachfolgten, in ihrem Herzen bereits am Reich Gottes teilnehmen. Ebenso wird sich bei der Wiederkunft Christi, wenn er auf Erden geboren ist, das Reich Gottes zuerst in den Herzen jener verwirklichen, die an ihn glauben und ihm nachfolgen. Wenn sich dieser Personenkreis ausweitet und Gemeinschaften und Nationen bildet, wird das innere Reich Gottes nach außen hin allmählich sichtbar werden. Daher meinte Jesus, dass das verheißene Reich Gottes nicht in einem einzigen Augenblick verwirklicht werden wird, was dann der Fall wäre, wenn Christus auf den Wolken käme.
Es wird eine Zeit kommen, in der ihr euch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes zu erleben; aber ihr werdet ihn nicht erleben. (Lk 17,22) Falls der Herr auf den Wolken und mit dem Posaunenschall der Engel kommt, wird ihn jeder sehen können. Wer könnte dann den Tag des Menschensohnes nicht sehen, obwohl er sich danach sehnt? Jesus machte jedoch die Aussage, dass die Menschen diesen Tag nicht sehen werden. Beim ersten Kommen Jesu brach der Tag des Menschensohnes auf Erden mit seiner Geburt an. Trotzdem konnten die ungläubigen Juden diesen Tag nicht sehen. Ebenso wird bei der Wiederkunft Christi der Tag des Menschensohnes mit seiner Geburt auf Erden anbrechen. Trotzdem werden viele Christen den Tag nicht sehen können. Da sie überzeugt sind, dass er auf wundersame Weise kommt, werden sie nicht an ihn glauben oder ihm nachfolgen, auch wenn sie ihm begegnen. Obwohl der Tag des Menschensohnes bereits gekommen sein wird, werden sie ihn nicht sehen können.
Und wenn man zu euch sagt: Dort ist er! Hier ist er!, so geht nicht hin, und lauft nicht hinterher. (Lk 17,23) Wie wir bereits früher besprochen haben (vgl. Auferstehung 2.2.6), können in den Letzten Tagen Christen, die eine bestimmte geistige Ebene erreicht haben, die Offenbarung erhalten, dass sie der Herr sind. Da sie die Ursache für eine solche Offenbarung entsprechend dem Prinzip nicht verstehen, werden sie sich wahrscheinlich selbst für den Messias halten und zu Antichristen werden, bevor der Herr kommt. Daher drückte Jesus mit diesen Worten eine Warnung aus, damit wir uns nicht von solchen Leuten in die Irre führen oder verwirren lassen.
Denn wie der Blitz von einem Ende des Himmels bis zum anderen leuchtet, so wird der Menschensohn an seinem Tag erscheinen. (Lk 17,24) Als Jesus geboren war, erfuhr König Herodes die Nachricht von der Geburt des Königs der Juden, und ganz Jerusalem erschrak. (Mt 2,2-3) Zur Zeit der Wiederkunft werden es die hoch entwickelten Transport- und Kommunikationsmittel erlauben, dass die Nachricht von der Wiederkunft blitzschnell bis in die letzten Winkel des Erdballs nach Osten und Westen gelangt.
Und wie es in den Tagen des Noach war, so wird es auch in den Tagen des Menschensohnes sein. (Lk 17,26 [Lk 17,25 wurde vorher besprochen]) Als Noach wusste, dass die Sintflut bevorstand, rief er die Leute auf, mit ihm in die Arche zu kommen. (2 Pt 2,5) Sie achteten jedoch nicht auf seine Worte und alle ertranken. In den Letzten Tagen wird es ähnlich sein: Christus wird im Fleisch wiederkommen und die Menschen zusammenrufen, damit sie die Arche der Wahrheit besteigen. Doch die Christen, die starrköpfig zum Himmel schauen und wundersame Zeichen mit dem Erscheinen des Herrn erwarten, werden nicht auf die Worte der Wahrheit achten, die auf Erden verkündet werden. Ganz im Gegenteil, sie werden den Herrn als Häretiker zurückweisen. Unachtsam, wie die Menschen zur Zeit Noachs, werden sie Gottes Willen im Hinblick auf Seine Vorsehung nicht erfüllen können.
Wer sein Leben zu bewahren sucht, wird es verlieren; wer es dagegen verliert, wird es gewinnen. (Lk 17,33) Würde jemand sein Leben aufs Spiel setzen müssen, wenn er dem Herrn nachfolgt, der auf den Wolken mit dem Posaunenschall der Engel kommt? Doch weil Jesus durch eine physische Geburt auf Erden zurückkehrt, wird er bei den Christen, die sein wundersames Kommen erwarten, als Häretiker gelten. Daher müssen jene, die ihm nachfolgen, bereit sein, sogar dem Tod ins Auge zu blicken. Dieser Vers bedeutet, dass die Menschen, wenn sie an ihn glauben und ihm unter Einsatz ihres Lebens nachfolgen, leben werden. Doch wenn sie sich andererseits aufgrund von weltlichen Umständen gegen ihn wenden und sich von ihm zurückziehen, um die eigene Haut zu retten, wird der Tod über sie Macht ergreifen.
Wo ein Aas ist, da sammeln sich auch die Geier. (Lk 17,37) Auf diese Weise beantwortete Jesus eine Frage nach dem Ort der Wiederkunft. Wir erinnern daran, dass Raubvögel auf die Haustaube und die Turteltaube herabstürzten, die nicht nach Gottes Anweisung auf Abrahams Altar geteilt worden waren. (Gen 15,11) Damit wird angedeutet, dass Satan immer nach einer Möglichkeit Ausschau hält, um alles an sich zu reißen, was nicht geheiligt ist. Von daher können wir die rätselhafte Antwort Jesu verstehen: Wie sich die Geier beim Aas versammeln, um es zu verschlingen, so versammeln sich die Teufel bei den geistig Toten, um sie an sich zu reißen. Der Herr, die Quelle des Lebens, wird an einem Ort in Erscheinung treten, an dem es geistiges Leben in Überfluss gibt. Jesus meinte mit diesen Worten, dass der Herr unter den treuen und gläubigen Menschen auftreten wird.
Bei der Wiederkunft werden tiefgläubige Menschen mit Hilfe vieler Geistwesen an einem Ort zusammenkommen. (vgl. Auferstehung 2.3.2.2; 3.1; 3.2) Dies wird der Ort des Lebens sein, an dem der Herr erscheint. Jesus wurde im auserwählten Volk, das Gott mit größter Hingabe verehrte, geboren. Insbesondere offenbarte er sich jenen als Messias, die den Glauben hatten, ihm nachzufolgen und seine Jünger zu werden.
Da Christus bei seiner Wiederkunft auf Erden geboren wird, steht geschrieben: „Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu Seinem Thron entrückt.“ (Offb 12,5) Das eiserne Zepter bedeutet hier das Wort Gottes, womit der Herr die sündige Welt richten und das Reich Gottes auf Erden errichten wird. Es wurde schon früher eingehend erklärt 31, dass das Gericht durch Feuer das Gericht durch das Wort bedeutet32.. Daher ist das Wort Jesu unser Richter am Jüngsten Tag (Joh 12,48), dasselbe Wort, durch das Himmel und Erde in das Feuer des Gerichts geworfen werden (2 Pt 3,7). Es ist auch jener Hauch aus dem Mund des Herrn, mit dem er die Gesetzlosen töten wird. (2 Thess 2,8) Das Wort, das Jesus ausspricht, wird auch „der Hauch seiner Lippen“ und „der Stab seines Mundes“ genannt (Jes 11,4 Zitiert nach der Zürcher ZwingliBibel. Die deutsche Einheitsübersetzung lautet: „Er schlägt den Gewalttätigen mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes.“), auch symbolisiert durch ein eisernes Zepter, wie geschrieben steht: „Er wird über sie herrschen mit eisernem Zepter und sie zerschlagen wie Tongeschirr.“ (Offb 2,27)
Es ist von einem Knaben die Rede, der von einer Frau geboren ist und zu Gott und Seinem Thron entrückt wird. (Offb 12,5) Welcher von einer Frau Geborene ist würdig, auf dem Thron Gottes zu sitzen und alle Völker mit dem Wort Gottes zu regieren? Das kann niemand anderer sein als der wiedergekehrte Christus, der auf Erden geboren wird und einen neuen Namen hat, den nur er kennt. (Offb 2,17; 19,12) Er wird als König der Könige herrschen und auf Erden das Reich Gottes errichten.
Am Anfang des Matthäusevangeliums wird von vier ehebrecherischen beziehungsweise nichtjüdischen Frauen in Jesu Abstammungslinie berichtet. (Mt 1,3; 5; 6) Dies zeigt, dass der Retter der Menschheit als sündenloser Mann aus einer sündigen Abstammungslinie heraus geboren werden muss, um alle Nachkommen von der sündigen Abstammungslinie zu erlösen.
Viele Christen haben die Frau in den erwähnten Versen als die Kirche interpretiert. („Ihre übrigen Nachkommen“ (Offb 12,17) bedeuten die an Sohnes statt angenommenen Kinder Gottes (Röm 8,23)) Sie entwickelten diese Interpretation in der Annahme, dass Christus in den Wolken kommen werde.
Manche Christen glauben, dass die Wiederkunft immer dann stattfindet, wenn Jesus kommt, um durch das Herabkommen des Heiligen i Geistes (Apg 8,15-17) in den Herzen der Menschen zu wohnen (Joh 14,20). Seit seiner Auferstehung und der Herabkunft des Heiligen Geistes hat Jesus in den Herzen von Gläubigen gewohnt. (Apg 2,4) Wenn das tatsächlich die Wiederkunft wäre, hätte sie bereits vor 2000 Jahren stattgefunden.
Darüber hinaus lehren manche christliche Konfessionen, dass Christus als Geist wiederkommen wird. Doch unmittelbar nach seiner Auferstehung aus dem Grab am dritten Tag erschien Jesus seinen Jüngern mit der gleichen Erscheinungsform wie zu seinen Lebzeiten. Seit dieser Zeit hat Jesus viele Christen, die eine hohe geistige Ebene erreicht haben, besucht und gelehrt. Also fand auch diese Art von Wiederkunft bereits vor 2000 Jahren statt. Falls es sich hier um die richtige Auslegung handelte, hätten wir keinen Grund, auf die historische Wiederkunft zu hoffen und auf sie als jenen Tag zu warten, an dem sich unsere größten Hoffnungen erfüllen.
Obwohl die Jünger Jesu dem Auferstandenen, der ihnen geistig erschien, oft begegneten, warteten sie noch immer auf seine Wiederkunft. Daraus können wir schließen, dass für sie die geistige Erscheinung Jesu nicht die Wiederkunft bedeutete. Als Jesus zum Beispiel dem Apostel Johannes in einer Vision erschien, sagte er zu ihm: „Ja, ich komme bald“, und Johannes antwortete: „Amen. Komm Herr Jesus!“ (Offb 22,20) Hier unterschieden Jesus und Johannes eindeutig zwischen Jesu geistigem Erscheinen und der erwarteten Wiederkunft. Dies zeigt, dass Christus bei seiner Wiederkunft nicht als Geist kommen wird. Er wird auf Erden als Kind geboren werden wie bei seiner ersten Ankunft.
Nach der Lehre des Göttlichen Prinzips gibt es mehrere Gründe, warum Christus als irdischer Mensch wiederkommen muss. Gott schuf sowohl die Physische als auch die Geistige Welt. Dann schuf Gott die Menschen mit beiden Aspekten: Geist und Körper. Er wollte nämlich, dass sie über beide Welten herrschten, indem sie Seine Segen erfüllten. (vgl Schöpfung 6,3) Wegen Adams Fall verloren die Menschen die Qualifikation, über beide Welten zu herrschen. Folglich lernte die Schöpfung ihre wahren Gebieter und Herren nie kennen. Sie klagt und sehnt sich nach dem Offenbarwerden der Kinder Gottes, die sie in Wahrheit regieren können. (Röm 8,19-22) Jesus, der vollkommene Adam, kam als der vollkommene Herr beider Welten. (1 Kor 15,27) Er wollte alle, die an ihn glauben, mit sich verbinden (Röm 11,17). Auf diese Weise wollte er ihnen die Fähigkeit verleihen, Herren des Universums zu werden.
Doch als sich die Juden gegen Jesus wandten, musste Gott zulassen, dass der Körper Jesu als Lösegeld zur Rettung der Menschheit gekreuzigt wurde. Da Jesu physischer Körper an Satan ausgeliefert wurde, blieb die physische Erlösung unerfüllt. Jesus fuhr in den Himmel mit dem Versprechen, dass er zurückkehren und die Erlösung vollenden würde, die er nur geistig verwirklicht hatte. (vgl. Messias 1.4) In der Zwischenzeit hat es auf Erden keinen einzigen Menschen gegeben, der sowohl geistige wie physische Vollkommenheit erlangte, die Geistige und Physische Welt beherrschte und sie miteinander in Einklang gebracht hätte. Aus diesem Grund kann Christus nicht nur mit einem geistigen Körper wiederkommen. Wie bei seiner ersten Ankunft muss er als ein menschliches Wesen kommen und in Geist und Körper zur Vollkommenheit heranwachsen. Danach muss er die gesamte Menschheit geistig und physisch mit sich verbinden, sie in Geist und Fleisch zur Vollkommenheit führen und befähigen, Herren der Geistigen wie der Physischen Welt zu werden.
Ursprünglich sollte Jesus das Reich Gottes auf Erden errichten. Er sollte zum Wahren Vater der wiederhergestellten Menschheit und der König des Reiches Gottes auf Erden werden. (Jes 9,6; Lk 1,31-33) Doch wegen des Unglaubens des Volkes konnte er nicht den ursprünglichen Willen Gottes erfüllen, sondern ging den Weg des Kreuzes mit dem Versprechen, später wiederzukommen und dann Gottes Willen sicherlich zu erfüllen. Somit ist der wiedergekehrte Christus ebenfalls dafür verantwortlich, dass das Reich Gottes auf Erden errichtet wird; dann wird er zum Wahren Vater und zum König der gesamten Menschheit. Dies ist ein weiterer Grund dafür, dass Christus, wie bei seinem ersten Kommen, auch bei seiner Wiederkunft auf Erden geboren werden muss.
Die Erlösung von den Sünden ist nur durch ein Leben auf Erden möglich. (vgl. Schöpfung 6.3.2) Um unsere Sünden auf Erden zu tilgen, muss Christus als Mensch auf die Erde kommen. Die Erlösung, die Jesus durch seine Kreuzigung bewirkt hat, ist auf die geistige Dimension begrenzt. Sie beseitigt nicht die Ursprüngliche Sünde, die durch unseren physischen Körper weitergegeben wird und in uns wirkt. Daher muss Christus wiederkommen und die Menschheit vollkommen erlösen einschließlich des physischen Bereichs. Das kann er sicherlich nicht erreichen, wenn er nur als Geistwesen kommt. Er muss in einem physischen Körper kommen wie beim ersten Mal.
Wir haben also geklärt, dass die Wiederkunft nicht rein geistig, sondern physisch sein wird wie beim ersten Mal. Selbst wenn wir annehmen, dass Christus geistig wiederkommen sollte, dann wäre es doch sehr verwunderlich, dass ein Geist, jenseits von Raum und Zeit und nur durch die geistigen Sinne wahrnehmbar, auf Wolken kommen sollte, die aus Materie bestehen. Doch wenn man andererseits annimmt, dass Christus bei seiner Wiederkunft plötzlich im Fleisch erscheint und auf Wolken kommt, wie kann er dann da oben bleiben? Und wo könnte er sich vor seinem Erscheinen aufgehalten haben? Manche Leute könnten bei solchen Fragen einwenden, dass für den allmächtigen Gott nichts unmöglich ist. Doch Gott kann unmöglich seine eigenen Gesetze und Prinzipien ignorieren. Gott hat es nicht nötig und lässt es auch nicht zu, dass Seine Vorsehung dadurch verwirklicht wird, dass Er Sein eigenes Prinzip verletzt. Es kann nicht Sein Wille sein, dass Christus, der im Fleisch wiederkommen soll und sich in diesem Punkt von uns nicht unterscheidet, in einer anderen Welt wohnt und bei seiner Wiederkunft auf Wolken getragen wird. Wir haben also ohne jeden Zweifel gezeigt, dass die Wiederkunft Christi durch seine physische Geburt auf Erden stattfinden wird.
2.3 Was bedeutet die Bibelstelle, die besagt, dass Christus auf den Wolken wiederkehren wird?
Wenn Christus durch seine Geburt auf Erden wiederkehren wird, was können dann die biblischen Prophezeiungen bedeuten, die besagen, dass er auf den Wolken kommen wird? Um dies zu klären, müssen wir zuerst untersuchen, was mit den Wolken gemeint ist.
Der folgende Bibelvers soll uns dabei helfen: Seht, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen; auch alle, die ihn durchbohrt haben; und alle Völker der Erde werden seinetwegen jammern und klagen. Ja, amen. (Offb 1,7) Nach diesem Vers sollte jeder Christus bei seiner Wiederkunft sehen können. Als der heilige Stephanus gesteinigt wurde, konnten nur er und jene gläubigen Christen, deren geistige Sinne geöffnet waren, Jesus zur Rechten Gottes sitzen sehen. (Apg 7,55) Ebenso würde es sich verhalten, wenn Jesus aus der Geistigen Welt als Geistwesen herabkäme. Dann würden ihn nur jene Gläubigen sehen, deren geistige Sinne offen sind; daher würde nicht jedes Auge Christus bei seiner Wiederkunft sehen. Die biblische Prophezeiung, dass jeder den Herrn sehen wird, kann sich nur erfüllen, wenn er im Fleisch wiederkommt.
Da ein Körper aus Fleisch nicht auf Wolken sitzen kann, müssen die Wolken in dieser Bibelstelle etwas anderes bedeuten. Im selben Abschnitt steht auch geschrieben, dass sogar jene, die ihn durchbohrt haben, Jesu Rückkehr sehen werden. Jene, die ihn durchbohrt haben, waren römische Soldaten. Doch diese römischen Soldaten werden den Herrn bei seiner Wiederkunft nicht sehen können. Um den wiedergekehrten Herrn schauen zu können, müssen diese Soldaten auferweckt worden sein; doch nach der Bibel werden nur jene gläubigen Christen bei der Wiederkunft Christi auferweckt, die an der ersten Auferstehung teilnehmen. Die übrigen geistigen Wesen werden erst nach einem Zeitraum von „tausend Jahren“ im Königreich auferweckt. (Offb 20,4-5) Daher muss der Ausdruck „alle, die ihn durchbohrt haben“ eine Metapher sein, die eine andere Gruppe von Menschen meint und nicht die römischen Soldaten. Tatsächlich meint sie jene Christen, die zur Zeit der Wiederkunft leben und die am Glauben festhalten, dass Jesus auf den Wolken wiederkommt. Wenn Christus entgegen ihren Erwartungen durch eine normale Geburt auf der Erde wiederkommt, werden sie ihn nicht anerkennen, sondern werden ihn verfolgen. Wenn „alle, die ihn durchbohrt haben“ eine Metapher ist, dann sind auch die Wolken im selben Vers bildlich zu verstehen.
Was bedeuten nun die Wolken tatsächlich? Wolken bilden sich durch Verdunstung von Wasser auf der Erde, das normalerweise verunreinigt ist. In der Bibel bezeichnet das Wasser oft gefallene Menschen. (Offb 17,15; Ps 144,7) Daraus können wir ableiten, dass die Wolken fromme Christen versinnbildlichen, deren Herzen im Himmel wohnen und nicht auf der Erde, weil sie neu geboren sind und sich von ihrem gefallenen Zustand erhoben haben. Die Bibel und andere heilige Schriften verwenden das Bild der Wolken auch, um eine große Menge anzudeuten. (Hebr 12,1; vgl. Ez 38,9) Manchmal werden solche Metaphern in zwanglosen Gesprächen verwendet. Auf Moses Weg repräsentierte die Wolkensäule, die das Volk der Israeliten bei Tag anführte, Jesus, der als Führer Israels kommen sollte; die Feuersäule bei Nacht repräsentierte den Heiligen Geist, den weiblichen Objektpartner Jesu, der Israel mit dem Feuer der Inspiration leiten sollte.
Daraus können wir die Bedeutung des Kommens Jesu auf den Wolken verstehen: Er wird sich aus einer Gruppe von wieder geborenen Gläubigen erheben, um der Führer der Christen, des zweiten Israels, zu werden. Erinnern wir uns daran, dass Jesus auf die Frage, wo er denn wiederkommen werde, geantwortet hat: „Wo ein Aas ist, da sammeln sich auch die Geier.“ (Lk 17,37) Jesus meinte damit, dass er an dem Platz wiederkommen wird, wo treue Gläubige versammelt sind, was grundsätzlich dasselbe bedeutet wie die biblische Prophezeiung, dass Christus auf den Wolken wiederkommen wird.
Wenn wir auf diese Weise die Wolken bildlich interpretieren, dann ist klar, dass Jesus auch bei seinem ersten Kommen, symbolisch betrachtet, aus den Wolken vom Himmel herabkam. Es steht geschrieben: „Der Erste Mensch (Adam) stammt von der Erde und ist Erde; der Zweite Mensch (Jesus) stammt vom Himmel“ (1 Kor 15,47), und: „Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn.“ (Joh 3,13) (Joh 3,13) Obwohl Jesus auf Erden geboren war, kam er vom Standpunkt der Vorsehung aus betrachtet und im Hinblick auf seinen wahren Wert in der Tat vom Himmel. Das ist auch die wahre Bedeutung der Prophezeiung bei Daniel (Dan 7,13), die vorhersagte, dass Jesus auf den Wolken kommen würde.
2.4 Warum hat Jesus gesagt, dass der Herr auf den Wolken kommt?
Aus zwei Gründen hat Jesus prophezeit, dass der Herr auf den Wolken wiederkommen wird.
Erstens: Es sollten die Täuschungsmanöver der Antichristen verhindert werden, damit sie unter den Gläubigen keine Verwirrung stiften. Hätte Jesus ganz offen verkündet, dass er durch eine physische Geburt wiederkehren würde, wäre es unmöglich gewesen, falsche Messiasse davon abzuhalten, große Verwirrung zu stiften. Da Jesus von bescheidener Herkunft war, könnte jeder mit einem gewissen Grad an Spiritualität — aus welcher sozialen Schicht auch immer — behaupten, seine Wiederkunft zu sein und die Welt sehr täuschen und blenden. Da die meisten Christen erwartet haben, dass Christus auf den Wolken wiederkommt, und zum Himmel starrten, konnte diese Verwirrung glücklicherweise weitgehend vermieden werden. Doch jetzt, da die Zeit erfüllt ist, muss die Wahrheit ans Licht kommen, dass Christus durch eine physische Geburt zurückkehren wird.
Zweitens: Die Christen, die einen schwierigen Glaubensweg gingen, sollten gestärkt werden. Auch bei anderen Gelegenheiten hat Christus widersprüchliche Aussagen verwendet, um seine Nachfolger zu ermutigen, Gottes Willen möglichst rasch zu erfüllen. So sagte er zum Beispiel: „Amen, ich sage euch: Ihr werdet nicht zu Ende kommen mit den Städten Israels, bis der Menschensohn kommt.“ (Mt 10,23) Das brachte seine Jünger zu dem Glauben, dass die Wiederkunft schon in allernächster Zukunft stattfinden würde. Als Jesus dem Petrus von dessen bevorstehendem Martyrium erzählte, fragte ihn Petrus, was dann mit dem Jünger Johannes sein würde. Jesus antwortete: „Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an?“ (Joh 21,22) Jesus sagte auch: „Amen, ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht erleiden, bis sie den Menschensohn in seiner königlichen Macht kommen sehen.“ (Mt 16,28) Diese Aussagen brachten die Jünger auf den Gedanken, sie würden noch zu Lebzeiten dem wiedergekehrten Jesus begegnen.
Die Hoffnung auf Jesu unmittelbar bevorstehende Rückkehr entfachte den Eifer seiner Jünger und gab ihnen die Kraft, die Verfolgung durch die Juden und das Römische Reich durchzustehen. Von der brennenden Hoffnung auf die Wiederkunft ermutigt, wurden sie mit dem Heiligen Geist erfüllt (Apg 2,1-4) und gründeten selbst mitten in großer Not die frühe christliche Kirche. Jesus wollte seine Jünger, die ein schweres Kreuz tragen würden, inspirieren und ermutigen. Aus diesem Grund prophezeite er, dass er in der Kraft und in der Herrlichkeit Gottes auf den Wolken kommen und alles blitzschnell erfüllen würde.