Abschnitt 1. Die Erfüllung von Gottes Zweck der Schöpfung und der Fall des Menschen
1.1 Die Erfüllung von Gottes Zweck der Schöpfung
Wir haben bereits erörtert, dass Gott die Menschen erschuf, um mit ihnen gemeinsam Freude zu erleben. (vgl. Schöpfung 3) Daher besteht der Sinn unseres Daseins darin, Gott Freude zu bringen. Was müssen wir tun, um Gott Freude zu bereiten und unseren ursprünglichen Wert voll zur Geltung zu bringen?
Alle Kreaturen, mit Ausnahme der Menschen, sind mit der angeborenen Eigenschaft ausgestattet, sich ganz natürlich zur Vollkommenheit zu entwickeln und Objektpartner zu werden, die Gott Freude bereiten. Menschen hingegen können nur aus freiem Willen und freiem Handeln wahre, echte Objektpartner zur Freude Gottes werden. (vgl. Schöpfung 5.2.2) Sie können nur Objektpartner Gottes werden und Ihn mit Freude erfüllen, wenn sie Seinen Willen verstehen und sich um ein entsprechendes Leben bemühen. Daher sind die Menschen mit dem emotionalen Potential ausgestattet, das Herz Gottes intuitiv zu spüren und Seinen Willen durch Vernunft zu erfassen. Ebenso ist ihnen die notwendige Fähigkeit verliehen, diesen Willen in die Praxis umzusetzen. Jeder Mensch, der sich mit Gott in dieser Weise verbindet, wird die Vervollkommnung seines individuellen Charakters erreichen. So konnten Adam und Eva vor dem Fall und die Propheten jedes Zeitalters in einem gewissen Maß mit Gott kommunizieren, weil sie über diese Anlagen verfügten.
Die Beziehung zwischen Gott und einem Menschen, der persönliche Vollkommenheit erreicht hat, lässt sich mit der Beziehung zwischen Geist und Körper vergleichen. Der Körper ist der Wohnort des Geistes, er agiert nach Maßgabe des Geistes. Ähnlich wohnt auch Gott im Geiste einer Person, die Vollkommenheit erlangt hat. Diese Person wird zum Tempel Gottes und führt ihr Leben in Harmonie mit Gottes Willen. Ein vollkommenes Individuum ist mit Gott in völligem Einklang, so wie der Körper sich im Einklang mit dem Geist befindet. Darum erklärt die Schrift: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Kor 3,16), und: „An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir, und ich bin in euch.“ (Joh 14,20) Ein Mensch, der seinen individuellen Charakter vervollkommnet hat, wird ein Tempel Gottes, und der Heilige Geist weilt in ihm.
Lebt diese Person in Einheit mit Gott, wird sie zu einem göttlichen Wesen. Daher kann sie unmöglich sündigen oder fallen.
Jemand, der seinen individuellen Charakter vervollkommnet hat, verkörpert in vollendeter Weise das Gute und erfüllt den Zweck der Schöpfung. Könnte eine Person, die das vollkommen Gute verkörpert, fallen, würde das zu dem unlogischen Schluss führen, dass das Gute in sich den Samen für seine eigene Vernichtung trägt. Wenn darüber hinaus menschliche Wesen, die vom allmächtigen Gott geschaffen sind, fallen könnten, nachdem sie Vollkommenheit erreicht haben, hätten wir allen Grund, an der Allmacht Gottes zu zweifeln. Gott ist das absolute und ewige Subjekt. Um Ihm wahre Freude zu bereiten, muss auch Sein Objektpartner ewig und absolut sein. Daher kann eine Person, die ihren individuellen Charakter vervollkommnet hat, niemals fallen.
Hätten Adam und Eva Vollkommenheit erlangt und deshalb keine Sünde mehr begehen können, hätten sie gute Kinder geboren und eine sündenlose Familie und Gesellschaft in vollem Einklang mit Gottes Segen (Gen 1,28) begründet. Sie hätten das Himmelreich eröffnet, das aus einer großen Familie besteht, die von den gleichen Eltern abstammt.
Das Reich Gottes hat die Struktur eines Individuums, das seinen Charakter vervollkommnet hat. Geradeso wie die Glieder des menschlichen Körpers in ihrem Zusammenspiel horizontaler Beziehungen koordiniert agieren und sich in Erwiderung auf die vertikal übergeordneten Impulse des Gehirns in Einheit bewegen, werden Menschen in der Gesellschaft kooperativ in horizontalen Beziehungen miteinander interagieren und ihr Leben als Gemeinschaft in Übereinstimmung mit den vertikalen Vorgaben führen, die von Gott kommen. Niemand wird seinem Nächsten Leid zufügen. Denn würde ein einzelner Mensch Schmerz empfinden, so würde jeder in dieser Gesellschaft Gottes Herz spüren, das am Kummer dieses Menschen teilhat.
Unabhängig davon könnte diese Gesellschaft nicht als das von Gott und den Menschen ersehnte Himmelreich angesehen werden, wenn sie unter primitiven Umständen auf dem Niveau von Höhlenmenschen lebten. Gott gab uns den Auftrag, über die Schöpfung zu herrschen. (Gen 1,28-30) Um das Um das Schöpfungsideal zu verwirklichen, sollten Menschen mit vollkommenem Charakter die Wissenschaften entwickeln, die Natur nutzbar machen und ein über alle Maßen angenehmes gesellschaftliches und natürliches Umfeld mit hoher Lebensqualität schaffen. Dies wird das Himmelreich auf Erden sein. Haben Menschen einmal die volle Herzensreife erlangt und sich ihres Lebens in Gottes irdischem Königreich erfreut, werden sie das Reich Gottes im Jenseits bilden, wenn sie ihre physischen Körper abgelegt haben und in die Geistige Welt eingegangen sind. Entsprechend diesem Prinzip ist es Gottes erster Schöpfungszweck, das Himmelreich auf Erden zu errichten.
1.2 Konsequenzen des Falls des Menschen
Die Menschen fielen, als sie unreif waren und sich noch in der Wachstumsperiode befanden. Wir haben bereits geklärt, warum die Wachstumsperiode erforderlich war und aus welchen Gründen gefolgert werden muss, dass die ersten Menschen während dieser Periode der Unreife fielen. (vgl. Schöpfung 5.2.1)
Infolge des Falls konnten die Menschen nicht zu Tempeln Gottes werden. Sie vereinigten sich stattdessen mit Satan und wurden zu dessen Behausungen. Statt ihre göttlichen Wesenszüge zu entfalten, erwarben sie Wesenszüge des Bösen. Menschen mit gefallenen Wesenszügen übertrugen Böses auf ihre Kinder und gründeten Familien, Gesellschaften und eine Welt des Bösen. Dies ist die Hölle auf Erden, in der wir bis jetzt gelebt haben. In dieser Hölle sind wir nicht in der Lage, in prinzipgemäßen horizontalen Beziehungen zusammenzuarbeiten, weil unsere vertikalen Beziehungen zu Gott zerstört sind. Unser Tun ist oft zum Schaden anderer, weil wir den Schmerz und das Leid unseres Nächsten nicht als unser eigenes empfinden können.
Haben sich Menschen einmal ein Leben in der Hölle auf Erden eingerichtet, wechseln sie zwangsläufig in eine Hölle in der Geistigen Welt über, nachdem sie ihr physisches Leben beendet haben. Wir haben nicht das Reich Gottes, sondern die Herrschaft Satans errichtet. Darum wird Satan von Jesus als „Herrscher dieser Welt“ (Joh 12,31) und von Paulus als „Gott dieser Welt“ (2 Kor 4,4) bezeichnet.