Studium und Praxis des Prinzips
Meine Lesezeichen
    Sie haben noch keine Lesezeichen.

Abschnitt 2. Das zweite Kommen des Elija und Johannes der Täufer

Der Prophet Maleachi hatte verkündet, Elija werde wiederkehren: „Bevor aber der Tag des Herrn kommt, der große und furchtbare Tag, seht, da sende ich zu euch den Propheten Elija.“ (Mal 3,23) Jesus bezeugte, die angekündigte Wiederkunft des Elija sei mit niemand anderem als Johannes dem Täufer verwirklicht worden: Ich aber sage euch: Elija ist schon gekommen, doch sie haben ihn nicht erkannt, sondern mit ihm gemacht, was sie wollten … Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer sprach. (Mt 17,12-13) Johannes der Täufer betrachtete sich selbst allerdings nicht als die Wiederkunft des Elija (Joh 1,21) und auch das jüdische Volk erkannte diese Tatsache nicht. Diese Unwissenheit vermehrte in Johannes die Zweifel an Jesus. (Mt 11,3) Da viele Juden Johannes den Täufer hoch einschätzten, respektierten sie seine Ansicht. Das verschlimmerte ihren Unglauben Jesus gegenüber. Die Unwissenheit des Johannes war ein wesentlicher Faktor, warum Jesus den Weg des Kreuzes gehen musste.

2.1 Der Glaube der Juden an die Wiederkehr des Elija

Durch König Salomos Vergehen war Gottes Idealbild vom Heiligen Tempel in den Tagen des Vereinten Königreiches vereitelt worden. (vgl. Parallelen 3) Um den Tempel wiederherzustellen und den Weg für das Kommen des Messias als Inkarnation des Tempels zu ebnen, sandte Gott die vier großen und zwölf kleinen Propheten nach Israel und arbeitete mit ihnen, um Israel von allen satanischen Einflüssen zu reinigen. Außerdem beauftragte Gott den Propheten Elija, auf dem Berg Karmel den Baalspriestern entgegenzutreten. Elija besiegte sie mit Gottes Kraft und zerstörte die Altäre Baals. Noch bevor Elija seine göttliche Mission vollenden konnte, fuhr er jedoch in einem feurigen Wagen und von einem Wirbelsturm (2 Kön 2,11) begleitet zum Himmel empor. Die Macht Satans lebte wieder auf und verhinderte weiterhin Gottes Vorsehung. Der Weg des Messias konnte nicht geebnet werden, solange Satans Einfluss vorherrschte. Bevor Jesus also das Ideal des inkarnierten Tempels verwirklichen konnte, musste ein anderer Prophet die unvollendete Mission des Elija, nämlich die Bindung der Menschen an Satan zu brechen, ererben und vollenden. Im Hinblick auf diese providenzielle Notwendigkeit sagte der Prophet Maleachi voraus, dass Elija wiederkehren werde. (Mal 3,23)

Das jüdische Volk vertraute auf die Schrift und hoffte inbrünstig auf das Kommen des Messias. Wir sollten aber wissen, dass es auch mit gleicher Inbrunst auf die Wiederkehr Elijas wartete; und zwar deshalb, weil Gott durch den Propheten Maleachi fest versprochen hatte, den Propheten Elija vor der Ankunft des Messias zu senden, um den Weg des Herrn zu bereiten. Elija war etwa 850 Jahre vor Jesu Geburt in den Himmel aufgefahren; (2 Kön 2,11) seitdem weilte er in der Geistigen Welt. Wir kennen die Erzählung vom Berg der Verklärung, als Elija und Mose geistig vor Jesu Jüngern erschienen. (Lk 9,28-36) Viele Juden glaubten, Elija würde bei seiner Wiederkunft in gleicher Wiese vom Himmel herabkommen wie er aufgefahren war. Geradeso wie es heute Christen gibt, die geduldig zum Himmel schauen und warten, dass Jesus in den Wolken kommen werde, blickten Juden zur Zeit Jesu zum Himmel und erwarteten sehnsüchtig das Kommen des Elija.

Doch bevor es irgendwelche Berichte gab, dass Elija wiedergekommen sei, um die Prophezeiung Maleachis zu erfüllen, erschien plötzlich Jesus und erhob den Anspruch, der Messias zu sein. Es kann nicht verwundern, dass Jesu Auftritt und Anspruch in ganz Jerusalem für Verwirrung sorgte. Wo immer Jesu Jünger hinkamen, wurden sie mit Fragen zu Elija und seiner Ankunft als Vorläufer des Messias bedrängt. Sie konnten keine Antwort geben und wandten sich daher an Jesus mit der Frage: „Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elija kommen?“ (Mt 17,10) Jesus antwortete ihnen, Johannes der Täufer sei der Elija, den das Volk erwartete. (Mt 17,12-13) Da die Jünger bereits an Jesus als den Messias glaubten, akzeptierten sie bereitwillig sein Zeugnis, dass Johannes der Täufer Elija sei.

Doch wie sollten andere, die Jesus nicht kannten, diese umstrittene Behauptung glauben? Jesus selber ging davon aus, dass sie dies nicht bereitwillig glauben würden, und sagte daher: „Und wenn ihr es gelten lassen wollt: Ja, er ist Elija, der wiederkommen soll.“ (Mt 11,14) Den Juden wurde der Glaube an diese Erklärung Jesu noch schwerer gemacht, weil Johannes der Täufers vorher gegenteilige Aussagen gemacht hatte.

Johannes hatte nämlich ausdrücklich darauf bestanden, er sei nicht Elija: „Sie fragten ihn: Was bist du dann? Bist du Elija? Und er sagte: Ich bin es nicht.“ (Joh 1,21)

2.2 Die Richtung, die das jüdische Volk einschlagen würde

Jesus ließ keinen Zweifel daran, dass Johannes sehr wohl Elija war (Mt 11,14), der vom Volk so sehnsüchtig erwartet wurde, während Johannes selbst diese Behauptung entschieden von sich wies. Wessen Worten würde das jüdische Volk glauben? Das hing offensichtlich davon ab, wer von beiden, Jesus oder Johannes, in den Augen des Volkes jener Zeit mehr Respekt und Glaubwürdigkeit genoss.

Untersuchen wir also, wie Jesus auf das jüdische Volk gewirkt haben muss.

Jesus war ein ungebildeter, junger Mann, der im armen und bescheidenen Heim eines Zimmermanns aufwuchs. Dieser unbekannte junge Mann trat plötzlich an die Öffentlichkeit und bezeichnete sich selbst als Herrn des Sabbat, während er allem Anschein nach den Sabbat entweihte, der von frommen Juden mit höchster Ehrfurcht beachtet wurde. (Mt 12,1-8) Jesus erwarb also den Ruf als einer, der das Gesetz — für das jüdische Volk die Basis des Heils — aufheben wollte. (Mt 5,17) Daher verfolgten die Führer der jüdischen Gemeinde Jesus. Er musste seine Nachfolger unter einfachen Fischerleuten suchen und ein Freund der Steuereintreiber, Prostituierten und Sünder werden, mit denen er aß und trank. (Mt 11,19) Noch schlimmer in den Augen der jüdischen Führer war dabei, dass Jesus versicherte, die Steuereintreiber und Prostituierten würden eher ins Himmelreich eingehen als sie. (Mt 21,31)

Einmal kam eine Prostituierte weinend zu Jesus, benetzte seine Füße mit ihren Tränen, trocknete sie mit ihrem Haar, küsste und salbte sie mit einer Flasche kostbaren Öls. (Lk 7,37-38) Von einer Prostituierten einen solchen Dienst anzunehmen, wäre wohl selbst in der modernen Gesellschaft kaum akzeptabel. In der jüdischen Gesellschaft mit ihrem strengen Moralkodex, wonach eine ehebrecherische Frau zu Tode gesteinigt wurde, war das sicherlich ein Skandal. Doch Jesus nahm die verschwenderische Zuwendung dieser Frau nicht nur an, er pries sie sogar und wies seine Jünger zurecht, als sie die Frau verjagen wollten. (Lk 7,44-50; Mt 26,7-13)

Darüber hinaus schien Jesus sich selbst auf eine Stufe mit Gott zu stellen (Joh 14,9), indem er behauptete, niemand könne in das Reich Gottes eingehen außer durch ihn (Joh 14,6). Er forderte, die Menschen sollten ihn mehr lieben als ihre eigenen Eltern, Brüder und Schwestern, Gatten oder Kinder. (Mt 10,37; Lk 14,26) Viele hielten Jesu Worte und Taten für Blasphemie. Es kann daher nicht überraschen, dass ihn die Führer der Juden tadelten, verfolgten und beschuldigten, von Beelzebul, dem Fürsten der Dämonen, besessen zu sein. (Mt 12,24) Daraus können wir schließen, dass Jesus weit davon entfernt war, in den Augen des jüdischen Volkes glaubwürdig zu erscheinen.

Wie wirkte Johannes der Täufer auf das jüdische Volk seiner Zeit?

Johannes entstammte einer prominenten Familie; er war der Sohn des Zacharias, eines Priesters. (Lk 1,13) Die Zeichen und Wunder um seine Empfängnis hatten im ganzen Bergland von Judäa für Aufsehen gesorgt. Eines Tages, als Zacharias im Tempel Rauchopfer darbrachte, erschien ihm ein Engel und verkündete ihm, seine alte, unfruchtbare Frau werde bald einen Sohn empfangen. Als er den Worten des Engels nicht glauben wollte, wurde er stumm und erst bei der Geburt des Kindes löste sich seine Zunge. (Lk 1,9-66) Johannes führte später ein vorbildliches und diszipliniertes Glaubensleben in der Einöde und nährte sich von wildem Honig und Heuschrecken. Aus diesen Gründen fragten sich viele Juden, ob er vielleicht der Christus sei, und eine Delegation aus Priestern und Leviten besuchte ihn, um ihn direkt danach zu fragen. (Lk 3,15; Joh 1,20) So groß war die Achtung des jüdische Volkes vor Johannes!

Wenn die Juden in den Tagen Jesu ihn und Johannes den Täufer miteinander verglichen, wer erschien ihnen unter den genannten Umständen als glaubwürdiger? Ohne Zweifel wirkten die Worte des Johannes glaubwürdiger. Daher schenkten die Juden natürlich Johannes dem Täufer und seiner Aussage, er sei nicht Elija, mehr Gehör als der Behauptung Jesu, Johannes sei Elija. Da die Menschen Johannes glaubten, betrachteten sie Jesu Worte als erfundene Behauptungen, die seinen zweifelhaften Messiasanspruch unterstützen sollten. Also glaubte man von Jesus, dass er ein Hochstapler sei.

Einmal zum Hochstapler erklärt, nahm der Unglaube des jüdischen Volkes gegenüber Jesus täglich zu. Von Tag zu Tag erweckten seine Worte und Taten mehr Unwillen. Da sie Johannes mehr glaubten als Jesus, konnten die Juden nur annehmen, Elija sei noch nicht gekommen. Sie konnten sich einfach nicht vorstellen, der Messias könnte bereits auf Erden sein.

Solange das jüdische Volk am Glauben an Maleachis Prophezeiung festhielt, mussten sie Jesus abweisen, der behauptete, der Messias zu sein. Denn aus jüdischer Sicht war Elija noch nicht gekommen. Andererseits hätte das jüdische Volk die Prophezeiung, der Messias werde erst nach Elija erscheinen, ignorieren müssen, wenn es an Jesus hätte glauben wollen. Da es für fromme Juden nicht in Frage kam, die Prophezeiungen der Schrift außer Acht zu lassen, mussten sie Jesus ablehnen.

2.3 Der Unglaube Johannes‘ des Täufers

Viele Führer des jüdischen Volkes und andere Menschen jener Zeit hatten größten Respekt vor Johannes. Manche hielten ihn gar für den Messias. (Lk 3,15; Joh 1,20) Hätte Johannes verkündet, dass er Elija sei, wie es Jesus gesagt hatte, hätten jene, die sehnsüchtig auf den Messias warteten, Johannes geglaubt und wären Jesus nachgefolgt. Stattdessen bestand Johannes in seiner Unwissenheit um Gottes Vorsehung darauf, nicht Elija zu sein. Dies wurde zum Hauptgrund für die Abkehr des jüdischen Volkes von Jesus.

Am Jordan hatte Johannes für Jesus Zeugnis abgelegt: Ich taufe euch nur mit Wasser der Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. (Mt 3,11) Auch ich kannte ihn nicht; aber Er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, Er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes. (Joh 1,33-34) Gott hatte Johannes direkt offenbart, dass Jesus der Messias ist, und Johannes legte von dieser Offenbarung Zeugnis ab. Darüber hinaus sagte er: „Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn.“ (Joh 1,23) Damit erklärte er, dass er der Vorläufer Christi sei. (Joh 3,28)

Johannes hätte also aus eigener Einsicht erkennen sollen, dass er der wiedergekehrte Elija war. Selbst wenn Johannes diese Tatsache nicht erkannte, hätte er das Zeugnis Jesu gehorsam annehmen und sich selbst als Elija verkünden sollen, denn Gott hatte ihm ja geoffenbart, dass Jesus der Messias war. (Joh 1,33-34) Doch Johannes verkannte Gottes Willen. Doch Johannes verkannte Gottes Willen. (Mt 11,19) Er verneinte Jesu Zeugnis im Hinblick auf seine eigene Rolle; (Joh 1,21) darüber hinaus trennte er sich von ihm und ging seinen eigenen Weg der Vorsehung. Wir können uns vorstellen, mit welchem Schmerz Jesus diese Entwicklung verfolgte. Mit welchem Kummer muss Gott Seinen Sohn in dieser schwierigen Situation beobachtet haben.

Eigentlich sollte die Mission des Johannes als Vorläufer beendet gewesen sein, als er Jesus taufte und für ihn Zeugnis ablegte. Welche Mission hätte er nun übernehmen sollen?

Zur Zeit von Johannes‘ Geburt hatte sein Vater Zacharias voll des Heiligen Geistes über die Mission seines Sohnes, nämlich dem Messias zu dienen, geweissagt: „dass wir … ihm furchtlos dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinem Angesicht all unsere Tage.“ (Lk 1,74-75) Im Licht dieser Aussage hätte Johannes, I nachdem er Zeugnis für Jesus abgelegt hatte, mehr als jeder andere für den Rest seines Lebens Jesus mit brennender Hingabe als Jünger dienen sollen. Doch Johannes verließ Jesus und setzte sein Wirken als Täufer getrennt von ihm fort. Es kann nicht verwundern, dass die Juden sich von der Situation verwirrt zeigten und sogar überlegten, ob Johannes der Messias sei. (Lk 3,15) Auch die Führer des Volkes waren verwirrt. (Joh 1,19-20) Einmal haben sich sogar ein Jude, der Jesus nachfolgte, und die Jünger des Johannes darüber gestritten, welcher ihrer beiden Lehrer mehr Menschen taufe. (Joh 3,25-26)

Auch aus der Feststellung des Johannes „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“ (Joh. 3,30) können wir erkennen, dass Johannes nicht daran dachte, mit Jesus ein und dasselbe Schicksal zu teilen. Hätten Johannes und Jesus ihren Weg Seite an Seite zurückgelegt und dasselbe Schicksal geteilt, wie hätte Johannes da kleiner werden können, während Jesu Einfluss zunahm? Johannes hätte in der Tat der eifrigste Jünger Jesu werden und seine Lehre voll Hingabe verbreiten sollen. Doch in seiner Verblendung verfehlte er seine Mission. Sein wertvolles Leben, das er für Jesus hätte führen sollen, wurde schließlich wegen einer vergleichsweise unwichtigen Affäre beendet. (Mk 6,14-29)

Solange Johannes sein Herz Gott zuwandte, erkannte er Jesus als Messias und legte für ihn Zeugnis ab. Als später das Offenbarungserlebnis vorbei war und er die Inspiration verlor, kamen wieder Zweifel auf und er verfiel in Unglauben. Unfähig, seine eigene Mission als wiedergekehrter Elija zu akzeptieren, begann Johannes, Jesus mit den gleichen Augen des Unglaubens zu sehen, wie es andere Juden taten, insbesondere nach seiner eigenen Gefangennahme. Jedes Wort und jede Tat Jesu schienen ihm fremdartig und verwirrend. An einem Punkt versuchte Johannes, die eigenen Zweifel zu zerstreuen, indem er seine Anhänger zu Jesus schickte und fragen ließ: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ (Mt 11,3) Als Jesus diese Frage des Johannes hörte, antwortete er unwillig, mit einem Unterton des Tadels: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt. (Mt 11,4-6)

Noch im Mutterleib war Johannes der Täufer für die Mission erwählt, Jesus nachzufolgen. (Lk 1,76) Er führte ein mühsames, asketisches Leben in der Wüste und rüstete sich für seinen Dienst, dem kommenden Messias den Weg zu bereiten. Als Jesus in die Öffentlichkeit trat, offenbarte Gott Johannes die Identität Jesu zuerst und inspirierte ihn, von Jesus als Sohn Gottes zu zeugen. Johannes konnte die Gnade, die ihm der Himmel zuteil werden ließ, nicht erkennen und würdigen. Als Jesus es mit der zweifelnden Anfrage des Johannes zu tun bekam, antwortete er nicht direkt, dass er der Messias sei, sondern in einer umschreibenden Art. Johannes muss sicherlich um Jesu Zeichen und Wunder gewusst haben. Weil Jesus hoffte, Johannes möge noch zu seiner wahren Identität erwachen, gab er ihm diese verschleierte Antwort, die Johannes auf seine Werke hinwies.

Wir sollten verstehen, dass Jesus seine tiefe Trauer über den Unglauben des Täufers und der jüdischen Führerschaft zum Ausdruck brachte, als er sagte: „Den Armen wird das Evangelium verkündet.“ Die vorbereiteten Menschen unter den Juden und insbesondere Johannes waren die reichen Leute, die mit Gottes Liebe gesegnet waren. Weil diese „Reichen“ jedoch allesamt Jesus zurückwiesen, musste er entlang der Küste Galiläas und im Lande Samaria umherziehen, um unter den „Armen“ Menschen zu finden, die dem Evangelium zuhören würden. Diese Armen waren ungebildete Fischerleute, Steuereintreiber und Prostituierte.

Die Nachfolger, mit denen Jesus sich lieber umgeben hätte, waren Menschen anderer Art. Da Jesus gekommen war, das Himmelreich auf Erden zu errichten, brauchte er dringender einen Menschen, der Tausende führen konnte, als Tausende, die einem Führer nachlaufen würden. Lehrte er nicht als Erstes die Priester und Schriftgelehrten im Tempel sein Evangelium? Dort hatte er vorbereitete und fähige Menschen gesucht.

Weil die zum Bankett geladenen Gäste nicht erschienen waren, musste er die Wege und Gassen absuchen und die Blinden und Lahmen, die Armen und Versehrten einladen, wie Jesus seine Situation im Gleichnis umschrieb. (Lk 14,16-24)

Angesichts der unerfreulichen Situation, die Reichtümer seines Festes den Außenseitern der Gesellschaft anbieten zu müssen, äußerte Jesus seine Trauer in diesen richtenden Worten: „Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt“. (Mt 11,6) Obwohl Johannes zu seiner Zeit sehr bewundert wurde, so dass er von den Juden als Prophet, als Elija, ja sogar als Messias angesehen wurde (Lk 3,15; Joh 1,20-21), brachte Jesus seine Verärgerung über ihn zum Ausdruck, indem er das Leben Johannes‘ indirekt mit den Worten richtete, gesegnet sei, wer keinen Anstoß an ihm nehme, ungeachtet seiner Größe.

Johannes nahm Anstoß und versagte damit in seiner Mission, Jesus sein ganzes Leben lang gläubig nachzufolgen.

Als die Jünger des Johannes ihre Fragen an Jesus gerichtet und sich zurückgezogen hatten, erklärte Jesus, dass Johannes, obwohl er der Größte der Propheten gewesen sei, die ihm von Gott anvertraute Mission nicht erfüllt hätte: Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er. (Mt 11,11) Jeder Mensch im Himmel wurde als Kind einer Frau geboren und führte ein Leben auf der Erde. Man sollte erwarten, dass Johannes als der Größte unter allen auf Erden Geborenen auch der Größte des Himmelreiches sein sollte. Warum war Johannes aber sogar kleiner als der Kleinste im Himmelreich?

Zahlreiche Propheten hatten in der Vergangenheit indirekt vom Messias Zeugnis abgelegt. Johannes hatte hingegen die Aufgabe, direkt vom Messias zu zeugen. Wenn das Bezeugen des Messias die vornehmste Mission der Propheten ist, war Johannes sicherlich der Größte der Propheten. Dennoch war er im Hinblick auf seine Messiasnachfolge der Geringste von allen. Jeder im Himmelreich, egal wie unbedeutend, kannte Jesus als den Messias und diente ihm hingebungsvoll. Doch Johannes der Täufer, zu einem engeren Dienst am Messias als jeder andere berufen (Lk 1,75), trennte sich von Jesus und ging seinen eigenen Weg. Bezogen auf seine Hingabe an Jesus war er daher kleiner als der Kleinste im Himmelreich.

Jesus fuhr fort: „Seit den Tagen Johannes‘ des Täufers bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan; die Gewalttätigen reißen es an sich.“ (Mt 11,12) Johannes der Täufer war vor seiner Geburt auserwählt worden und hatte ein asketisches Leben in der Wüste geführt. Wäre er Jesus aufrichtigen Herzens nachgefolgt, so wäre ihm sicherlich die Position des ersten Apostels zuerkannt worden. Doch weil er seine Mission im Dienst an Jesus nicht erfüllte, wurde Petrus, ein ungestümer Mann, zum führenden Jünger. Wir können aus dem Wort „seit den Tagen Johannes´ des Täufers bis heute“ schließen, dass Jesu weitere Worte (Mt 11,16-19) sich nicht auf alle Menschen, sondern vor allem auf Johannes bezogen.

Jesus schloss seine Erklärung über den Täufer mit dem Satz: „Und doch hat die Weisheit durch die Taten, die sie bewirkt hat, recht bekommen.“ (Mt 11,19) Hätte Johannes weise gehandelt, so hätte er Jesus nicht verlassen, und seine Taten wären für immer als richtig in Erinnerung geblieben. Leider verhielt er sich unklug. Er verstellte den Juden wie auch sich selbst den Weg zu Jesus.

Wir können also erkennen, dass Johannes‘ Handeln ein wesentlicher Grund dafür war, warum Jesus am Kreuz sterben musste.

2.4 Warum war Johannes der Täufer Elija?

Es wurde bereits erklärt, dass Johannes der Täufer die unvollendete Mission des Elija ererben und vollenden sollte. Wie die Bibel berichtet, war er von Geburt an dafür bestimmt und sollte „mit dem Geist und der Kraft des Elija dem Herrn vorangehen, um das Herz der Väter wieder den Kindern zuzuwenden und die Ungehorsamen zur Gerechtigkeit zu führen und so das Volk für den Herrn bereit zu machen.“ (Lk 1,17) Deshalb war Johannes im Hinblick auf seine Mission der wiedergekehrte Elija.

Des Weiteren, wie später noch genauer erklärt wird (vgl. Auferstehung 2.3.2), kam Elija tatsächlich geistig zurück und versuchte, Johannes in der Erfüllung der Mission beizustehen, die er selber während seines Erdenlebens nicht hatte erfüllen können. Johannes diente gleichzeitig Elija als Körper, durch den dieser wirkte, um seine Mission zu vollenden. Bezüglich ihrer gemeinsamen Mission kann Johannes der Täufer als die gleiche Person wie Elija betrachtet werden.

2.5 Unsere Einstellung der Bibel gegenüber

Wir haben gesehen, dass die Unwissenheit und der Unglaube von Johannes dem Täufer zum Unglauben des jüdischen Volkes Jesus gegenüber beitrug. Dieser Unglaube führte schließlich zur Kreuzigung Jesu. Bis heute konnte niemand dieses himmlische Geheimnis enthüllen, weil wir die Bibel in fraglosem Glauben gelesen haben und der Ansicht waren, dass Johannes ein großer Prophet sei.

Die neue Einsicht im Hinblick auf Johannes den Täufer lehrt, dass wir uns von der bisherigen Glaubenshaltung lösen müssen und keine Angst davor haben dürfen, traditionelle Lehren und konventionelle Glaubensformen zu hinterfragen. Wäre es nicht ein Irrtum, Johannes für einen Versager zu halten, wenn er in Wirklichkeit seine Mission erfolgreich abgeschlossen hätte? Genauso falsch ist es zu glauben, Johannes habe seine Mission erfüllt, wenn das in Wahrheit nicht so war.

Wir sollten uns beständig um den richtigen Glauben bemühen, indem wir im Geist und in der Wahrheit suchen. Unsere Erörterung von Johannes dem Täufer baut auf dem Studium der Bibel auf. Doch jene, die in der Lage sind, geistig zu kommunizieren, können die Lebensumstände Johannes‘ mit ihrem geistigen Auge sehen und bestätigen, dass diese Offenbarung über das Leben Johannes‘ vollkommen korrekt und wahr ist.