Studium und Praxis des Prinzips
Meine Lesezeichen
    Sie haben noch keine Lesezeichen.

Abschnitt 1. Die Wurzel der Sünde

Niemand konnte die Wurzel aller Sünde benennen, die in unseren Tiefen wirkt und Menschen ohne Unterlass auf den Weg des Bösen drängt. Aufgrund der biblischen Geschichte haben Christen den vagen Glauben, die Wurzel der Sünde sei Adams und Evas Essen der Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse. Einige Christen glauben, es handelt sich bei dieser Frucht vom Baum der Erkenntnis um die wirkliche Frucht eines realen Baumes, während andere glauben, die Frucht ist ein Symbol, weil ja weite Teile der Bibel in symbolischer Sprache verfasst sind. Wir wollen uns nun dem biblischen Bericht über den Fall des Menschen und seinen unterschiedlichen Interpretationen zuwenden, um eine umfassende Erklärung zu finden.

1.1 Der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse

Adam und Eva fielen, als sie von der Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse aßen. Bis auf den heutigen Tag stellen sich viele Christen dabei die Frucht eines realen Baumes vor. Doch würde Gott, der ja liebevolle Eltern der Menschen ist, eine Frucht schaffen, die den Fall so überaus reizvoll erscheinen ließe? (Gen 3,6) Würde Er diese Frucht genau dort platzieren, wo Seine Kinder so leicht an sie herankommen könnten?

Außerdem sagte Jesus: „Nicht das, was durch den Mund in den Menschen hineinkommt, macht ihn unrein, sondern was aus dem Mund des Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.“ (Mt 15,11) Wie kann also eine Speise, die man zu sich nimmt, den Fall verursachen? Die Menschheit leidet unter der Ursprünglichen Sünde, die von den ersten Vorfahren weitervererbt wurde. Wie aber kann etwas, das gegessen wird, eine Sünde verursachen, die auf alle Nachkommen übertragen wurde?

Vererbung kann nur über die Ahnenreihe stattfinden. Die zeitlich begrenzte krankmachende Auswirkung einer Speise kann nicht über die lange Folge einer Nachkommenreihe weitergereicht werden. Auch vertreten manche die Ansicht, Gott habe die Frucht des Baumes geschaffen und Adam und Eva das Gebot gegeben, nicht davon zu essen, um ihren Gehorsam zu prüfen. Wir sollten uns allerdings fragen, ob der Gott der Liebe die Menschen so gnadenlos prüfen würde, dass sie im Falle eines Versagens den Tod finden würden.

Adam und Eva wussten, dass sie in dem Moment, wenn sie von der Frucht essen, sterben würden, denn Gott hatte sie dahin gehend gewarnt. Und dennoch aßen sie. Adam und Eva litten keinen Mangel an Nahrung. Sie hätten nicht ihr Leben riskiert und Gott missachtet nur irgendeiner Delikatesse wegen. Daher dürfen wir annehmen, dass die Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse keine gewöhnliche Frucht war. Es muss vielmehr etwas so außerordentlich Verlockendes gewesen sein, dass selbst die Furcht vor dem Tod sie nicht abschrecken konnte. Wenn also die Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse keine materielle Frucht war, muss sie als Symbol für etwas anderes stehen. Warum sollten wir darauf beharren, diese Frucht wörtlich zu verstehen, wenn die Bibel in so zahlreichen Aussagen Metaphern und Symbole benutzt? Es wäre besser, wenn wir uns von einer derart einengenden und veralteten Glaubensvorstellung trennen könnten.

Um zu ergründen, wofür der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse steht, werden wir zunächst den Baum des Lebens untersuchen, von dem die Bibel schreibt, er habe im Garten Eden direkt neben dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gestanden. (Gen 2,9) Wenn wir die Bedeutung des Baumes des Lebens erkennen, können wir uns auch die Bedeutung des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse erschließen.

1.1.1 Der Baum des Lebens

In den Worten der Bibel ist es die Hoffnung der gefallenen Menschen, sich dem Baum des Lebens zu nähern oder ihn zu erreichen. „Hingehaltene Hoffnung macht das Herz krank, erfülltes Verlangen ist ein Lebensbaum.“ (Spr 13,12) Demzufolge sahen die Israeliten des Alten-Testament-Zeitalters den Baum des Lebens als die Erfüllung ihrer Hoffnung. Gleichermaßen liegt die Hoffnung aller Christen von den Tagen Jesu bis heute in der Verheißung: „Selig, wer sein Gewand wäscht: Er hat Anteil am Baum des Lebens, und er wird durch die Tore in die Stadt eintreten können.“ (Offb 22,14) Da die letztendliche Hoffnung der Menschheit der Baum des Lebens ist, können wir annehmen, dass auch Adams Hoffnung der Baum des Lebens gewesen ist.

Es steht geschrieben, dass Gott Adam nach dessen Fall den Weg zum Baum des Lebens verwehrte und die Kerubim mit Flammenschwert als Wächter davor stellte. (Gen 3,24) Hieraus können wir schließen, dass der Baum des Lebens vor dem Fall den Inbegriff von Adams Hoffnung darstellte. Adam wurde aus dem Garten Eden vertrieben, ohne seine Hoffnung, zum Baum des Lebens zu gelangen, erfüllt zu haben. Seit jenen Tagen blieb der Baum des Lebens für die gefallenen Menschen eine unerfüllte Hoffnung.

Worauf hoffte Adam nun konkret in der Phase, als er noch unreif war und der Vollkommenheit entgegenwuchs? Seine Hoffnung war, ein Mann zu werden, der Gottes Ideal der Schöpfung verwirklicht, indem er, ohne zu fallen, Vollkommenheit erlangte. Der Baum des Lebens symbolisiert in der Tat einen Mann, der das Ideal der Schöpfung voll und ganz verwirklicht hat. Der vollkommene Adam sollte dieser Mann sein. Der Baum des Lebens steht also als Symbol für den vollkommenen Adam.

Wäre Adam nicht gefallen und hätte stattdessen den Baum des Lebens verwirklicht, dann hätten auch alle seine Nachkommen den Weg zum Baum des Lebens finden können. Sie hätten das Reich Gottes auf Erden errichtet. Doch Adam fiel und Gott stellte zwischen ihn und den Baum des Lebens die Kerubim mit dem Flammenschwert. Seit jenem Tag ist der Baum des Lebens, trotz größter Bemühungen gefallener Menschen um die Wiederherstellung des Ideals, ein unerreichbarer Traum gewesen. Mit der Last der Ursprünglichen Sünde beladen, können gefallene Menschen nicht allein und aus eigener Kraft das Schöpfungsideal erfüllen und zu Bäumen des Lebens werden. Damit dieses Ideal verwirklicht werden kann, muss ein Mann, der das Schöpfungsideal erfüllt hat, als Baum des Lebens auf Erden erscheinen. Die gesamte Menschheit muss dann mit diesem Ölbaum verbunden (Röm 11,17 Wie die Bibel das Verhältnis zwischen Jesus und seinen Jüngern mit dem Weinstock und den Reben vergleicht (Joh 15,4) und Jesus als Baum des Lebens darstellt, meint die übertragene Bedeutung des Ölbaums in Röm 11,17 auch Jesus. (A.d.R.).) und mit ihm eins werden. Jesus war der Mann, der als dieser Baum des Lebens kam. Der Baum des Lebens, das Ziel der Sehnsüchte der Menschen im Alten-Testament-Zeitalter (Spr 13,12), war kein anderer als Jesus.

Seitdem Gott Adams Weg zum Baum des Lebens durch die Wächter mit dem Flammenschwert blockiert hat, konnte niemand den Baum ohne vorherige Öffnung des Weges erreichen. Am Pfingsttag stiegen feurige Zungen auf die Heiligen herab, und sie wurden erfüllt mit dem Heiligen Geist. (Apg 2,3-4) Dieses Ereignis beschreibt die Öffnung des Weges und das Beiseiteschieben des Flammenschwertes, was als Erscheinen der Feuerzungen erlebt wurde, die dem Kommen des Heiligen Geistes vorausgingen. Das öffnete der ganzen Menschheit den Weg, sich Jesus, dem Baum des Lebens, nähern zu können und mit ihm verbunden zu werden.

Dennoch wurden die Christen nur im Geiste mit Jesus verbunden. Die Kinder aller christlichen Eltern, wie hingebungsvoll sie auch an Jesus glauben mögen, werden mit der Ursprünglichen Sünde geboren, von der sie erlöst werden müssen. Selbst die glaubensstärksten Heiligen waren nicht frei von der Ursprünglichen Sünde und konnten daher nicht verhindern, dass sie diese Sünde an ihre Kinder weitergaben. (vgl. Messias 1)

Aus diesem Grund muss Christus erneut auf Erden als Baum des Lebens in Erscheinung treten. Indem er noch einmal alle Menschen mit sich selbst verbindet, muss er ihre Ursprüngliche Sünde wegnehmen. Daher erwarten Christen voller Ungeduld den Baum des Lebens, der im Buch der Offenbarung Christus bei seiner Wiederkunft symbolisiert. (Offb 22,14)

Das Ziel von Gottes Vorsehung der Erlösung ist es, den Fehler, der dazu führte, dass der Baum des Lebens im Garten Eden nicht erreicht werden konnte, wieder gutzumachen, indem der im Buch der Offenbarung erwähnte Baum des Lebens verwirklicht wird. Wegen seines Falls konnte Adam das Ideal des ersten Baumes des Lebens nicht erreichen. (Gen 2,9) Damit die Erlösung der gefallenen Menschheit vollendet werden kann, muss Jesus, der „Letzte Adam“ (1 Kor 15,45), in den Letzten Tagen als Baum des Lebens wiederkommen.

1.1.2 Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse

Gott erschuf Adam nicht für sich allein. Er erschuf Eva, damit sie Adams Frau werde. So wie ein Baum im Garten Eden den vollkommenen Mann symbolisierte, sollte auch ein Baum die Frau repräsentieren, die das Ideal der Schöpfung voll verwirklicht hat. Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, der neben dem Baum des Lebens stand (Gen 2,9), symbolisierte Eva,a,a die als Frau vollkommen werden und den Zweck des Guten verwirklichen sollte.

Die Bibel verwendet das Bild vom Weinstock (Joh 15,5) und dem Spross (Jes 11,1; Jer 23,5) in Bezug auf Jesus. In ähnlicher Form gibt uns Gott durch die symbolische Darstellung zweier Bäume als Repräsentanten des vollkommenen Adam und der vollkommenen Eva einen Hinweis auf das Geheimnis des Falls des Menschen.

1.2 Die Identität der Schlange

Wir lesen in der Bibel, dass eine Schlange Eva zur Sünde verführt hat. (Gen 3,4f) Was symbolisiert diese Schlange? Wir wollen die wahre Identität der Schlange anhand des Berichts im Buch Genesis untersuchen.

Die Schlange in der Bibel konnte mit Menschen kommunizieren. Sie war Urheber des Falls der Menschen, die geistige Wesen sind. Auch kannte die Schlange den Willen Gottes, der es den Menschen verbot, die Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen. Das alles sind überzeugende Belege dafür, dass das als Schlange symbolisierte Wesen ein geistiges Wesen ist.

Wir lesen in der Schrift: Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt. (Offb 12,9) Diese alte Schlange ist jene Schlange, die Eva im Garten Eden versuchte. Da dieser Teufel oder Satan im Himmel lebte, bevor er auf die Erde gestürzt wurde, muss er ein geistiges Wesen sein. Tatsache ist, dass Satan seit den Tagen des Falls die Herzen der Menschen immer wieder zum Bösen getrieben hat. Da Satan ein geistiges Wesen ist, muss die Schlange, die ihn symbolisiert, auch ein geistiges Wesen sein. Die Spuren biblischer Aussagen belegen, dass die Schlange, die Eva versuchte, kein Tier, sondern ein Symbol für ein geistiges Wesen war.

Es erhebt sich die Frage, ob jenes durch die Schlange symbolisierte geistige Wesen bereits vor der Schöpfung des Universums existierte oder ob es als Teil des Universums erschaffen worden war. Wenn dieses Wesen vor Beginn der Schöpfung existiert und einen Zweck verfolgt hätte, der Gottes Zweck entgegengesetzt ist, wäre der Konflikt zwischen Gut und Böse im Universum unvermeidlich und von Dauer. Gottes Vorsehung der Wiederherstellung wäre in diesem Fall ein vergebliches Unterfangen. Auch der Monotheismus, der ja von einem Gott als Schöpfer des ganzen Universums ausgeht, wäre falsch. Wir können also nur zu dem Schluss kommen, dass das als Schlange dargestellte Wesen ursprünglich mit einem Zweck des Guten geschaffen worden war, später jedoch fiel und zu Satan wurde.

Welches geistige Wesen im Kreis der Geschöpfe Gottes hätte mit Menschen kommunizieren, den Willen Gottes verstehen und im Himmel residieren können? Was für ein Wesen könnte, selbst nachdem es gefallen und in einen Zustand des Bösen herabgestürzt war, Zeit und Raum übersteigen und die Seelen der Menschen unterjochen? Es gibt nur eine Gruppe von Wesen mit solchen Eigenschaften: die Engel. Der Bibelvers „Gott hat auch die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont, sondern sie in die finsteren Höhlen der Unterwelt verstoßen“ (2 Petr 2,4) gibt der These weiteres Gewicht, dass es sich bei der Schlange, die die Menschen verführte und sündigte, um einen Engel handelte.

Eine Schlange hat eine gespaltene Zunge. Die gespaltene Zunge symbolisiert jemanden, der widersprüchliche Dinge mit einer Zunge spricht und ein doppelgesichtiges Leben führt, obwohl er nur eine Person ist. Eine Schlange umschlingt ihr Opfer, bevor sie es frisst. Damit ist das Bild der Schlange eine Metapher für jemanden, der andere umschlingt, um einen Gewinn für sich selbst zu erreichen. Aus diesen Gründen vergleicht die Bibel den Engel, der die Menschen verführte, mit einer Schlange.

1.3 Der Fall des Engels und der Fall der Menschen

Es ist jetzt offensichtlich, dass die Schlange, die die Menschen zu Fall brachte, ein Engel war. Dieser Engel wurde, als er sündigte und fiel, zu Satan. Untersuchen wir nun, was für eine Sünde der Engel und die Menschen begingen.

1.3.1 Die Sünde des Engels

Die Engel, die ihren hohen Rang missachtet und ihren Wohnsitz verlassen haben, hat Er mit ewigen Fesseln in die Finsternis eingeschlossen, um sie am großen Tag zu richten. Auch Sodom und Gomorrha und ihre Nachbarstädte sind ein Beispiel: In ähnlicher Weise wie jene trieben sie Unzucht und wollten mit Wesen anderer Art verkehren; daher werden sie mit ewigem Feuer bestraft. (Judas, 6-7) Aus diesem Abschnitt können wir schließen, dass der Engel infolge einer prinzipwidrigen sexuellen Beziehung fiel.

Das Vergehen der Unzucht kann nicht von einem Einzelnen begangen werden. Mit wem verband sich der Engel in der prinzipwidrigen sexuellen Beziehung im Garten Eden? Um dieses Geheimnis zu enthüllen, wollen wir die Sünde der Menschen untersuchen.

1.3.2 Die Sünde der Menschen

Wir lesen, Adam und Eva seien vor dem Fall beide nackt gewesen und hätten sich nicht geschämt. (Gen 2,25) Nach dem Fall empfanden sie jedoch Scham über ihre Nacktheit und machten sich aus Feigenblättern einen Schurz (Gen 3,7) , um ihre Sexualorgane zu bedecken. Hätten sie ein Verbrechen begangen, indem sie eine reale Frucht von einem Baum mit Namen Baum der Erkenntnis von Gut und Böse aßen, so hätten sie stattdessen mit Sicherheit ihre beiden Hände oder ihren Mund bedeckt. Es liegt in der Natur des Menschen, eigene Fehler verbergen zu wollen. Darum zeigt uns das Verdecken der Sexualorgane, dass sie sich wegen dieser Körperregion, und nicht wegen ihres Mundes, schämten.

Ijob erklärt: „Wenn ich nach Menschenart meine Frevel verhehlte, meine Schuld verbarg in meiner Brust.“ (Ijob 31,33) Adam verbarg nach dem Fall seine Sexualorgane. Das weist darauf hin, dass dort sein Makel begründet war. Die Sexualorgane Adams und Evas waren die Quelle ihrer Scham, weil sie Instrumente ihrer sündhaften Handlung waren.

Wofür würde ein Mensch in der Welt vor dem Fall sogar sein Leben riskieren? Er würde es nur um der Liebe willen tun. Gottes Schöpfungszweck wird in dem Segen beschrieben: „Seid fruchtbar und vermehrt euch“ (Gen 1,28) , und kann daher nur durch die Liebe verwirklicht werden. In der Ordnung des göttlichen Schöpfungsplans sollte der Liebesakt die edelste und heiligste Handlung sein. Da jedoch der Sexualakt zur Ursache des Falls wurde, betrachten Menschen ihn oft als beschämend oder sogar verabscheuungswürdig. Wir kommen zu dem Schluss, dass die Menschen durch einen prinzipwidrigen Akt sexueller Vereinigung fielen.

1.3.3 Die prinzipwidrige sexuelle Vereinigung zwischen Engel und Mensch

Bisher haben wir erläutert, dass ein Engel die Menschen zum Fall verführte und dass sowohl der Engel als auch die Menschen durch prinzipwidrige sexuelle Liebe fielen. Menschen und Engel sind die einzigen geistigen Wesen im Universum, die zu Liebesbeziehungen fähig sind. Wir können daher folgern, dass die Menschen und der Engel in die unerlaubte sexuelle Beziehung verwickelt gewesen sein müssen. Jesus sagte: „Ihr habt den Teufel zum Vater, und ihr wollt das tun, wonach es euren Vater verlangt.“ (Joh 8,44) Da der Teufel als Satan (Offb 12,9) identifiziert wurde, können wir erkennen, dass Menschen die Abkömmlinge Satans sind, der „alten Schlange“, die die Menschen versuchte.

Welche Umstände sind dafür verantwortlich, dass die Menschheit zu Nachfahren des gefallenen Engels Satan wurde? Wir wissen um die prinzipwidrige sexuelle Beziehung zwischen dem Engel und den ersten Vorfahren. Als Frucht dieser Beziehung entstammt die ganze Menschheit der Abstammungslinie Satans. Als Paulus schrieb: „Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden“ (Röm 8,23), gestand er ein, dass wir gefallene Menschen nicht der Linie Gottes, sondern der Linie Satans entstammen. Johannes der Täufer schalt die Menschen und nannte sie „Schlangenbrut“ (Mt 3,7), also Abkömmlinge Satans. Jesus fragte die Pharisäer: „Ihr Nattern, ihr Schlangenbrut! Wie wollt ihr dem Strafgericht der Hölle entrinnen?“ (Mt 23,33) Diese Verse belegen, dass wir Abkömmlinge einer prinzipwiderigen sexuellen Beziehung sind, in die der Engel und unsere ersten Vorfahren verwickelt waren. Das ist der eigentliche Kernpunkt des menschlichen Falls.

1.4 Die Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse

Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse wurde bereits als ein Symbol für Eva erklärt. Was repräsentiert die Frucht dieses Baumes? Sie stellt Evas Liebe dar. Wie ein Baum sich durch seine Früchte vermehrt, hätte Eva in göttlicher Liebe Kinder des Guten hervorbringen sollen. Stattdessen gebar sie durch ihre satanische Liebe Kinder des Bösen. Nach ihrer Erschaffung befand sich Eva im Zustand der Unreife. Ihre vollständige Reife hätte sie erst nach dem Durchlaufen einer Wachstumsperiode erreicht. So war es ihr möglich, durch ihre Liebe entweder Früchte des Guten oder des Bösen hervorzubringen. Evas Liebe wird daher durch die Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse symbolisiert, und Eva durch den Baum selbst.

Was ist nun unter dem Essen der Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse zu verstehen? Was wir essen, machen wir zu einem Teil von uns selbst. Eva hätte die Frucht des Guten verzehren sollen, indem sie ihre gottzentrierte Liebe lebte. Dann hätte sie die Essenz der Göttlichkeit des Schöpfers empfangen und eine gute Menschheit hervorgebracht. Sie aß jedoch von der Frucht des Bösen, indem sie eine auf Satan fixierte, prinzipwidrige Liebe praktizierte. So empfing sie die Essenz seiner bösen Natur und brachte eine böse Nachkommenschaft hervor, aus der sich unsere sündige Gesellschaft entwickelte. Dementsprechend beschreibt Evas Essen von der Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse, dass sie eine satanische Liebesbeziehung mit dem Engel einging und so mit ihm blutsverwandt wurde.

Gott verfluchte den gefallenen Engel mit den Worten: „Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens.“ (Gen 3,14) „Auf dem Bauch sollst du kriechen“ bedeutet, dass der Engel zu einem elenden Wesen verkommen würde, unfähig zur Ausübung seiner normalen Funktionen oder seiner ursprünglichen Dienste. Unter „Staub fressen“ ist zu verstehen, dass der aus dem Himmel gestürzte Engel (Jes 14,12; Off 12,9) von jenem Moment an von allen Lebenselementen Gottes abgeschnitten war. Stattdessen musste er seither seine Existenz mit bösen Elementen fristen, die er der sündigen Welt entnahm.

1.5 Die Wurzel der Sünde

Aus der obigen Erläuterung zur Bibel ist klar hervorgegangen, dass die Wurzel der Sünde nicht im Essen einer Frucht bestand, sondern dass die ersten Vorfahren eine prinzipwidrige Sexualbeziehung mit einem Engel (dargestellt durch das Symbol der Schlange) vollzogen haben. In der Konsequenz konnten sie nicht Gottes Abstammungslinie des Guten fortsetzen, sondern vermehrten Satans Linie des Bösen.

Es gibt mannigfache Belege, die uns erkennen helfen, dass die Wurzel menschlicher Sünde in sexueller Unmoral gründet. Wir wissen, dass die Ursprüngliche Sünde unmittelbar von einer Generation zur nächsten weitergereicht wird. Das liegt daran, dass die Wurzel der Sünde in einer sexuellen Beziehung und in der daraus resultierenden Blutsverwandtschaft verankert ist. Alle Religionen, die eine Erlösung von der Sünde lehren, beschreiben Unzucht als Kardinalsünde. Durch ihre Lehren von den Tugenden der Keuschheit und Selbstkontrolle bemühen sie sich um die Eindämmung dieser Sünde. Dies ist ein weiterer Hinweis, dass die Wurzel der Sünde in lüsternem Verlangen liegt. Die Israeliten führten als Bedingung zur Heiligung den Ritus der Beschneidung durch. Sie qualifizierten sich als Gottes auserwähltes Volk, indem sie durch die Beschneidung Blut vergossen, denn die Wurzel der Sünde liegt darin, dass der Mensch durch eine unreine Beziehung das Böse aufgenommen hat, das sein Wesen durchdringt.

Sexuelle Unmoral ist einer der Hauptgründe für den Fall vieler Helden, Patrioten und ganzer Nationen. Selbst in Persönlichkeiten, die sich unserer höchsten Wertschätzung erfreuen, wirkt die Wurzel der Sünde, nämlich prinzipwidriges sexuelles Verlangen, unablässig in ihrer Seele, mitunter ohne dass sie es bewusst wahrnehmen. Es mag uns gelingen, alle anderen Übel auszulöschen, indem wir durch Religion einen moralischen Standard etablieren, sorgfältig verschiedene Erziehungsprogramme einführen und soziale und ökonomische Systeme reformieren, um so Verbrechen zu unterbinden. Doch niemand kann das Problem des Missbrauchs der Sexualität lösen, welches umso größer wurde, je komfortabler und angenehmer der Fortschritt der Zivilisation die Lebensumstände werden ließ. Daher bleibt die Hoffnung auf eine ideale Welt ein leerer Traum, solange diese Wurzel allen Übels nicht an ihrem Ausgangspunkt eliminiert worden ist. Christus muss bei seiner Wiederkunft dieses Problem ein für allemal lösen.