Studium und Praxis des Prinzips
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Abschnitt 6. Warum Gott nicht in den Fall der ersten menschlichen Vorfahren eingriff

Der allwissende und allmächtige Gott muss um die verfehlten Handlungen der ersten menschlichen Vorfahren gewusst haben, die zum Fall führten. Er konnte sie sicher daran hindern. Warum schritt Gott dann nicht ein, um den Fall zu verhindern? Dies ist eine der wichtigsten ungelösten Fragen der Geschichte. Wir können folgende drei Gründe erwägen, warum Gott nicht in den Fall eingriff.

6.1 Um die Absolutheit und Vollkommenheit des Prinzips der Schöpfung zu erhalten

Im Einklang mit dem Prinzip der Schöpfung schuf Gott den Menschen zu Seinem Bilde, ausgestattet mit dem Charakter und den Kräften eines Schöpfers. Er wollte ihn als Regenten über die Schöpfung einsetzen, so wie Er die Menschheit regiert. Damit der Mensch jedoch die Schöpfernatur Gottes erben kann, muss er seinen Teil der Verantwortung erfüllen und zur Vollkommenheit heranreifen. Wie bereits erklärt, ist die Periode seines Wachstums der Bereich der indirekten Herrschaft Gottes oder der Bereich der Herrschaft auf der Grundlage der durch das Prinzip erzielten Erfolge. Solange der Mensch sich noch in diesem Bereich aufhält, regiert Gott ihn nicht unmittelbar, weil Er ihm die Gelegenheit geben will, seinen eigenen Teil der Verantwortung zu erfüllen. Gott wird den Menschen erst dann direkt regieren, wenn dieser seine vollständige Reife erlangt hat.

Sollte Gott während der Wachstumsperiode in menschliche Handlungen eingreifen, käme das einer Missachtung des menschlichen Teils der Verantwortung gleich. In diesem Fall würde Gott Sein eigenes Prinzip der Schöpfung verletzen, wonach Er den Menschen Seine Schöpfernatur verleihen und sie zu Herrschern über die Schöpfung erheben wollte. Verletzte Er Sein eigenes Prinzip, so müsste man auch Seine Absolutheit und Vollkommenheit in Frage stellen. Weil Gott der absolute und vollkommene Schöpfer ist, muss Sein Prinzip der Schöpfung auch absolut und vollkommen sein. Es kann also zusammenfassend gesagt werden, dass Gott nicht gegen die Handlungen einschritt, die den Menschen zu Fall brachten, um die Absolutheit und Vollkommenheit Seines Prinzips der Schöpfung aufrechtzuerhalten.

6.2 Damit Gott allein der Schöpfer bleibt

Gott regiert nur über eine von Ihm geschaffene prinzipgemäße Welt und erkennt nur Handlungen innerhalb des Prinzips an. Gott regiert niemals eine von Ihm nicht erschaffene prinzipwidrige Welt wie etwa die Hölle. Er greift auch nicht in eine prinzipwidrige Handlung, zum Beispiel ein Verbrechen, ein. Würde Gott in den Verlauf solcher Handlungen eingreifen, käme diesen notwendigerweise der Wert einer Schöpfung Gottes zu und sie müssten als prinzipgemäß anerkannt werden.

Hätte Gott also in den Fall der ersten menschlichen Vorfahren eingegriffen, hätte Er jenen Handlungen den Wert Seiner eigenen Schöpfung verliehen und sie als prinzipgerecht anerkannt. Würde Gott das tun, so würde Er im Endeffekt ein neues Prinzip schaffen, das diese kriminellen Handlungen als rechtmäßig anerkennt. Weil aber Satan der Urheber dieser neuen Situation ist, wäre er es letztlich, der ein anderes, neues Prinzip geschaffen hätte. Er hätte damit den Rang eines Schöpfers des Falls und all seiner Konsequenzen. Damit Gott der alleinige Schöpfer bleibt, hat Er nicht in den Fall eingegriffen.

6.3 Um den Menschen zum Herrn der Schöpfung zu machen

Gott schuf den Menschen und segnete ihn mit der Herrschaft über jedes Ding in der Schöpfung. (Gen 1,28) Der Mensch kann nicht Herrscher über andere Kreaturen sein, wenn er auf gleicher Ebene mit ihnen steht. Er muss erst gewisse Qualifikationen erwerben, bevor er sein gottgegebenes Mandat der Herrschaft erfüllen kann.

Gott ist zur Herrschaft über den Menschen qualifiziert, weil Er dessen Schöpfer ist. Damit der Mensch seinerseits die Qualifikation erhält, alle Dinge zu regieren, muss auch er über Charakter und Kräfte eines Schöpfers verfügen. Um ihm das zu ermöglichen und ihn als würdigen Herrscher über alle Dinge einzusetzen, lässt Gott den Menschen an seiner eigenen Vervollkommung teilhaben, indem Er ihm einen eigenen Teil der Verantwortung überlässt. Nur indem er sich in Übereinstimmung mit dem Prinzip vervollkommnet, kann der Mensch die Qualifikation zur Herrschaft über die Schöpfung erwerben.

Wollte Gott das Leben des Menschen, der sich noch in einem Zustand der Unreife befindet, direkt regieren und kontrollieren, würde Er ihm damit die Autorität eines Herrschers verleihen, obwohl er zur Herrschaft unqualifiziert ist. Das würde bedeuten, jemandem diese Autorität anzuvertrauen, der seine Verantwortung noch nicht erfüllt und Gottes Schöpfertum noch nicht verdient hat. Das wäre im Widerspruch zu Gottes Prinzip, weil Er eine unreife Person behandeln würde, als sei sie reif. Gott, der Urheber des Prinzips, würde dann Sein eigenes Schöpfungsprinzip missachten, das Er eingeführt hat, damit der Mensch die Schöpfernatur erben und die Schöpfung regieren kann. Während Gott erschüttert den tragischen Fall von Adam und Eva mit ansah, griff Er dennoch nicht ein, weil Er sie als Herrscher der Schöpfung segnen wollte.