Studium und Praxis des Prinzips
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Abschnitt 5. Freiheit und der Fall des Menschen

5.1 Die Bedeutung der Freiheit aus der Perspektive des Prinzips

Was bedeutet wahre Freiheit? Im Lichte des Prinzips erkennen wir drei wesentliche Merkmale der Freiheit. Erstens: Außerhalb des Prinzips gibt es keine Freiheit. Zur Freiheit gehören sowohl freier Wille als auch freie Handlungen, die diesen Willen umsetzen. Beide stehen zueinander in einer Beziehung von innerem Wesen und äußerer Gestalt. Vollendete Freiheit ist dann erreicht, wenn beide in Harmonie sind. Daher ist eine freie Handlung ohne freien Willen undenkbar, und freier Wille kann ohne freie Handlungen nicht als vollständig gelten. Freie Handlungen entstehen aus freiem Willen und der freie Wille ist ein Ausdruck des Gemüts. Da nun das Gemüt eines ursprünglichen, sündenfreien Individuums sich niemals außerhalb des Wortes Gottes — also des Prinzips — bewegt, wird es nie einen freien Willen ausdrücken oder freie Handlungen ausführen, die außerhalb des Prinzips stehen. Deshalb wird die Freiheit eines wahren Menschen sich nie außerhalb des Prinzips bewegen.

Zweitens gibt es keine Freiheit ohne Verantwortung. Da die Menschen in Übereinstimmung mit dem Prinzip geschaffen wurden, können sie Vollkommenheit nur erlangen, wenn sie in Übereinstimmung mit ihrem freien Willen ihre Verantwortung erfüllen. (vgl. Schöpfung 5.2.2) Im Bemühen, aus freiem Willen den Schöpfungszweck zu erfüllen, wird ein Mensch unablässig danach streben, den eigenen Teil der Verantwortung zu erfüllen.

Drittens gibt es keine Freiheit ohne konkrete Resultate. Wo Menschen ihre Freiheit ausüben und ihre Verantwortung erfüllen, streben sie danach, Resultate zu erbringen, die den Zweck der Schöpfung erfüllen und Gott Freude schenken. Freier Wille wird unablässig danach streben, durch freie Handlungen konkrete Resultate hervorzubringen.

5.2 Freiheit und der Fall des Menschen

Fassen wir zusammen: Freiheit kann außerhalb des Prinzips nicht bestehen. Freiheit existiert nur in Verbindung mit der im Prinzip angelegten Verantwortung. Freiheit strebt nach Resultaten, die Gott Freude bringen. Aus freiem Willen unternommene freie Handlungen werden nur gute Resultate erzeugen. Es kann daher nicht sein, dass Freiheit den menschlichen Fall verursachte. Es steht geschrieben: „Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit.“ (2 Kor 3,17) Diese Freiheit ist die Freiheit des Ursprünglichen Gemüts.

Solange Adam und Eva durch Gottes Warnung dazu angehalten waren, nicht von der Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen, hätten sie dieses Gebot aus freiem Willen und ohne Gottes Eingreifen einhalten sollen. Gewiss drängte sie die Freiheit ihres Ursprünglichen Gemüts, das sich entsprechend seiner Anlage um Verantwortlichkeit bemüht und nach dem Guten strebt, das Gebot zu befolgen. Als Eva im Begriff stand, vom Prinzip abzuweichen, erzeugte die Freiheit ihres Ursprünglichen Gemüts in ihr Ängste und Vorahnungen im Bemühen, sie vor dem Fehltritt zu bewahren. Seit dem Fall hat diese Freiheit des Ursprünglichen Gemüts gewirkt, um die Menschen zu Gott zurückzubringen. Weil Freiheit so arbeitet, hätte sie nie die Ursache für den Fall des Menschen sein können. Vielmehr wurde der Fall durch die stärkere Macht der prinzipwidrigen Liebe verursacht, die die Freiheit des Ursprünglichen Gemüts überwältigte.

In Wahrheit verloren die Menschen ihre Freiheit als ein Resultat des Falls. Doch selbst gefallene Menschen besitzen in sich einen intakten Samen ihres freiheitsliebenden Ursprünglichen Gemüts und das ermöglicht es Gott, Seine Vorsehung der Wiederherstellung dieses Gemüts durchzuführen. Im Verlauf der Geschichte haben Menschen immer eifriger nach Freiheit gestrebt, selbst wenn es ihr Leben kosten sollte. Dies ist ein Beweis, dass wir uns im Prozess der Wiederherstellung unserer lang an Satan verlorenen Freiheit befinden. Der Sinn unseres Freiheitsstrebens liegt darin, dass wir mit ihm unsere gottgegebene Verantwortung erfüllen können, die für die Verwirklichung unseres Schöpfungszwecks wesentlich ist.

5.3 Freiheit, Fall und Wiederherstellung

Menschen konnten mit Engeln, die als ihre Diener erschaffen wurden, in eine freie Beziehung treten. Weil jedoch Evas Herz und Verstand noch unreif waren, als der Engel sie versuchte, wurde sie in emotionale und intellektuelle Verwirrung gestürzt. Obwohl die Freiheit ihres Ursprünglichen Gemüts in ihr warnende Vorahnungen auslöste, überschritt sie die Grenze und fiel aufgrund der größeren Kraft, die durch die Liebesbeziehung zwischen ihr und dem Engel entstand.

Wie frei sich auch immer der Umgang Evas mit dem Engel gestaltete; hätte sie sich mit unerschütterlichem Glauben an Gottes Gebot gehalten und wäre sie auf die Einflüsterungen des Engels nicht eingegangen, hätte die Kraft prinzipwidriger Liebe nicht entstehen können und sie wäre nicht gefallen. Wir stellen fest, dass es nicht die Freiheit war, die Eva jenseits des Punktes einer möglichen Umkehr brachte. Die Freiheit ermöglichte es ihr, mit dem Engel in Verbindung zu treten. Was sie aber zu Fall brachte, war nicht die Freiheit, sondern die Kraft prinzipwidriger Liebe.

Da Eva geschaffen war, frei mit Engeln in Beziehung zu treten, verkehrte sie auf ganz natürliche Weise mit Luzifer. Doch als Eva und Luzifer eine gemeinsame Grundlage legten und das Geben und Empfangen intensivierten, verursachte die dadurch erzeugte Kraft prinzipwidriger Liebe ihren Fall. Umgekehrt gilt, dass gefallene Menschen, die auch in Freiheit mit Gott in Verbindung treten können, durch den Glauben an Seine Worte der Wahrheit eine gemeinsame Grundlage errichten und in ein Geben und Empfangen treten können, das die Kraft prinzipgemäßer Liebe erzeugt und ihr Ursprüngliches Gemüt wiederbeleben kann. In der Tat sehnt sich die Freiheit des Ursprünglichen Gemüts danach, die ursprüngliche Natur gänzlich wiederherzustellen. Daher haben Menschen jeder Epoche verzweifelt um ihre Freiheit gerungen.

Durch den Fall verloren die Menschen ihr Wissen um Gott und Sein Herz. Diese Unkenntnis lähmte die Fähigkeit des menschlichen Willens, gottgefällige Ziele anzustreben. In dem Maße, wie Gott den gefallenen Menschen in Übereinstimmung mit der Gnade des jeweiligen Zeitalters der Vorsehung „Geist und Wahrheit“ (Joh 4,24) (d. h. inneres und äußeres Wissen) offenbarte, wurde ihr Herz, das nach der Freiheit des Ursprünglichen Gemüts verlangt, Schritt für Schritt wieder erweckt. Gleichzeitig wurde auch ihr Herz für Gott wiederhergestellt und ihre Sehnsucht nach einem gottgefälligen Leben gestärkt.

Je intensiver der Mensch nach Freiheit strebt, desto mehr wird er ein gesellschaftliches Umfeld verlangen, das der Verwirklichung der Freiheit dienlich ist. Wo die sozialen Bedingungen einer Epoche den Anforderungen freiheitsliebender Menschen nicht genügen, entstehen unweigerlich Revolutionen. Die Französische Revolution des 18. Jahrhunderts ist ein Beispiel dafür. Revolutionen wird es so lange geben, bis die ursprüngliche Freiheit in ihrer Gesamtheit wiederhergestellt ist.