Prädestination
Prädestination
- Theologische Kontroversen über die Prädestination — die Vorherbestimmung — haben im religiösen Leben vieler Menschen eine starke Verunsicherung hervorgerufen.
- Wir finden viele Bibelstellen, die oft dahingehend interpretiert werden, alles im Leben eines Menschen —
- Wohlstand und Untergang,
- Glück und Elend,
- Erlösung und Verdammnis,
- selbst Aufstieg und Fall von Nationen — ereigne sich genauso, wie es von Gott vorherbestimmt sei.
- Doch können wir in der Bibel ebenso genügend Hinweise finden, welche die Lehre von der absoluten Prädestination widerlegen.
- In der Bibel finden sich reichlich Gründe, um jede dieser beiden gegensätzlichen Theorien zu rechtfertigen.
Die Prädestination des Willens Gottes
- Bevor wir die Prädestination des Willens Gottes erörtern, wollen wir zunächst untersuchen, worauf sich Sein Wille bezieht.
- Gott konnte infolge des menschlichen Falls Seinen Schöpfungszweck nicht verwirklichen.
- Daher besteht Gottes Wille noch immer darin, Seine Vorsehung für die gefallene Menschheit durchzuführen und den Schöpfungszweck zu erfüllen.
- In diesem Sinne ist es Gottes Wille, dass die Wiederherstellung vollendet werde.
- Gott ist das absolute Wesen, einzigartig, ewig und unveränderlich.
- Daher muss Sein Schöpfungszweck auch absolut, einzigartig, ewig und unveränderlich sein.
- Gleichfalls ist Sein Wille zur Vorsehung der Wiederherstellung, der auf die Erfüllung des Schöpfungszwecks abzielt,
- notwendigerweise absolut, einzigartig und unveränderlich.
- Daraus folgt, dass Gottes Vorherbestimmung Seines Willens — nämlich dass der Schöpfungszweck eines Tages verwirklicht werden muss — auch absolut sein muss.
Die Prädestination für die Erfüllung des Willens Gottes
- Obwohl Gottes Wille, Seinen Schöpfungszweck durch die Vorsehung der Wiederherstellung zu verwirklichen, absolut und menschlichem Einfluss nicht unterworfen ist,
- muss der Mensch seinen Teil der Verantwortung einbringen, damit die Vorsehung erfüllt werden kann.
- Ursprünglich sollte Gottes Schöpfungszweck von Adam und Eva erst erreicht werden, wenn sie die ihnen übertragene Verantwortung erfüllten und nicht von der Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse aßen.
- Gleichermaßen wird Gottes Wille im Ablauf der Vorsehung der Wiederherstellung nur ausgeführt, wenn die für eine Mission verantwortliche Hauptperson ihren Teil der Verantwortung wahrnimmt.
- Bis zu welchem Grad prädestiniert Gott den Ablauf der Vorsehung?
- Obwohl Gottes Wille zur Verwirklichung des Ziels der Vorsehung absolut ist,
- bestimmt Er den Prozess für dessen Erfüllung nur bedingt im Voraus.
- Dieser Prozess hängt von den 5 Prozent Verantwortung der Hauptperson ab,
- welche zusätzlich zu den von Gott übernommenen 95 Prozent der Gesamtverantwortung verwirklicht werden müssen.
Prädestination von Menschen
- Adam und Eva waren dazu bestimmt, die guten Vorfahren der Menschheit zu werden,
- sofern sie ihre Verantwortung erfüllten, Gottes Gebot einzuhalten und nicht von der Frucht zu essen.
- Demnach hat Gott nicht absolut im Voraus bestimmt, dass Adam und Eva unsere guten Vorfahren werden würden.
- Das Gleiche gilt für alle gefallenen Menschen:
- Sie können nur dann ideale Menschen nach Gottes Bestimmung werden,
- wenn sie ihre Verantwortung erfüllen.
- Bis zu welchem Grad bestimmt Gott das Schicksal eines einzelnen Menschen im Voraus?
- Damit Gott Seinen Willen durch eine Person erfüllen kann, ist es unbedingt erforderlich, dass diese Person ihre Verantwortung erfüllt.
- Auch wenn Gott einen Menschen für eine bestimmte Mission vorherbestimmt,
- so müssen die 95 Prozent göttlicher und 5 Prozent menschlicher Verantwortung miteinander erfüllt werden,
- damit diese Person ihre Mission durchführen und Gottes Willen tun kann.
- Erfüllt jemand seine Verantwortung nicht, kann er nicht zu dem werden, wozu ihn Gott bestimmt hat.
- Untersuchen wir nun noch die Voraussetzung, wie in Gottes Prädestination jemand zur Hauptperson der Vorsehung der Wiederherstellung werden kann.
- Der Zweck der göttlichen Vorsehung der Wiederherstellung ist es, die gefallene Welt vollständig zur ursprünglichen Welt, die Gott geplant hatte, wiederherzustellen.
- Daher sind alle Menschen im Voraus dazu bestimmt, erlöst zu werden, wenn auch der Zeitpunkt ihrer Erlösung verschieden sein mag. (2 Petr 3,9)
- Doch so wie das ursprüngliche Schöpfungswerk Gottes
- kann auch Seine Vorsehung der Erlösung — ein Werk der Neuschöpfung — nicht von einem Augenblick zum nächsten verwirklicht werden.
- Sie beginnt an einem Punkt und dehnt sich graduell aus, bis sie alles umfasst.
- Daher prädestiniert Gott in der Vorsehung der Erlösung
- zunächst einen Menschen als Hauptperson und beruft ihn dann für eine Mission.
- Welche Fähigkeiten sollte eine Person aufweisen, damit sie einem solchen Ruf nachkommen kann?
- Erstens muss die Hauptperson aus dem auserwählten Volk stammen.
- Zweitens muss sie innerhalb des auserwählten Volkes einer Ahnenreihe entspringen, die sich durch viele gute Taten ausgezeichnet hat.
- Unter den Nachkommen dieser hervorragenden Ahnenreihe muss die betreffende Person mit dem erforderlichen Charakter ausgestattet sein.
- Unter den Menschen mit dem erforderlichen Charakter muss diese Person in ihren ersten Lebensjahren die notwendigen Fähigkeiten entwickeln.
- Und letztlich erwählt Gott unter den Menschen, die sich diese Eigenschaften angeeignet haben, jene Person aus, die zu der Zeit und an dem Platz lebt, die für Gottes Bedürfnis am passendsten sind.
Erklärung von Bibelstellen, die die Lehre von der absoluten Prädestination unterstützen
- In Röm 8,29-30 heißt es: „Denn alle, die er im Voraus erkannt hat, hat er auch im Voraus bestimmt … Die aber, die er vorausbestimmt hat, hat er auch berufen, und die er berufen hat, hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, hat er auch verherrlicht.“
- Gott prädestiniert, wen Er im Voraus erkannt hat; dann beruft Er ihn, den Zweck der Vorsehung zu erfüllen.
- Die Berufung der Person liegt in Gottes Verantwortung, doch das allein macht eine Person noch nicht gerecht vor Ihm und „verherrlicht“ sie noch nicht.
- Erst wenn die Person ihre Verantwortung auf den Ruf Gottes hin erfüllt,
- wird sie gerecht gemacht und dann „verherrlicht“.
- Gottes Prädestination für die „Verherrlichung“ eines Menschen hängt also davon ab, ob dieser seinen Teil der Verantwortung erfüllt.
- Weil die Bibelstelle den menschlichen Teil der Verantwortung nicht erwähnt, könnten Leute sie so fehlinterpretieren, als unterlägen alle Angelegenheiten ausschließlich Gottes absoluter Vorherbestimmung.
- Menschen wie Johannes Calvin haben die Lehre von der vollständigen und absoluten Prädestination vertreten,
- die auch heute noch von vielen geglaubt wird.
- Sie hingen einer solchen Lehre an, weil sie fälschlich glaubten, die Erfüllung von Gottes Willen hinge nur von Gottes Macht und Wirken ab.
- Ihnen war das wahre Verhältnis zwischen Gottes Teil der Verantwortung und dem menschlichen Teil nicht bekannt, die beide notwendig sind, damit der Zweck der Vorsehung der Wiederherstellung erfüllt wird.